namentlich in den innigsten Verhältnissen des menschlichen Lebens. Er durchschaute
recht gut, daß die seinen Neigungen feindseligen Günstlinge des Vaters
über sein Lebensgeschick bestimmten, Grund genug, sich solchen Bestimmungen
zu widersetzen; allein er hatte zu schmerzlich erfahren, wohin unzeitiger Widerstand
führte, und indem er mit kälterem Blut die große Aufgabe seines Lebens
prüfte, fügte er sich in den Willen seines Vaters. Ein Versuch, durch Grumbkow
von der vorgeschlagenen Verbindung loszukommen, war gänzlich mißglückt,
denn der Günstling hatte ihn, fern davon, in die vorgetragenen Wünsche einzugehen,
vielmehr nur mit großer Kälte sein Uebergewicht in den Verhältnissen
der königlichen Familie fühlen lassen.
Friedrich Wilhelm I. war von der Zustimmung des Prinzen im hohen
Grade beglückt. Am 10. März 1732 wurden in Berlin die Verlobungsringe
gewechselt. Schon am 29. Februar war Friedrich zum Obersten und Chef des
vacanten von der Goltzischen Infanterie-Regimentes ernannt; der Aufenthalt in
Küstrin hatte ein Ende. Nach Verlauf eines Jahres wurde die Vermählung
unter Anwesenheit des ganzen Berliner Hofes in Salzdahlum gefeiert, am 12.
Juli 1733.
So war die Lage der Dinge an Friedrich Wilhelms I. Hofe, als neue
wichtige politische Fragen sich in den großen europäischen Kabinetten erhoben,
bei welchen Preußen nicht unbetheiligt bleiben konnte; nämlich in Betreff Polens.
König August II. nahte sich seinem Ende, und man mußte daher zu einem Beschluß
in Betreff der Zukunft der Republik kommen. Weder Rußland, noch Oestreich,
noch auch der König von Preußen war mit einer Nachfolge des Königs
Stanislaus Lescynski zufrieden, zumal seitdem er Schwiegervater des Königs
Ludwig XV. geworden war. Zu diesem Zwecke hatte schon eine Uebereinkunft
zwischen Preußen und Rußland im Jahre 1726 stattgefunden. Friedrich Wilhelm
wollte aber auch den Kurprinzen von Sachsen vom Throne ausgeschlossen
wissen, und irgend einen Abkömmling der Piasten auf denselben setzen. Am
östreichischen Hofe war man mit diesen Anfichten im Allgemeinen einverstanden,
und nur in Verlegenheit über die Person, welche zu der hohen Stellung befördert
werden sollte; auch hatte man hier kein Bedenken gegen den Kurprinzen,
sobald dieser ebenfalls die pragmatische Sanktion anerkannte. Am eifrigsten in
dieser polnischen Angelegenheit war König August selbst, und trug sich hierbei,
seinem intriguenvollen Charakter gemäß, mit den mannigfaltigsten ehrgeizigen
Plänen, in welche er auch Friedrich Wilhelm l. zu verflechten trachtete. Bei
den Zusammenkünften mit ihm im Mühlberger Lager und später in Berlin hatte
er sich bemüht, den König von Preußen zu einem deutschen Fürstenbunde unter
dem Beitritt Frankreichs zu bewegen, angeblich zur Unterstützung des Kaisers,
der Wahrheit nach aber, um ihm in deutschen Angelegenheiten desto kräftiger
entgegentreten, ja möglicher Weise einen Theil der östreichischen Länder an sein
Haus bringen zu können. Auch von Plänen einer Theilung Polens war vielfach
die Rede gewesen.