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zogtum bildete 1813 einen wohl abgerundeten
Staat von fast 15.000 qkm mit 975.000 Einwohnern
und trat nach der Schlacht bei Leipzig
dem Bündnis gegen Napoleon bei. Die Bemühungen
des Großherzogs, durch den Wiener Kongreß
die Anerkennung seiner Selbständigkeit zu
erlangen, waren erfolglos; selbst nach dem Beitritt
Badens zum Deutschen Bund 1815 blieb die Integrität
des Landes in nicht geringem Grad gefährdet:
Bayern trachtete nach der badisch gewordenen
Pfalz und einer Verbindung seiner östlichen
und westlichen Ländermasse; der Breisgau wollte
gern wieder zu Osterreich. Dazu kamen innere
Streitigkeiten, als der Großherzog am 2. Nov.
1815 eine Bitte des Adels um Landstände außerst
ungnädig abwies. Da Karl gleich seinem Oheim,
dem mutmaßlichen Thronerben, ohne männliche
Nachkommen war, so übertrug er am 4. Ott. 1817
die Nachfolge auf die Söhne aus des Großvaters
Karl Friedrich zweiter Ehe mit der Reichsgräfin
von Hochberg, geb. Geyer von Geyersberg, und
erklärte sie zu großherzoglichen Prinzen und Markgrafen.
Bayern legte dagegen feierlich Protest ein,
wurde aber auf dem Kongreß zu Aachen 1818
hauptsächlich durch russischen Einfluß gezwungen,
seine Ansprüche auf die Pfalz, die ihm Osterreich
durch einen besondern Vertrag noch 1816 zugesichert
hatte, gegen 2 Millionen Gulden und das
Amt Steinfeld aufzugeben. Osterreich trat dagegen
die Grasschaft Geroldseck an Baden ab. Um nun
das Volk fester mit dem Herrscherhaus zu verknüpfen,
gab der kranke Großherzog demselben am
22. Aug. 1818 eine repräsentative Verfassung;
an der Spitze derselben stand das Hausgesetz von
1817 und der Grundsatz der Unteilbarkeit und
Unveräußerlichkeit des Großherzogtums.
Die Eröffnung der ersten landständischen Versammlung
am 22. April 1819 erlebte Großherzog
Karl nicht mehr; er starb am 8. Dez. 1818, und
es folgte sein Oheim Ludwig August Wilhelm.
Dieser schloß am 10. Juli 1819 mit Rußland,
England, Osterreich und Preußen einen Vertrag,
durch welchen das Großherzogtum in. seinem
ganzen Besitzstand garantiert und die Markgrafen
von Hochberg für sukzessionsfähig erklärt wurden.
Daher folgte nach dem Tod des unvermählten
Großherzogs (30. März 1830) aus dieser Linie
Karl Leopold Friedrich (1830/52), unter dem
sich der kirchliche und politische Liberalismus in
Schule, Kammer und Beamtentum bald in bedenklicher
Weise geltend machte. Da auch die Geistlichkeit
zum großen Teil demselben huldigte und
die Schule der Kirche entfremdet war, fand die
Umsturzpartei nicht den nötigen Widerstand, und
Baden wurde zu einem Hauptherd der deutschen
oder vielmehr der europäischen Revolutionspartei.
Das Vertrauen auf die Regierung waruntergraben,
und die unzufriedene Stimmung, die alle Schichten
der Bevölkerung beherrschte, kam im Mai 1849
zum Ausbruch; jetzt zeigten sich die Folgen der
religionsfeindlichen Politik. Nicht nur das Volk,
Baden.
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sondern auch die Truppen (mit Ausnahme der
Offiziere) erklärten sich für die Revolution, und
nur mit Mühe konnte sich der Großherzog durch
die Flucht retten. Nach dem Einmarsch eines
preußischen und eines deutschen Bundeskorps
wurde zwar die Ordnung wiederhergestellt, aber
chon in der nächsten Zeit bewiesen neue Maßnahmen
gegen die Kirche, daß die Regierung aus
der Revolution wenig ober gar nichts gelernt hatte.
Sie führte mit allen Mitteln einen hartnäckigen,
bald offenen bald latenten Kulturkampf, der allmählich
auch auf die katholische Bevölkerung einen
nachteiligen Einfluß ausüben mußte. Nach dem
Tod Karl Leopolds (24. April 1852) folgte
Friedrich, zunächst als Regent für seinen älteren
kranken Bruder, den Großherzog Ludwig II. (gest.
22. Jan. 1858), seit dem 5. Sept. 1856 als
„Großherzog von Baden“. Er sah in der Beruhigung
des durch Parteikämpfe aufgeregten
Landes seine nächste Aufgabe und versuchte ihre
Lösung auf kirchlichem und bürgerlichem Gebiet. In
der äußeren Politik erfolgte bald eine Annäherung
an Preußen, namentlich durch die Bemühungen
des Ministers v. Roggenbach (seit Mai 1861).
Als dieser am 15. Okt. 1865 durch Edelsheim
ersetzt wurde, trat wieder eine Anderung in Badens
deutscher Politik ein; es stellte sich im Bundestag
auf Osterreichs Seite und stimmte am
14. Juni 1866 mit der Majorität. Das Ministerium
Mathy-Jolly schloß mit dem Frieden,
der Baden die Zahlung von 6 Millionen Gulden
Kriegskosten an Preußen auferlegte, zugleich ein
Schutz= und Trutzbündnis mit dieser Macht. Das
Heer wurde nach preußischem Muster organisiert
(1868 Einführung der allgemeinen Wehrpflicht)
und nahm ruhmvollen Anteil am Krieg gegen
Frankreich. Großherzog Friedrich I. starb am
28. Sept. 1907. Ihm folgte sein Sohn Friedrich
II., geb. am 9. Juli 1857. Da dessen Ehe
mit Hilda, der Tochter des ehemaligen Herzogs
Adolf von Nassau und späteren Großherzogs von
Luxemburg, kinderlos ist, kommt als Thronfolger
Prinz Max (geb. 1867), ein Vetter des Großherzogs,
bzw. dessen Sohn Berthold Friedrich
(geb. 1906) in Betracht.
2. Fläche, Bevölkerung, Wirtschaftsleben.
Das Großherzogtum Baden ist mit
15.067,7 qkm Flächeninhalt der vierte und mit
(1905) 2018728 Einwohnern (133,4, im Jahr
1871: 96,9 auf 1 qkm) der fünfte Staat Deutschlands.
Die Volkszahl betrug 1816: 1006,000,
1855: 1320000, 1885: 1 601 255, 1900:
1867944 Seelen. Die Bevölkerungszunahme
1871/1905 beträgt 37,6%, die von 1900/05:
7.,6%. Dem Bekenntnis nach waren 1905:
1206 607 Katholiken, 769 866 Protestanten,
25 893 Israeliten; auf 1000 Einwohner kamen
600,1 (1871: 644, 9) Katholiken, 382,9 (1871:
335,9) Protestanten, 12,9 (1871: 17.6) Jsraeliten.
Nach der Berufszählung von 1895 widmeten
sich: 729187 (1882.765 575) der Landwirtschaft,
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