Full text: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Gesandtschaft nach England und Frankreich. 361 
Thronfolgers in Deutschland, mit einer Tochter Ludwigs VII. im Sinne; so 
hoffte er, werde eine unverbrüchliche Verbindung zwischen beiden Fürsten- 
häusern und Reichen zustande kommen?). Gingen seine Pläne in Er- 
füllung, so war es ohne Zweifel mit der Macht Alexanders III. und der 
ganzen durch ihn vertretenen Partei in der Kirche vorbei. Und war erst dieser 
Gegner besiegt, dann konnte es nicht fehlen, daß der schwächere Verwandte, 
der französische König, durch den mächtigen Kaiser in das Verhältnis eines 
Vasallen herabgedrückt wurde. 
Mit großem Eifer ging Friedrich auf diese vielverheißenden Entwürfe ein. 
Seine Aufgabe war eine doppelte. Einmal mußte er Heinrich II. in seiner 
trotzigen Haltung gegen die Kurie festhalten und womöglich wieder zu dem 
Bunde von 1165 veranlassen. Hierin wurde er bestärkt durch den Umstand, 
daß jetzt heimlich Gesandte des englischen Königs bei ihm eintrafen"). 
Auf der anderen Seite hatte er dafür zu sorgen, daß der König von Frank- 
reich in seiner für ihn günstigen Stimmung erhalten, in derselben Richtung 
weiter geführt und besonders zur Eingehung der verwandtschaftlichen Ver- 
bindung zwischen beiden Häusern veranlaßt werde. Deshalb gab er dem 
Grafen von der Champagne in diesem Sinne Vollmachten-“"). Aber mit 
diesem indirekten Einwirken stellte er sich nicht zufrieden. Er beschloß, eine 
eigene Gesandtschaft an die beiden Könige zu richten, begab sich auch selber 
nach Besangon, um den Ereignissen näher zu stehenf). 
Welche Reichsfürsten waren aber für dieses schwierige und wichtige diplo- 
matische Geschäft zu bestimmen? Im allgemeinen konnte die Wahl nicht 
schwer sein; die beiden ehemaligen Kanzler des Kaisers, die Erzbischöfe von 
Mainz und Cöln, waren eben durch diese ihre frühere Stellung am ehesten 
hierzu berufen. Bei dem jetzt wieder ungetrübten Verhältnis zwischen dem 
Kaiser und Heinrich dem Löwen konnte es gar nicht auffallen, daß Friedrich 
auch diesen bei der Gesandtschaft an dessen Schwiegervater beteiligte. Es 
sollte eben nichts verabsäumt werden, um Heinrich II. den Absichten des 
Kaisers zugänglich zu machen. Deshalb wählte dieser den sächsischen Herzog 
zum dritten seiner Gesandten. 
Heinrich der Löwe weigertesich des kaiserlichen Auftrages nicht; nur ordnete 
er vorher die Verhältnisse Bayerns. Regensburg stand unter dem Schutze des 
% Ep. Ioan. Saresb. ad mag. Lombardum (Bouquet, Reo. XVI. p. 592): Utinam 
dbristianissimum regem audiretis quem timeo de cetero revocari non posse, quin 
ad preoes imperatoris inter liberos eorum matrimonium contrahatur. 
Hoc enim procurat comes Henricus, et sperat, se voti compotem fore. 
# #. Mariae Boloniae Comitissae ad Lud. reg. ap. Bouquet, Rec. XVI. p. 144. 
½% Siehe oben Anmerk. 7). 
4) Nach der Ep. Mariae ad Ludov. L c. und nach der Chron. Regia Colon. wären 
die Gesandten nur zum Könige von England gegangen und von diesem direkt 
durch Flandern nach Deutschland zurückgekehrt. Das Letztere iß wahrscheinlich richtig 
und hat zu dem Irrtume in der ersten Haifte der Nachrichten Veranlassung gegeben 
denn daß die Gesandten des Kaisers auch am französischen Hofe gewesen sind, i nach 
den zeitgenössischen, gerade hier am besten (s. unten Text) unterrichteten Ann. Camerac., 
p. 545 unzweifelhaft.