Bauerisches Mißtrauen gegen Ssterreich. Crotzdem eotl. Anschluß an dasselbe im Kriegsfall. 85
kerung ausfgewogen werde. In Posen und Galizien wenigstens sei dies der Sall, und im
rufsischen PDolen ein etwaiger Aufstand durch polizeilichei) Mittel leicht zu dämpfen.
Der bayerische Minister gab mir dies zu, kam aber wiederholt auf die besondere Vor-
liebe zurück, welche der französische Kaiser für die PDolen an den Tag gelegt babe, und
welche auch in der Person des Grafen Walewski ihren Ausdruck finde.
Gegen die Entschließungen Österreichs für den Sall der Sortdauer des Krieges begte
der Minister von der Pfordten das größte Mißtrauen, namentlich wegen der staatsmän-
nischen Unfähigkkeit des Grafen Buol. Das letztere Urteil trat mir demnächst in allen
Kreisen von München und Stuttgart mit großer Entschiedenbeit entgegen, und begleitet
von dem Bedauern, daß der Kaiser Franz Josef den Händen seines dermaligen Ministers
die auswärtige Dolitik Österreichs fast ohne Kontrolle überlasse. Demungeachtet sprach
der Minister von der Pfordten gegen mich die Befürchtung aus, daß Bayern sich der Do-
litik Ofterreichs anschließen werde, wenn letzteres im Bündnisse mit Srankreich sich am
Kriege beteilige. Seine eigene Ansicht widerstrebe dem zwar entschieden, seine Stellung
Jei aber nicht binreichend gesichert, um in dieser Bejiehung eine Bürgschaft für die Sukunft
abgeben zu können; es gäbe in Bapern nur die drei Parteien: der Ultramontanen, der
Konstitutionellen und der Demokraten, und diese, so entschieden sie sich auch auf andern Ge-
bieten bekämpften, träfen doch in der Seindsceligkeit gegen Rußland zusammen. Wenn
daber Bayern in die Lage versetzt würde, die Unabhängigkeit feiner Entschließungen, im
Gegensatz zu einem mit Frankreich verbündeten Österreich, zu betätigen, so werde das Mi-
nisterium bei einem Versuch dazu dem ÜUbergewicht der öffentlichen Meinung erliegen
und die Regierung möglicherweise dem Herrn von Abel oder dem Sürsten Wallerstein an-
beimfallen. Der einzige Halt golchen Eventualitäten gegenüber liege in der großen Schwie-
rigkeit, mit welcher der König Max überhaupt wichtige Entschlüsse fasse, und in seiner un-
wweifelhaften Anhänglichkeit an die Bundesverfassung, deren weitere Ausbildung ihn leb-
baft beschäftige, und in welcher er die relativ sicherste Assekuranz gegen äußere und innere
Gefahren festhalte. So lange er selbst am Ruder sei, erklärte Sreiherr von der Pfordten,
unverbrüchlich an dem Grundsatz festhalten zu wollen, daß die deutschen Bundesstaaten
sich nur an denjenigen politischen Schritten beteiligen könnten, welche nach vorgängiger Be-
ratung die verfassungsmäßige Sanktion der Bundesversammlung erhalten hätten, und
daß alle von ÖOsterreich allein und felbständig gefaßten Entschließungen auch von ihm in
seiner Eigenschaft als europäische Macht und ohne Beibilfe der deutschen Bundesgenossen
durchzuführen seien.
Bei den wiederholten längeren Besprechungen, die ich mit dem Minister von der
Pfordten gebabt habe, versuchte ich zu ergründen, inwieweit derselbe den Dlänen eines
französisch') bayerischen, auf Bergrößerung durch fremde Bündnisse gerichteten Ehrgeizes zu-
gänglich sei; er lehnte jeden Berdacht einer an den Rbeinbund erinnernden Politik mit einer,
wie mir schien, aufrichtigen Erregtheit ab, indem er darauf binwies, daß schon in der Per-
Jönlichkeit des Königs Max die Unmöglichkeit der Durchführung derartiger Pläne gegeben
sei, selbst wenn ein baperischer Minister sich gegenwärtig bereit finden könnte, zum Verrat
an Deutschland die Hand mu bieten. öch habe in München den Eindruck gewonnen, daß
diese Außerung für die Gegenwart in der Wahrbeit begründet At. Sch halte den Minister
von der Pfordten für leicht bestimmbar durch neue Eindrücke, aber nicht für unaufrichtig
*) Im Konzept und in der snNnN-l steht: galitische. Dagegen bat eine Abschrift nach dem Kon-
nept: *½—5 #0ny0 — doch wohl beihen zund und wie auch Poschinger belelen bat.