Einleitung. 3
der Herrschergewalt des Reichsoberhauptes, sie wußten, wie sehr
dasselbe zur siegreichen Niederhaltung aller ihm widerstrebenden
Elemente ihrer Beihülfe und Unterstützung benöthigt war; für Gewährung
derselben suchten sie jetzt für sich möglichst große Vortheile
zu erlangen und bildeten auf diesem Wege die in den letzten Jahrzehnten
ihren Anfängen nach begründete Territorialhoheit schnell
weiter aus. Das Bestreben der meisten Herrscher, durch Belehnung
der ihnen nahestehenden Fürsten mit möglichst ausgedehnten Gebieten
sich einen starken Rückhalt zu schaffen, war dieser Tendenz nur noch
mehr förderlich.
Mit der Regierung Conrads III. und dem unter ihm sich von
Neuem entspinnenden Kampfe zwischen Welfen und Hohenstaufen
kommt dann diese Entwickelung in eine neue, entscheidende Phase.
Nach seinem Tode aber tritt eine den Fürsten und ihren Gelüsten
nach Selbständigkeit überaus günstige Wendung ein. Die Maßregeln
Friedrichs I., die von ihm vollzogene Belehnung des Haupts
der Welfen, Heinrichs des Löwen, auch mit Baiern, und die Stellung,
die er demselben in Sachsen einräumt, die Erhebung Oesterreichs
zu einem fast ganz aus dem Reichsverbande heraustretenden
Herzogthum, die später von ihm mit dem Grafen Balduin von
Hennegau geschlossene Einigung, welche diesem eine ganz ähnliche
Stellung einräumte,) — alle diese Maßregeln förderten die Selbständigkeit
der Reichsfürsten ungemein, sicherten dem Kaiser allerdings
wenigstens für den Augenblick die Unterstützung derselben in seinen
Kämpfen gegen die Lombarden und gegen Alexander III. —
Das Ziel, welches Friedrich I. durch diese Politik angestrebt,
erreichte er auch; aber freilich vermochte er es nicht, sich den für
ihn sehr nachtheiligen Consequenzen derselben zu entziehen, und diese
nöthigten ihn schließlich, die bisher verfolgte Politik aufzugeben und
bei der Ordnung der inneren Reichsangelegenheiten von einem ganz
andern Gesichtspunkte auszugehen. Welcher Art aber diese Consequenzen
waren, das hatte Friedrich zu seinem größten Schaden in
dem Abfalle des mächtigsten, ihm von allen am nächsten stehenden
Reichsfürsten zur erfahren, Heinrichs des Löwen, des Herzogs von
Baiern und Sachsen. Der kaiserlichen Autorität hohnsprechend gab
dieser den Selbständigkeitsgelüsten, welche alle Fürsten mehr oder
weniger bewegten, offener und unverhohlener und zugleich gefähr-1)
Vgl. Beilagen, Urk. n. 20.