monarchie und auf die Gefahren des Panslawismus hinzuweisen in einem
anderen Berichte Gelegenheit hatte?).
Die Reise des russischen Außenministers Iswolski im Oktober 1906
nach Paris gewann in diesem Zusammenhange eine erhebliche Bedeutung,
da sie mindestens die Wirksamkeit des Zweibundes unterstrich?). Im
übrigen verlief das Jahr ruhiger, als es bei seinem Beginn jemand zu
prophezeien gewagt haben würde.
1907
Erst der überraschende abermalige Besuch König Eduards VII. und
seiner Gemahlin zu Paris im Februar 1907 brachte einen neuen Ton in
das Bild. Dieser neue Freundschaftsbeweis an die Adresse Frankreichs,
dem Eduard VII. dadurch jede politische Bedeutung zu nehmen suchte,
daß er den Wunsch der Königin, Paris einmal wiederzusehen, in den
Vordergrund schob, wirkte in der ganzen Welt verblüffend. Der belgische
Gesandte zu Paris berichtete sofort?), die Reise müsse doch wohl
einen wichtigen politischen Zweck verfolgen, den zu erkennen nur noch
nicht möglich sei. Vielleicht wünsche Eduard VII., den EinfluB auf
Frankreich wieder zu befestigen, den er fürchte sich entschlüpfen zu sehen.
Ein zwei Tage später erstatteter Bericht endet mit der bezeichnenden
Frage: „Wird es Eduard VII. gelingen, alle zu überzeugen, daß der von
ihm mit soviel Nachdruck bei der Werbung um die Freundschaft eines
starken Frankreichs verfolgte Zweck völlig uneigennützig ist und nichts
weiter im Auge hat, als die Schaffung eines zur Aufrechterhaltung des
Friedens fähigen europäischen Gleichgewichtes?‘‘*)
Gegenüber der politischen Tragweite des englischen Königsbesuches
trat das für die deutschen Sozialisten ungünstige Ergebnis der Reichstagswahlen
und die damit’verbundene Stärkung des kaiserlichen Ansehens in
Deutschland zurück, verfehlte aber nicht, in England peinliches Aufsehen
zu machen. ‚Die öffentliche Meinung scheint von dem Wahlergebnis
enttäuscht, und die durch Furcht und Eifersucht hervorgerufene antideutsche
Stimmung hat noch nichts von ihrer Stärke eingebüßt‘‘®}.
Als am 9. Februar die englischen Majestäten Paris wieder verlassen
hatten und der Gesandte Belgiens, A. Leghait, tags darauf nach Brüssel
berichtete‘), da stand es ihm bereits fest, daß die trotz aller Friedensversicherungen
von Eduard VII. verfolgte Taktik eine Friedensgefahr
bedeute. „Man wird sich nicht verhehlen dürfen, daß diese Taktik,
die äußerlich den Zweck verfolgt, den Krieg zu vermeiden, leicht in
Berlin ein beträchtliches Unbehagen hervorrufen und den Wunsch erzeugen
kann, alles zu versuchen, um aus der Umklammerung wieder
ı) Bd. Il, S. 132/133.
2) Petersburg, 20. Oktober 1906, Bd. II, S. 129 ff.
®) Paris, 4. Februar 1907, Belg. Akt. Nr. 21, und Bd. Il, S. 1407141.
4) Paris, 6. Februar 1907, Bd. II, S. 143.
s) London, 8. Februar; Berlin, 9. Februar 1906, belg. Akt. Nr. 22 und 23.
®) Belg. Akt. Nr. 24 und Bd. II, S. 144/145.
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