Full text: Leopold von Ranke's sämmtliche Werke. 29. Band. Zwölf Bücher Preußischer Geschichte. (29)

Feldzug in Sachsen. 207 
schreiten müssen; in Sachen, wo es auf die Ehre seines Hauses und 
die Wohlfahrt von Land und Leuten ankomme, könne er Niemand 
schonen. Der Fürst beschleunigte wirklich seine Bewegungen: sie hatten 
sofort, als er bei Meißen erschien, den erwünschten Erfolg ). 
Der daselbst aufgestellte sächsische General wollte keinen Angriff 
erwarten und zog sich, während man noch unterhandelte, auf Ru- 
towsky zurück. Es hatte keine Schwierigkeit, die Brücke, von der man 
nur die Straßenhölzer weggenommen, kein Joch zerstört hatte, wieder- 
herzustellen. General Lehwald, der mit einem ansehnlichen Truppen- 
corps der preußischen Armee schon vor ein paar Tagen angekommen, 
und zum Verdruß des Königs, in der That nicht ohne eigene Gefahr, 
hatte warten müssen, vereinigte sich unverweilt mit dem alten Dessauer, 
und sie konnten nun zu einer Unternehmung schreiten, welche ent- 
scheidend werden mußte. 
Dazu trieb Friedrich den alten Fürsten in jedem seiner Briefe 
auf das Dringendste an; er wiederholte ihm den positiven Befehl, 
den Sachsen auf den Hals zu gehen; er machte sich mit seinem Kopfe 
verantwortlich, daß es ihm gelingen werde. 
In dem Fürsten kam noch ein anderer Beweggrund hinzu, keine 
Zögerung eintreten zu lassen: er wollte zeigen, was er vermöge. Zu 
einer männlichen Genossenschaft gehört nicht allein Anerkennung, son- 
dern auch Eifersucht, die aber auf das Wesentliche der Dinge gerichtet 
ist, die Aufmerksamkeit des Einen auf den Andern, der Ehrgeiz eines 
Jeden, seine Sache gut zu machen und sich die verdiente Anerkennung 
zu erobern. In Leopold von Dessau hatten die Anmahnungen des 
Königs einen Stachel zurückgelassen; einen andern Antrieb gab ihm 
ein kleiner Verlust seiner Arrieregarde, wo er, der systematisch Be- 
dächtige, sich eines Mangels an Vorsicht angeklagt sah. Er brannte 
vor Begier, so nahe am Ziel seiner Jahre, durch eine große That 
seinen Ruhm herzustellen. 
Der erste Gedanke der Sachsen war gewesen, dem Fürsten von 
Anhalt entgegenzugehen, aber der geheime Rath hatte in Betracht 
gezogen, daß alsdann Dresden, dessen Festungswerke zum Theil in 
Gärten verwandelt waren, von andern Seiten her angegriffen und 
erobert werden könne: Rutowsky hatte sich entschlossen, zur Verthei- 
digung der Hauptstadt auf der großen Straße, die von Meißen über 
Wilsdruff nach Dresden führt, eine feste Position zu nehmen. 
1) Les deur marches qu'il venoit de faire Söteoient furicuses dans 
une saison moins rude que celle onü il se trouvoit. (Memoire de Dyberr.) 
Bgl. Stille Campagnes du roi 276.
	        
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