Holstein. Benedektis Nachrichten. Erzherzogin Sophie. Vastatt. 225
In der Holsteinschen Sache werde ich mir erlauben, noch über die Frage g. zu be-
richten, ob es sich empfiehlt, dem Bunde nachträglich Kenntniß davon zu geben, daß und
in Solge welcher Verbandlungen die beiden Mächte einstweilen von Dänemark befriedigt
lind. Die Tollegen wünschen es, und Graf Rechberg will es in Wien befürworten. Viel-
leicht ziehn E. E. es vor, daß wir, sobald wir von Wien die Antwort auf unsre Mit-
tbeilung vom 16. c. haben, oder auch schon früher, die deutschen Höfe durch Circular
von dem Verlauf und der Sachlage unterrichten und so die Empfindlich#keit beschwichtigen,
die unter meinen Collegen über Mangel an amtlicher Kenntnih zu Tage tritt.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung verharre ich . ..
248. Bericht vom 22. Mai 1857 an Minister v. Manteuffel,
betr. die Wahrung der Stellung Preußens in der Handelsgesetzgebungsfrage.
— Vgl. Doschinger, Aeue Berichte S. 251 ff.
7240. Schreiben an Minister v. Manteuffel.
(Eigenböndig.)
24. Mai 1857.
Der Director im franzölischen Ministerium der auswärtigen Angelegenbeiten Bene-
dotti ist heut auf seiner Rückreise von Alexandrien und Wien hier. Aus letzterem Ort
erzählt er, daß Graf Buol in Sachen der Donaufürstenthümer entschiedner als je spräche
und sich einen sehr „hautainen“ Ton angewöhnt habe, daß England jetzt wieder offen
gegen die Union aufträte und Oestreich darauf rechne, daß Srankreich nachgeben werde.
Die letzten an Graf Montessug gelangten Pariser Depeschen lassen aber noch nichts da-
von spüren. Er hat ferner das Gerücht von Annäherung Oestreichs an Rußland ge-
bracht, welche durch Budberg mit Eifer gefördert werde; in Sachen der Sürstenthümer
erkläre ARußland, daß es kein Interesse für die eine oder die andre Gestaltung habe und
bei seinem Votum für die Union schließlich bleiben werde, ohne sich lebhaft dafür einzu-
setzen. Bei der Stellung des Herrn Benedetti habe ich geglaubt E. E. den Inhalt seiner
Aeußerungen melden zu sollen, obschon sie nur allgemeiner Natur sind. Merkwürdig war
mir seine Angabe, daß S. K. H. die Erzberzogin Sophie von Dresden aus in wärmster
Anerkennung über den Prinzen Aapoleon nach Wien geschrieben und ihn in einer Weise
gelobt habe, die dort Überraschung und Sensation erregt babe.
Wegen der Nastatter Besatzung höre ich durch dritte Hand, daß Baden mit Oest-
reich noch nicht ganz einig sei. Letztres verlange den Commandanten zu ernennen und
mehr als die Hälfte der künftigen Garnison m stellen; Baden wolle erstres nicht m-
geben und das Vecht, 2500 Mann zu stellen, für sich gewahrt wissen. Herr von Marschall
bat dieß einem meiner Collegen gesagt; mit mir bat er nicht weiter von der Sache ge-
Iprochen. In Folge des Tirculars, welches Oestreich am 1. Mai an alle deutschen Re-
girunglen] erlassen hat, bin ich von Hanover, dem Sesandten der sächsischen Herfog-
thümer und Meckienburg über unfre Ansicht von der Sache mehrfach befragt worden.
Verjzeihn E. C. diese eiligen Seilen. Mit der ausgejzeichnetsten Verehrung verharre ich.
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