Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1915 (2)

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Da  gab  es  einen  gewaltigen  Lärm,  daß  die  Frau  herauskam,  und
als  sie  den  Wolf  sah,  rief  sie  die  Leute;  die  eilten  herbei  und
schlugen  ihn,  was  das  Zeug  wollte  halten,  daß  er  mit  zwei  lahmen
Beinen  laut  heulend  zum  Fuchs  in  den  Wald  hinauskam.  „Was
hast  du  mich  garstig  angeführt“,  rief  er;  „die  Bauern  haben  mich
erwischt  und  mir  die  Haut  gegerbt!“  Der  Fuchs  aber  antwortete:
„Warum  bist  du  so  ein  Uimmersatt?“

Km  dritten  Tage,  als  sie  beisammen  draußen  waren  und  der
Wolf  nur  mit  Mühe  forthinkte,  sprach  er  doch  wieder:  „Rotsuchs,
schaff  mir  was  zu  fressen,  oder  ich  fresse  dich  selber  auf!“  Der  Fuchs
antwortete:  „Ich  weiß  einen  Mann,  der  hat  geschlachtet,  und  das
gesalzene  Fleisch  liegt  in  einem  Faß  im  Leller;  das  wollen  wir
holen.“  Sprach  der  Wolf:  „Rber  ich  will  gleich  mitgehen,  damit  du
mir  hilfst,  wenn  ich  nicht  fort  kann.“  „Meinetwegen“,  sagte  der  Suchs
und  zeigte  ihm  die  Schliche  und  Wege,  auf  denen  sie  endlich  in  den
keller  gelangten.  Da  war  nun  Fleisch  im  Uberfluß,  und  der  Wolf
machte  sich  gleich  daran  und  dachte:  Bis  ich  aufhöre,  hat's  eit.
Der  Suchs  ließ  sich's  auch  gut  schmeckhen,  blichte  überall  herum,  lief
aber  oft  zu  dem  TLoche,  durch  das  sie  gekommen  waren,  und  versuchte,
  ob  sein  Leib  noch  schmal  genug  wäre,  durchzuschlüpfen.  Sprach
der  Wolf:  „Lieber  Fuchs,  sag  mir,  warum  rennst  du  so  hin  und
her  und  springst  hinaus  und  herein?“  „Ich  muß  doch  sehen,  ob
niemand  kommt“,  antwortete  der  Cistige;  „friß  nur  nicht  zuviel!“
Da  sagte  der  Wolf:  „Ich  gehe  nicht  eher  fort,  als  bis  das  Faß  leer
ist."  Indem  kam  der  Bauer,  der  den  Lärm  von  des  Fuchses  Sprüngen
gehört  hatte,  in  den  Keller.  Der  Suchs,  wie  er  ihn  sah,  war  mit
einem  Satze  zum  Loche  draußen;  der  Wolf  wollte  nach,  aber  er  hatte
sich  so  dich  gefressen,  daß  er  nicht  mehr  durch  konnte,  sondern  stechenblieb.
  Da  kam  der  Bauer  mit  einem  NKnüppel  und  schlug  ihn  tot.
Der  Fuchs  aber  sprang  in  den  Wald  und  war  froh,  daß  er  den  alten
Uimmersatt  los  war.

90.  Dor  Fuchs  umd  die  Trauben.  %%  s.

in  Fuchs  kam  auf  einem  Gange  nach  Heite  an  einen  Mieinstock,
  der  voll  süsier  Trauben  hing.  Lange  sehlieh  er
davor  arf  #nd  .ab,  überlegend  und  versuchend,  roie  er  an  den
Trauben  gelangen  könne.  Er  sprang  aus  allen  Krüften,  um
sie  æu  erreichen,  aber  umsonst,  sie  hingen  æu  hoch.  Da  wandte
er  sich,  um  seinen  4per  zu  verbergen,  mit  verdehflicher  Miene
4%%  und  spbrach  „Die  Trauben  sind  mir  æu  sauer,  sch  mag
sie  nicht  Raben“
Lesebuch  für  Mittelklassjen.  D.  6