222 Der Deutsch-dänische Krieg.
Genüsse alle Art gewöhnt ist, rechte Gelegenheit, sich als einen echten Soldaten
zu zeigen.
Ein Berliner Kind, das „mit in Schleswig-Holstein gewesen“, stimmt an:
Wer da, wer?
Die Füfllier Fünfunddreißiger,
Ha, wie das wirbelt und schreitet geschwinder,
Seht nur, das sind Berliner Kinder!
Als ob jeder ein Gärtner wäre,
Trägt drei Kränze auf seinem Gewehre;
Gärtner? — Freilich gegraben und geschanzt
Und sich selber hinein gepflanzt,
Hinein gepflanzt auf Schanze zwei,
Die flinken Berliner sind dabei!
Endlich — auf dem Marsche — horch! — ein Schuß bei der Spitzel!
Mehrere Schüsse folgen, alle Herzen schlagen höher; der Tritt der nächsten
vorrückenden Abteilungen wird straffer, die Augen sind alle nach der Gegend
gerichtet, von wo das Schießen erschallt. Es ist das erste Zusammentreffen
kleiner Streiftrupps gewesen; zuweilen folgt unmittelbar nachher nichts weiter,
nicht selten aber knüpft sich daran das erste Marschgefecht. Tirailleurs oder —
wie man deutsch besser sagt — Schützen von beiden Seiten schwärmen aus und
beschießen sich, erst mit geringem Erfolg; dann rücken geschlossene Abteilungen
in den Kampf, hier und da kracht schon eine Salde.
Horch! war das nicht ein Kanonenschuß? — nun wird's Ernst! Er wird
bald erwidert, eine Husarenschwadron trabt vor, um womöglich die feindlichen
Schützen zu überreiten oder in Knäuel zusammenzuscheuchen, vielleicht auch,
wenn die feindlichen Kanonen allzu dreist vorgegangen sind, sich in einer
Schwärmattacke auf dieselben zu stürzen, um sie zurückzutreiben oder sie zu
nehmen. Es glückt nicht: auch der Feind hat eine wachsame Reiterei zur Hand
und bringt immer mehr Truppen ins Gefecht; so auch wir, bis dasselbe von
einer Seite abgebrochen, das heißt: ein geordneter Rückzug angetreten wird.
Den Gegner gleich über den Haufen zu rennen, ist jetzt kaum noch möglich,
da weder die drüben noch unsre Leute von Anfang an gleich alles aufs Spiel
setzen, also stets noch Truppen vorhanden sind, das Gefecht zu nähren oder,
wenn dieses aufgegeben wird, die aus dem Kampfe Zurückweichenden durch
ihr Einschreiten zu sichern, was man „Aufnehmen“" nennt. In diesen Avantgardengefechten,
wo selten ein vollständiger Sieg erfochten wird, wird daher
kaum eine Verfolgung zur gänzlichen Vernichtung des geschlagenen Feindes
stattfinden.
Welch ein Gefühl aber durchströmt die jungen Soldaten, die ihr erstes
Gefecht glücklich und siegreich bestanden haben! Die Gewehre sind kaum im
Biwak in Pyramiden zusammengesetzt, die Mannschaften kaum abgetreten, um
sich zum Lager einzurichten, so beginnt auch schon das Berichten und Besprechen
des Erlebten; vor Aufregung können sich viele noch lange nicht der ihnen so
nötigen Ruhe überlassen. Die Erfahrenen suchen, lang hingestreckt, wohlweislich
dieselbe und verlassen so bald wie möglich die Wachtfeuer.
In Lager der Kavallerie herrscht gewöhnlich früher Stille. Die Leute
haben zuerst für die Pferde und dann für sich zu sorgen; sie müssen morgens