Full text: Hayn'sche Sammlung der Polizei-Verordnungen und polizeilichen Vorschriften der Regierungsbezirke der östlichen Provinzen des Regierungsbezirks Oppeln (II Teile I-III)

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Zur Ausführung der Bestimmungen der vorstehenden Verordnung 
bemerke ich folgendes: 
Die Beobachtung der Streckgrenze an der Zerreißmaschine gibt häufig 
u Zweifeln über die Belastung an der Streckgrenze Anlaß, indem sich der 
intritt des Fließens nur kurze Zeit an dem Abfall der Vag- oder der 
sonstigen Anzeigevorrichtung bei gleichbleibender Belastung ihen 
namentlich tritt dieser Umstand bei Verreitmaschinen hervor, deren Belastung 
nicht gleichmäßig (durch hydraulischen Druck), sondern stufenweise gesteigert 
wird. Zur sicheren Feststellung der Streckgrenze empfiehlt sich daher die Be- 
schaffung zweckmäßiger Zerreißmaschinen, wmöglich mit selbsttätiger Schreib- 
einrichtung für die Arbeitsdiagramme und Spiegelvorrichtung zur Fest- 
stellung der Streckgrenze, da andernfalls häufige Differenzen mit den Werken 
8 besorgen sind. Kann die Spannung an der Streckgrenze auch bei der 
iederholung der Probe an einem Parallelzerreißstab, dessen Bereithaltung 
ch stets empfiehlt, nicht zweifelsfrei durch unmittelbare Beobachtung fest- 
gestellt werden, so bleibt nur übrig, diejenige Belastung zu ermitteln, bei 
welcher die bleibende Längenänderung von mehr als O,0p# der ursprünglichen 
Länge des Zerreißstabes erreicht wird. Die Maschine ist bei diesem Ver- 
fahren stufenweise zunächst innerhalb der Proportionalität der Belastungen 
und Dehnungen zu be- und entlasten und dieses Verfahren mit besonderer 
Vorsicht in der Nähe der im voraus zu erwartenden Streckrenze fortzusetzen. 
Bei der weniger genauen Ermittelung der Streckgrenze durch unmittelbare 
Beobachtung an der Maschine sind geringe Beobachtungsfehler in der Be- 
lastung häufig unvermeidlich. Bei diesem Verfahren sind daher unbedeutende 
Ueberschreitungen der höchsten Streckgrenze bis zum Betrage von 0, kg 
zu vernachläsäigen, vorausgesetzt, daß das Dehnungsmaß bei der Zerreiß- 
und bei der Biegeprobe erweist, daß es sich um gutes Material handelt. 
Die Biegeprobe soll tunlichst in der Weise erfolgen, daß auf das zu biegende 
Probestück ein unten halbrund abgerundetes Flacheisen in der Stärke des 
vorgeschriebenen Dorndurchmessers aufgesetzt und das Probestück unter der 
Einwirkung gleichmäßig zu steigernder, ruhender Belastung zwischen zwei 
Führungen hineingepreßt wird, deren Entferaung nicht wesentlich größer sein 
darf als die Stärke des Druckstempels und der doppelten Stärke des Probe- 
stücks. Es ist nicht erforderlich, daß die Schenkel des Probestücks nach Ent- 
fernung der Führungen völlig parallel find. Die Ausführung der Biege- 
probe durch Hämmern um einen Dorn ist zu vermeiden. 
Flaschen derselben Charge können bei gleichem oder annähernd gleichem 
Durchmesser ohne Rücksicht auf ihre Länge in einer Gruppe zusammen abge- 
nommen werden. Zur Vermeidung unnötiger Kosten sind in solchen Fällen 
uode Regel nicht die Flaschen größter Länge für die Prüfungen auszu- 
wählen. 
Die Materialprüfung ist auch bei Abnahme einzelner Flaschen mit einer 
derselben Charge entstammenden Flasche gleichen Durchmessers auszuführen, 
es sei denn, daß der bestimmte Nachweis geführt werden kann, daß die 
Flasche aus den Restbeständen einer bereits geprüften Charge entnommen ist. 
ur Erleichterung der Fabrikation auf Vorrat kann die Stempelung 
der Flaschen ausnahmsweise vorgenommen werden, bevor die Bezeichnung 
des Eigentümers, der Nummer und des einzufüllenden Gases auf der Flasche 
erfolgt ist. Ueber die mit dem Abnahmestempel versehenen derartigen 
Flaschen ist vom Werk ein genaues Berzeichnis mit einer Kennzeichnung 
einzelnen Flaschen zu führen. Letztere (etwa eine Fabrikationsnummer) muß 
2P5 der Flasche an geeigneter Stelle (Fuß) vermerkt werden. Die Prüfungs- 
bescheinigungen sind von dem Abnahmebeamten in Fällen dieser Art erst zu
	        
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