Contents : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

54  Der  erste  dänische  Krieg  in  den  Jahren  1848—1850.

triumphiert  und  verlangte  nun  danach,  sein  verlorenes  Ansehen  auch  „im  Reiche“
wiederherzustellen.  Es  verweigerte  dem  kleinen  Bundesglied  im  Norden  das
Recht,  über  sich  selbst  zu  verfügen  und  seine  Selbständigkeit  zu  wahren.  Als
die  Schleswig-Holsteiner  jedoch  darauf  bestanden,  die  Gestaltung  ihrer  Zukunft
selber  in  die  Hand  zu  nehmen,  blieb  es  nicht  bei  Einschüchterungsversuchen.
Preußen,  auf  dessen  entschlossenes  Eintreten  zu  gunsten  der  schleswig-holsteinischen
Sache  man  hier  und  da  immer  noch  gerechnet  hatte,  zeigte  sich  in  der  folgenschweren
  Konferenz  zu  Olmütz  nachgiebig  bis  zur  Schwäche,  und  der  österreichische
  Minister  Fürst  Schwarzenberg  brachte  den  preußischen  Kollegen  von
Manteuffel  dahin,  einer  Entwaffnung  der  Herzogtümer  zuzustimmen.  Demzufolge
  erschienen  österreichische  Truppen  an  den  Gestaden  der  Ostsee  und  besetzten
  das  deutsche  Bundesland  Holstein.  Die  schleswig-holsteinische  Armee
wurde  aufgelöst,  viele  ihrer  Offiziere  trugen  ihren  deutschen  Zorn  über  den
Ozean  und  nahmen  Dienste  in  Brasilien  oder  bei  den  Vereinigten  Staaten  von
Nordamerika,  wo  sie  sich  später  mehrfach  auszeichneten.  Die  fortan  mit  Dänemark
  einen  Gesamtstaat  bildenden  Herzogtümer  wurden  den  Dänen  mit  gebundenen
  Händen  überliefert.  In  dem  jetzt  von  allen  Großmächten  unterzeichneten
  „Londoner  Protokoll“  wurden,  um  alle  Erbstreitigkeiten  zu  beseitigen,
der  Prinz  Christian  von  Sonderburg-Glücksburg  und  seine  männlichen
Nachkommen  als  Thronfolger  der  dänischen  Gesamtmonarchie  anerkannt.

Dänemark  konnte  mit  Recht  über  die  Schwäche  des  Deutschen  Bundes
frohlocken;  war  ihm  doch,  allen  gegebenen  Versprechungen  und  den  abgeschlossenen
Verträgen  zum  Hohn,  nun  gestattet,  in  Schleswig-Holstein  die  alte  Willkürherrschaft
  fortzusetzen.  Aber  der  Tag  der  Vergeltung  sollte  kommen.  Preußen
hatte  diesmal  unter  der  Ungunst  der  allgemeinen  Verhältnisse  Osterreich  nachgegeben.
  Aber  es  sollte  nicht  gar  so  lange  währen,  bis  die  schleswig-holsteinische
Frage  zum  dritten  Male  auf  der  Tagesordnung  erschien,  und  nunmehr  Osterreich
  von  Preußen  gezwungen  wurde,  mit  seinen  eignen  Bajonetten  bei  der
Rückeroberung  der  beiden  deutschen  Herzogtümer  zu  helfen.