unvderzuͤglich 8000 Franzosen aus dem Clevischen über den Rhein. Die deutschen
Fürsten von dem stolzen Sieger geschreckt, wollten dem Kurfürsten nicht
einmal den Durchzug brandenburgischer Truppen gestatten, und ruhig sah der
Kaiser dem Treiben fremder Eroberer auf deutschem Reichsboden zu. Kaum
erlangte Friedrich Wilhelm einen Waffenstillstand auf vier Wochen, und nach
Eblauf defselben eine vierzehntägige Verlängerung, auch dies nur auf Uebergabe
von Lippstadt und Wesel, und durch Zurückberufung seiner nach Westindien ausgesendeten
Caper. Vergebens bot Meinders, jetzt zum zweiten Mal während
dieser Unterhandlung in Paris, alle seine Ueberredungskunst auf, um durch anderweitige
Opfer einen Theil wenigstens der pommerschen Eroberung zu behalten;
die Erklärung des französischen Cabinets lautete ganz kurz, wenn bis zum 19. Mai
der Friede nicht abgeschlossen sei, würde man die Feindseligkeiten sofort eröffnen.
Louvois gab dem brandenburgischen Bevollmächtigten zu bedenken, daß sein Herr
den glorreich erworbenen Kriegsruhm im Kampfe mit Frankreich aufs Spiel setze,
zumal da sich deutsche Fürsten beeilten, die Kriegsoperationen des gefährlichen
Reichsfeindes nach Kräften zu fördern, wie z. B. der Herzog Christian von Mecklenburg,
welcher den Franzosen zur Sicherung ihres Ueberganges über die Elbe
seine Festung Dömitz anbot. Den clevischen Landen drohte das Schicksal der
Pfalz, denn auf die Klagen über Verheerung und Gewaltthaten erwiederte Louvois
trocken, dies geschehe nach Kriegsrecht und Soldatenart, bis zu denen die
Gesetze der christlichen Humanität nicht reichten; allerdings eine unwürdige Aeuperung
des Dieners Er. allerchristlichen Majestät.
Als Friedrich Wilhelm sich überzeugt hatte, daß Vorpommern nicht zu
halten wäre, ließ er wenigstens alles Geschütz aus den eroberten Städten abführen,
doch zur Herausgabe von Stettin konnte er sich durchaus nicht entschließen. Er
verhandelte noch einmal mit seinen Geheimen Räthen ganz ernstlich die Frage,
ob er dieser Stadt wegen den Krieg fortsetzen sollte. Doch die politischen Verhältnisse
standen für Friedrich Wilhelm zu ungünstig, da der Kaiser, über des
Kurfürsten letzte Schritte empfindlich, ihm entgegen, Sachsen schon in voller Unterhandlung
mit Frankreich war, um für seine, wie wir wissen, vom kaiserlichen
Hofe anerkannten Ansprüche auf Cleve das Magdeburgische zu erwerben; Schweden
rüstete sich zu einem neuen Angriff auf Preußen, und von Polen mußte man
dasselbe besorgen. Was französisches Geld bei deutschen Fürsten jener Zeit vermochte,
hatten die letzten Jahre nur zu deutlich gelehrt. Außerdem waren die
cheinischen und westphälischen Besitzungen schon verloren. So blieb denn allerdings
nichts übrig, als auch Stettin zu opfern. Noch einmal versuchte er, ob
sich der stolze Ludwig XIV. nicht durch eine Berufung auf seine Großmuth umstimmen
ließe, doch alles umsonst; Friedrich Wilhelm mußte nachgeben.
Auch nach diesem schweren Akt der Selbstbeherrschung wich er nur schritweise
und mit Anwendung aller Künste einer hinhaltenden und zaudernden Unter
handlung. Er wollte die Entschädigungssumme auf eine Willion erhöht wissen,
die Orie Damm und Gollnow, dann die kleine Insel Grissow bei Camin, endlich