thumbs : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Sechsunddreißigster Jahrgang. 1875. (36)

der  Vorräte,  der  Einkauf  an  den  städtischen  Stellen  —  zuletzt  neben  dem
Feuerwehrhaus  auch  in  der  Reitbahn  —  sehr  viel  Unbequemlichkeiten
und  Aerger  mit  sich  gebracht  haben,  liegt  auf  der  Hand,  doch  scheint
gerade  die  Kartoffelversorgung,  wohl  wegen  der  den  Friedensverhältnis—-sen
  angenäherten  Art,  von  allen  Zweigen  der  Zwangswirtschaft  die  geringste
  Unzufriedenheit  bervorgerufen  zu  haben.  Beschwerden  gab  es
wohl  oft,  aber  bei  der  entgegenkommenden  Art  des  Magistrats,  der  die
von  ihm  gelieferten  Kartoffeln  gern  umtauschte,  konnte  größerer  Aerger
nicht  aufkommen.

Ein  Abschluß  des  „Karkoffelkontos“  liegt  in  den  Akten  nicht  vor.

3.  Fleisch.

Vährend  des  ganzen  Krieges  ist  das  Bild  keiner  Berufsklasse  so
sehr  „von  der  Parteien  Haß  und  Gunst  verzerrt“  worden  als  das  der
Fleischer  und  auf  keinem  Gebiet  der  Zwangswirtschaft  haben  sich  soviel
Schwierigkeiten  und  Unstimmigkeiten  ergeben,  wie  gerade  auf  dem  der
Fleischversorgung.  Wir  glauben  uns  deshalb  berechtigt,  dies  Gebiet  besonders
  eingehend  zu  behandeln,  zumal  es  die  inneren  Schwierigkeiten
einer  Zwangsbewirtschaftung  am  klarsten  aufzeigt.

Bereits  im  zweiten  Kriegsmonat  wurde  in  der  Presse  wiederholt
darüber  geklagt,  daß  seit  Kriegsbeginn  die  Fleischpreise  unangemessen
hoch  seien,  sogar  10—20  HPfg.  höher  als  in  Berlin,  und  im  November
1914  mußte  der  Magistrat  amtlich  feststellen,  daß  die  Fleischer  in  Stolp
ihre  Ware  durchweg  um  5—20  Dsg.  höher  berechneten  als  ihre  Berufsgenossen
  in  Köslin.  Der  Oberbürgermeister  versuchte  eine  persönliche
Einwirkung  auf  den  Vorstand  der  Fleischerinnung  und  erreichte  auch
das  Versprechen,  daß  in  Zuhunft  die  Preise  den  Köslinern  angepaßt
werden  würden,  aber  krotzdem  hörten  die  Klagen  über  zu  hohe  Fleisch--preise
  nicht  auf.  Schon  im  Januar  1915  gab  ein  Ungenannter  (der  Magistrat?)
  im  örtlichen  Teil  der  Zeitung  für  Hinterpommern  der  Anisicht
Ausdruck,  daß  bei  Fortdauer  der  hohen  Preise  für  Schweinefleisch  in
absehbarer  Zeit  mit  der  Einführung  der  Zwangswirtschaft  gerechnet
werden  müsse!  Diese  letztere  Bemerkung  lockte  freilich  einen  anderen
Kenner  der  Verhältnisse  auf  den  Plan,  der  an  der  gleichen  Stelle  „von
unterrichleter  Seite“  mitteilen  ließb,  daß  an  die  Festsetzung  von  Höchstpreisen
  für  Fleisch  nicht  gedacht  würde.  2  Tage  später  wollte  der  Oberbürgermeister
  wegen  der  immer  noch  steigenden  Preise  Höchstpreise  fest-56