Bauerns deutsches Programm. 77
*880. Erlaß an den Gesandten in München
Freiherrn von Werthern.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Bucher.]
Am 8. Cktober beite der baprische Ministerpräsident Sürst Hebenloh in der Kammer
der Abgeordneten bei der Deratung der Zollvereinsverträge eine e gehalten (siehe deren
vollen Text in: Denkwürdigkeiten —E* Sürsten Chl. zu Hobenlohe-Schillingsfürst, II. 268 ff.),
in der er das deutsche Progtamm baurischen Politik negatio und positio umriß. Die
negative Formel lautete: „Wir wollen nicht den Eintritt Bauerns in den Norddeutschen
und, wir wollen hein DVerf fassungsbündnis der jsüddeutschen — unter der Sührung
Oelterreichs; wir wollen keinen jüdwestdeutschen Vundesstaat, der für sich abgeschlossen wäre
oder glch gar an eine nichtdeutsche Macht anlehnte; wir wollen ebensowenig eine Grohmacht-
politikk und glauben nicht, dah Vayern in einer Vermittlerrolle das Endiiel leiner Pol tik
z suchen hat.“ In positloer Richtung drückte sich Hobenlohe dahin aus: „Was wir wollen,
und was wir auch ferner anstreben werden, ist die nationale Verbindung der süddeutschen
Staaten mit dem Norddeutschen Bunde und damit die Einigung des zur Zeit getrennten
Deutschlands in der Form eines Staatenbundes.“ Der Aljent in dieser doppelten Sormu-
lierung lag auf der Regative. Sehr deutlich wies der Sürst eine isolierte Annäherung des
einen oder des anderen süddeutschen Sa an den Norddeutschen Bund — also den von
Vaden erstrebten Weg — zjurück: „Wie sich die Berhältnisse jetzt gestaltet baben, wäre
es nach meiner Überjeugung zwe politisch Korrekt noch zweckmähig noch auch — man gebe
ch keinen Illusionen hin — in friedlicher Weise durchführbar, daß endelse Staaten lüskeh
es Mains mit Norddeutschland in nähere Verbindung treten. Das nationale Band, das
wischen uns und dem NTorddeutschen Bunde geschaffen werden soll, muhß den ganzen Sües
umfassen. Aur in dieser Sorm ist es wulössig und zur Zeit erreichbar.“ Nachdrücklich berief
sich Hobenlohe in dieser Befiehung auf Bismarck selbst: „Die preuhische Megierung hat zudem
lelbst erklärt, lsie verlange die Verbindung mit dem Süden lneswegs auf derselben Grund-
lage wie jene, auf welcher der Bund mit den norddeutschen Staaten beruht; es bedürfe nur
eines unkweldeutigen Ausdrucks der nationalen Gemeinschaft, welche gleichzeitig die GewiH--
beit gebe, daß die süddeutschen Staaten nicht einer feindseligen Cenden; gegen Norddeutsch-
land verfallen, und daß die Pflege der gemeinsamen materiellen Snteressen des deutschen Volkes
durch gemeinfsame organische Einrichtungen libergesteit zwerder Bismarck konnte es natur-
zznh nicht Inginedr berühren, daß in diesen wörtlich dem Erlaß an den Prinzen Reuhß vom
22. Januar (siehe die Gesommelten Werke, VI, 240), der nur vertraulich ur Kenntnis Hohen-
lobes gebracht war, entnommenen Auherungen Preußen gegen das anschlußwillige Baden aus-
espielt wurde, Auffällig mußte ihm auch sein, daß in der Hohenloheschen Rede mit keinem
orte des utz- und Trutzbündnisses mit Preußen, wohl aber der Notwendigkeit eines
Bürndailsess 1. ÖIsterreich gedacht war.
Berlin, den 14. Oktober 1867.
Der Gesamteindruck, welchen der mit dem gefälligen Bericht vom 8. d. M. im Wort-
laut bierber gelangte Vortrag des Fürsten Hohenlohe in der Kammer der Abgeordneten
auf die Königliche Regierung gemacht, hat nicht anders als befriedigend sein können. Der
Vortrag enthält in der Negative alle die Versicherungen, auf welche es uns ankommt, und
mildert durch eine so offene Kundgebung den Eindruck, welchen die Beziehungen zwar nicht
des Fürsten Hohenlohe perfönlich, aber der baprischen Regierung zu Fröbel und seinem
Blatte: hervorbringen.
Lieb wäre es uns allerdings gewesen, in dieser Darlegung der bayrischen Politik das
Schutz= und Trutzbündnis mit Preußen erwähnt oder wenigstens seine Wirkungen go auf-
gefaßt zu sehen, wie wir dieselben auffassen. Indem ein Bündnis zwischen Bapyern und
Ofterreich mit der darin liegenden Verpflichtung, die Kriege Osterreichs mit auf sich m
nehmen, als etwas Matürliches, in die freie Wahl Bayerns Sestelltes behandelt wird, ist,
ich kann nicht umhin das zu bemerken, das bestehende Bündnis mit uns ignoriert. Wir
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nrleb kreb bol- dea ii e nchen rWie ) et die seit ben SrF 14n
166 erschelnende „Süddeutsche Pr esse“