60 Zweites Buch. I: Heinrichs Jugend.
den Titel Herzog beis). Und er blieb in diesem Kampfe nicht allein. Vor
allen fürchtete König Roger von Sizilien, Konrad möchte, wenn erst die Ruhe
in Deutschland wieder hergestellt wäre, nach Italien ziehen und ihn dafür bestrafen,
daß er den Papst gezwungen, ihn mit unter deutscher Hoheit stehenden
Gebieten zu belehnen, daß er sodann sich den Königstitel beigelegt und endlich
den Fürsten von Capua nebst vielen Grafen genötigt hatte, bei Konrad selbst
Schutz zu suchen. Deshalb sandte er heimlich an Welf und ließ ihn unter
großen Versprechungen zur Fortsetzung des Krieges anreizen. Jährlich solle
der Herzog 1000 Mark von ihm empfangen, so schwor er diesem zus'). Als
auch König Geysa von Ungarn (seit 1141) Konrad feind wurde, besonders
seinem Nachbarn, dem durch Erwerbung Bayerns mächtig gewordenen
Heinrich Jasomirgott, gab er gleichfalls Welf eine große Geldsumme für die
Kriegskosten und versprach, sie ihm jedes Jahr von neuem zu übermitteln?“).
Auf diese Weise erklärt es sich, wie der nicht gerade mächtige Welf VI. es
wagen konnte, ungescheut den Kräften des Reiches Trotz zu bieten. Heiß
entbrannte bald der Krieg. In Bayern selbst unterstützten jetzt den Welfen
zahlreiche Freunde: so die Schyren, die Grafen von Dachau, von Wolfrathshausen,
Markgraf Ottokar von Steier, viele Abte und Ritter und das Volk
von Regensburg und Freisingf). Vor den Augen des Babenbergers fiel
Welf in Bayern ein, verwüstete einen Teil der Provinz und zog sich dann unbeschädigt
wieder zurück. Darüber ergrimmte Heinrich Jasomirgott gewaltig;
zuerst sollten die Anhänger des Welfen in Bayern das Gewicht seines Zornes
fühlen. Deshalb sammelte er ein großes Heer und führte es in das Gebiet des
Freisinger Bistums, das er für welfisch gesinnt hielt. Weit und breit verwüstete
er dessen Gefilde und riß die Mauern Freisings nieder. Zwar wollte
Welf dem bedrängten Hochstifte zu Hilfe eilen, aber vor dem Herannahen
König Konrads, der, erzürnt über Welfs Hartnäckigkeit, aus Sachsen herbeikam,
mußte er wiederum zurückweichenff). Der König stieß zu Heinrich Jasomirgott,
und beide wandten sich gegen Kathuf, ein Schloß des Grafen Konrad
von Dachau, gleichfalls eines Führers der welfischen Partei. Nachdem sie
alle Besitzungen des Grafen auf das grausamste verheert, belagerten sie die
Feste, eroberten und verbrannten sie ff#).
6 Mit diesem Titel SIccheint er zum ersten Male in einer Urkunde vom 1. Febr. 1142;
Adler, Welf VI., S. 139.
* S. Krit. Erört., Ig.
%b% ) Hist. Welf. Weing., D. 468.
f) Zschokke, Bayrische Geschichten, II, S. 369.
#) Otto Fris., Chr. VII, 26. — Chr. Reg. Colon., p. 79. — Der König war am 15. Dezember
in Regensburg, wie seine Urkunde bei Erben, Regesta Boheminse et Moravige,
I, p. 105, zeigt.
f) Hist. Welf. Weingart. l. c. — Die späteren (1460) Annales Boji (ed. Frankfurt
1627, p. 387) nennen hier Konrad von Dachau schon Konrad von Meranien. Diesen
Besitz hat er erst später erhalten. Deshalb zählt auch Buchner, Geschichte von
#e 44 S. 168, fälschlich den Grafen von Meranien unter den Anhängern der
elfen auf.