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vorher eine Woche lang in einem pockenverseuchten Orte Rußlands aufgehalten hatte, in
Koadjuthen ein 20jähriger Kutscher, in der Stadt Tilsit ein 38jähriger Bierkutscher,
der mit russischen Juden zusammen gekommen war, seine 7 jährige Tochter und ein 20jähriger
russischer Arbeiter, letzterer wenige Tage nach seiner Ankunft. Durch Russen wurde die
Seuche auch nach Leitgirren (Kreis Niederung) getragen, wo eine 54 jährige Frau unbekannten
Impfzustandes nach schwerer Erkrankung an hämorrhagischen Pocken am 21. März
verstarb. In der Grenzstadt Schirwindt (Kreis Pillkallen) erkrankte im April ein
15 jähriger russischer Schmiedelehrling, bald darauf die 60 jährige Ehefrau des Schmiedemeisters
und ein in dieser Famile verkehrender 41 jähriger Ziegelmeister aus Uszpiaunen.
Im Kreise Stallupönen wurden in der Grenzstation Eydtkuhnen in den Monaten
Januar bis April 6 Personen, darunter 2 ungeimpfte russische Kinder von 5 und 8 Jahren
von den Pocken befallen. Von diesen erlagen der Krankheit eine 25 jährige Frau, die ihren
pockenkranken Schwager in Rußland besucht und sich hierbei angesteckt hatte, am 31. Januar
und eine 47 jährige Arbeiterfrau am 12. April 1902. Außerdem erkrankte in Mecken
anfangs Dezember ein 14¾ jähriger Russe, der kurz vorher zugereist war. Von den im
Kreise Angerburg gemeldeten 4 Pockenfällen ist die in Kehlerwald am 12. Januar aufgetretene
Erkrankung eines 1 /4jährigen Kindes als eine Fortsetzung der am 30. und 31.
Dezember des Vorjahres beobachteten 3 Fälle zu betrachten (vgl. Mediz.-stat. Mitt. a. d.
Kaiserl. Gesundheitsamte, Bd. VIII, S. 9). In Jesziorowsken waren im Monat April
3 Kinder einer Familie im Alter von 4 bis 10 Jahren an diskreten Pocken leicht erkrankt.
Aus dem Kreise Lyck wurden im Monat Mai 5 Pockenfälle gemeldet. Betroffen waren
in Sypittken ein 52jähriger Arbeiter, dessen Impfzustand nicht festzustellen war, und ein
ungeimpftes einjähriges Kind, auf dem Gute Sawadden eine 39jährige Frau, die sich
bei einem Besuch in Sypittken angesteckt hatte, in dem Grenzorte Prostken 2 russische
Kinder von 8 Monaten und 2 Jahren, welche die Krankheit aus Rußland mitbrachten,
so daß alsbald ihre Aufnahme in die Isolier-Baracke nötig wurde. In Soldahnen (Kreis
Johannisburg) traten bei einem ungeimpften einjährigen Kinde konfluierende Pocken auf,
welchen es nach schwerer Krankheit am 3. Juni erlag. Fünf Tage später zeigten sich
diskrete Pusteln bei der 15jährigen Schwester und der 36jährigen Mutter, sie erkrankten
nur leicht und genasen bald. In Bialutten (Kreis Neidenburg) erkrankte eine 48 jährige
Frau, welche etwa 2 Wochen vorher in Rußland ein Haus betreten hatte, in welchem
mehrere Kinder pockenkrank lagen. Auf Einschleppung aus Belgien waren 2 Erkrankungen
in Frelenberg (Kreis Geilenkirchen) zurückzuführen. Zunächst wurde im Monat März
eine 44jährige Frau mittelschwer betroffen; etwa 14 Tage später zeigten sich auch bei dem
40 jährigen Ehemann diskrete Pusteln, die indessen bald abheilten.
Zu 2: Unter russischen Auswanderern, die am 8. Juni auf dem Bahnhofe Ruhleben
ankamen, wurden bei 2 Kindern im Alter von 1 und 2 Jahren diskrete Pocken festgestellt;es
erfolgte sofort die Absonderung der beiden Kinder und der zugehörigen Familien.
In Hamburg erkrankte im Monat Dezember ein 11jähriges Auswandererkind an
Pocken. Das Medizinalamt teilt über diesen Fall folgendes mit:
„Ein aus Bessarabien zugereistes Auswandererkind mußte am 21. Dezember 1902 wegen „Varizellen“
in das Krankenhaus gesandt werden. Die lange schwankende Diagnose wurde schließlich auf Pocken gestellt,
sowohl wegen des klinischen Verlaufes, wie wegen des Befundes von Guarnierischen Körperchen in Schnitten
aus der mit Pustelinhalt geimpften Cornea von Kaninchen Weitere Erkrankungen schlossen sich an diesen
Fall nicht an. Derselbe erschien aus dem Grunde recht rätselhaft, weil die aus 8 Köpfen bestehende Familie
schon seit dem 80. November in den Auswandererhallen wegen mehrfacher Masernerkrankungen unter den
zugehörigen Kindern isoliert war. Später wurde bekannt, daß ein anderer Knabe, der vom 25. November
bis 6. Dezember in den Auswandererhallen untergebracht war, trotz erfolgreicher Impfung auf dem Schiffe