Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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schwollener  Oberarm  zur  Beobachtung.  Zn  allen  acht  Fällen  stellte  sich  heraus,  daß
die  Betreffenden  in  der  Kindheit  entweder  gar  nicht  oder  privatim  und  mit  ungenügendem
Erfolg  geimpft  worden  waren,  infolge  dessen  die  Schulimpfung  bei  ihnen  besser
anschlug.

Eine  Anschwellung  und  Entzgündung  der  den  Impfstellen  benachbarten
Lymphdrüsen  kam  im  Anschlusse  an  die  eben  erwähnten  Entgündungen  der  Haut  vor,
jedoch  im  Gangen  nur  vereinzelt.  Nach  den  preußischen  Berichten  gingen  nur  in  einigen
wenigen  Fällen  die  Drüsen  in  Eiterung  über,  etwaige  bleibende  Nachtheile  werden
nirgends  erwähnt.  Nach  den  sächsischen  Impfberichten  ist  Schwellung  der  Lomphdrüsen
in  16  Medizinalbezirken  „einige  Male“  oder  „mehrfach“"  vorgekommen  und  wird  ein
Fall  von  Ausgang  in  Eiterung  erwähnt.  In  Württemberg  sollen  mit  dem  häufigen
Auftreten  gesteigerter  Reaktionserscheinungen  auch  die  Schwellungen  der  Lymphdrüsen
eine  entsprechende  Zunahme  gezeigt  haben,  in  Baden  dagegen  sind  „diese  unangenehmen
Nebenwirkungen  des  Impfvorgangs“  seit  der  ausschließlichen  Verwendung  der  animalen
Lymphe  entschieden  seltener  geworden.  In  Hessen  kommen  Drüsenanschwellungen  in
den  Achselhöhlen  bei  Erst=  und  noch  mehr  bei  Wiederimpflingen  nach  Inhalt  des  Berichts
  alljährlich  vor,  im  Berichtsjahre  nicht  in  großer  Zahl.  Daß  Vereiterung  eingetreten
  sei,  wird  in  keinem  Berichte  aus  Hessen  erwähnt.  In  Mecklenburg-Schwerin
sind  angeblich  2  Mal  bei  der  Erstimpfung  und  24  Mal  bei  der  Wiederimpfung  Anschwellungen
  und  Entgündung  der  benachbarten  Lymphdrüsen  von  nur  geringer  Bedeutung
  beobachtet,  theilweise  aus  „außerhalb  der  Impfung  liegender  Ursache“.  In
den  Berichten  aus  den  übrigen  Staaten  ist  die  nach  Hautverletzungen  aller  Art  nicht
seltene  Lymphdrüsenschwellung  entweder  garnicht  oder  als  seltenes  Vorkommniß
erwähnt.

Verschwärung  der  Impfpusteln  oder  brandige  Beschaffenheit  derselben  ist  hier
und  da  beobachtet  worden,  niemals  mit  ernsteren  Folgen  für  das  Allgemeinbefinden,
ausgenommen  da,  wo  mit  der  Verschwärung  gleichzeitig  Rothlauf  einherging.  Reinigung
  der  Wunden  und  Bleiwasserumschläge  führten,  wie  aus  Hessen  mitgetheilt  wird,
in  den  Fällen  von  Verschwärung  (in  Folge  von  zerdrücken  oder  Zerkratzen  der  Pusteln)
stets  in  24  Stunden  Heilung  herbei.

Entzündung  und  Eiterung  des  Unterhautzellgewebes  als  Folgeerscheinung
der  Impfung  ist  vereinzelt  in  einigen  Impfbezirken  vorgekommen  und  soweit  bekannt
stets  günstig  abgelaufen.  In  Berlin  wurde  dieselbe  z.  B.  bei  einem  Wiederimpflinge
beobachtet,  welcher  von  einem  Manne  auf  die  Impfstelle  geschlagen  war,  ebenso  kam
in  Hessen  ein  ähnlicher  Fall  (von  „Psendoerysipelas“)  zur  Beobachtung,  welcher  durch
Mißhandlung  der  Pusteln  erzeugt  war.  Im  Königr.  Sachsen  sind  etwa  20  derartige
Fälle  aus  7  Bezirken  gemeldet,  doch  wird  der  Verlauf  nur  ein  Mal  bei  einem  12-jährigen
Knaben  als  langwierig  bezeichnet;  in  Baden  sind  diese  Entzündungen  des  Unterhautgellgewebes
  „ungeachtet  der  bei  der  thierischen  Lomphe  unzweifelhaft  viel  intensiveren
Reaktion  der  Impfwunden“  doch  viel  seltener  wie  früher  beobachtet.

Nothlauf  ist  im  Anschlusse  an  die  Impfung  wiederum  mehrere  Male  beobachtet
worden,  was  nicht  befremden  darf,  da  unter  ungünstigen  äußeren  Umständen  jede  kleine
Verletzung,  —  sowohl  ein  versehentlich  erfolgter  Riß  oder  Nadelstich,  wie  auch  der
Impfschnitt,  —  die  Eingangspforte  für  den  mikrofkopischen  Erreger  des  Nothlaufs
bilden  kann.

In  Preußen  sind  aus  der  Hälfte  der  Regierungsbezirke  keine  Fälle,  aus  der  anderen
Hälfte  etwa  30  meist  gutartig  und  schnell  verlaufende  Fälle  von  Früherysipel  gemeldet,
darunter  mehrere  zweifelhafte,  in  denen  es  sich  wahrscheinlich  nur  um  ein  stärkeres  Erythem