Volltext : 32 Lektionen über Gesetzes- und Verfassungskunde Sachsen und das Deutsche Reich.

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land  die  oberste  Staatsgewalt?  —  Und  zwar  verwaltet  dort  der
Zar  die  Regierung  des  großen,  gewaltigen  Reiches  ganz  allein,
niemand  kann  ihm  drein  reden;  wenn  er  will,  kann  er  ein  Gesetz
geben,  einen  „Ukas“  erlassen,  ohne  erst  jemand  darum  zu  befragen;
er  herrscht  unumschränkt;  deshalb  heißt  eine  solche  Monarchie,
wie  die  russische,  bei  welcher  der  Monarch  die  Regierung  ganz  allein
in  den  Händen  hat,  niemandem  verantwortlich  ist,  eine  unumschränkte
  Monarchie.

Den  Gegensatz  hierzu  finden  wir  nun  in  unserm  Staate;
hier  ruht  die  oberste  Staatsgewalt,  wie  wir  bereits  fanden,  auch
in  den  Händen  eines  Fürsten,  aber  unter  wesentlich  anderen  Verhältnissen
  als  dort.

3.  Sachsen  und  Deutschland  sind  beschränkte  Monarchien.


Der  Fürst,  der  König,  der  Kaiser  kann  also  nicht  in  so  selbständiger
  Weise  regieren,  wie  z.  B.  der  Kaiser  von  Rußland.
Das  Verhältnis  zwischen  Fürst  und  Volk  ist  vielmehr  durch  ein
Grundgesetz  ganz  genau  bestimmt.  Solches  Grundgesetz  heißt
Verfassung  oder  Konstitution.

Geschichtliches:  Im  Jahre  1830  brach  in  Paris  wieder  eine  Revolution
  aus.  Karl  X.  mußte  das  Land  verlassen,  und  der  Herzog  von  Orleans,
Ludwig  Philipp,  bestieg  den  Thron.  Die  Wellen  dieser  Revolution  schlugen
auch  bis  nach  Deutschland  herüber,  auch  nach  unserm  Sachsen  herein.  Friedrich
August  der  Gerechte  war  im  Jahre  1827  gestorben.  Ihm  folgte  Anton
der  Gütige,  ein  Greis  von  72  Jahren.  Im  Jahre  1830  nahm  dieser  seinen
Neffen,  Friedrich  August  (f  1854  in  Tirol)  zum  Mitregenten  an,  und
diese  beiden  Fürsten  gaben  dem  Verlangen  des  sächsischen  Volkes  nach,  und
Sachsen  erhielt  am  4.  September  1831  eine  Konstitution.

Die  Krone  brachte  hiermit  dem  Volke  ein  überaus  großes
Geschenk  und  opferte  viele  ihrer  Rechte,  —  das  wollen  wir  nie  vergessen
  und  wollen  unserm  angestammten  Königshause  in  steter
Liebe  und  Treue  und  Dankbarkeit  ergeben  sein.  —  (Gesang:  Den
König  segne  Gott.)

Sachsen  ist  also  seit  dem  4.  September  1831  eine
konstitutionelle  Monarchie,  d.  h.,  die  gesetzgeberische  Macht
teilt  der  König  mit  der  Volksvertretung,  der  Ständeversammlung,
oder  dem  Landtage.  —  Biographie  von  König  Albert!

Niederschrift.  (Die  Sätze  müssen  von  den  Schülern  selbst  gebildet  werden.)

1.  Der  Staat  ist  die  Vereinigung  von  Völkern  oder  Stämmen  auf  Grund  von
Gesetzen  unter  einer  obersten  Staatsgewalt.

2.  Liegt  die  oberste  Staatsgewalt  in  der  Hand  eines  Einzelnen,  eines
Fürsten,  so  ist  der  Staat  eine  Monarchie;  a)  unumschränkte,  b)  beschränkte.

3.  Liegt  die  oberste  Staatsgewalt  iu  den  Händen  Mehrerer  —  Senat  und
Präsident  —  so  ist  der  Staat  eine  Republik.

4.  Sachsen  und  das  deutsche  Reich  sind  beschränkte  Monarchien.

5.  Sachsen  trat  am  4.  September  1831  (Anton  der  Gütige  und  Prinz
Friedrich  August)  in  die  Reihe  der  konstitutionellen  Staaten.