Metadata : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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wart  oder  dem  Inf.  eines  Verbums:  da  ward  das  ganze
heer  laufend  Richt.  7,  21;  Moses  aber  ward  zittern
Ap.  Gesch.  7,  32;  ward  REsopus  lachen  BWaldis  Leb.
Esopi  154;  gehalten  hat  sich  davon  die  in  heutiger  Spr.
überhand  genommene  Umschreibung  des  Conjunctivs
der  Vergangenheit  durch  wurde:  sag  ihm,  ich  wurde
kommen  (statt  ich  küme);  zur  Umschreibung  des  Passivs,
mit  dem  Part.  der  Vergangenheit,  allgemein;  zur  Umschreibung
  des  Futurums,  mit  dem  Jufinitiv,  seit  der
mhd.  Zeit;  in  gewöhnlicher  Rede  auch  bei  Zweifel,  Ungewißheit:
  ihr  verdet  eine  stille  kleine  hochzeit  machen?
Goethe  Clavigo  4;  ihr  werdet  heute  in  Blumenstein
gewesen  sein  JGotthelf  Uli  d.  Ku.  285;  in  unbeholsen
  niedriger  Spr.  demütiger  Ausdruck  für  das  bloße
Präsens:  ich  werde  Martin  Krumm  heiszen,  und  werde,
auf  diesem  gute  hier,  wohblbestalter  vogt  sein  Lessing
Juden  2.  —  In  der  Zusammensetzung  Werdegaug,  m
Gang  der  Entwickelung;  Wort  der  heutigen  Spr.:  den
einzigen  mann  (Moltke)  im  zusammenhange  seines
werdegangs,  seiner  entwicklung  kennen  zu  lernen  Gegenwart
  1892  Nr.  6.

Werder,  m.  lleine  Flußinsel;  mhd.  (in  mitteldentschen
  Ouellen)  werder,  Weiterbildung  von  ahd.  warid,
werid,  urhd.  wert.  Insel,  Halbinsel,  entsprechend  altengl.
warodô  Ufer,  Gestade;  unbekannter  Herkunst:  bis  sie  die
inseln,  die  werder,  weit  hinter  sich  hatten  und  der  flusz
wieder  breit  zu  flieszen  anfing  Goethe  Wahlv.  2,  10.

Werfen,  schleudernd  sorttreiben;  gemeingermanisches
Wort  ohne  sichere  Urverwandte,  goth.  valrpan,  altn.
verpa,  altengl.  weorpan,  altsächs.  werpan,  ahd.  wertna,
mhd.  werlen;  starker  Conjugation,  die  bis  jetzt  geblieben
ist;  für  den  Imperativ  wirt  selten  werfe:  herr.  werfe
mir  heruber  ein  blatt  aus  deinem  kranz  Brentano
ges.  Schrift.  1,  98;  das  Prät.  mhd.  wars,  wurfen  sortgesetzt
  uhd.  als  warf,  warfen,  daneben  in  älterer  Spr.:
(er)  wurf  dreite  kiselstein  ..  aufs  wasser  Garg.  348;
worfen  das  los  darumb  Marc.  15,  24;  Conjunctiv  worfe
Pf.  106,  27,  auch  noch  in  neuerer  Spr.:  die  gern  mieh
wurfen  in  den  tiefsten  bronnen  Platen  Abbass.,
Prol.  9;  daneben  seltener:  den  handschuh  würf  ieh
vor  euch  hin  Schiller  Tell  3,  3.  Bed.  1)  transitiv,
in  eigentlichem  Sinne,  mit  Acc.  des  Geworsenen  und
Zielbestimmungen:  steine  ins  wasser,  gras  in  den  ofen
(Matth.  6,  30),  silberlinge  in  den  tempel  (27,  5),  geld
in  den  teich  (Goethe  W.  Meister  2,  7),  saaten  ins  land
(Ahland  49),  etwas  von  sich  (Matth.  5,  29),  auf  einen
baufen,  cinen,  etwas  uber  bord  (auch  bildlich  Keller
Nachl.  212),  den  knaben  unter  einen  baum  (1.  Mos.
21,  15),  einen  zu  boden  (Schiller  Kab.  3,  6),  einem
etwas  in  den  weg  werfen,  u.  s.  w.;  auch  mit  ausgelassenem
  Object:  in  die  fenster  werfen;  wann  er  unier

in  hanfen  volks  solie  wersen  Garg.  47;  in  technischer

Werdegang  —  wersen.

ein
Spr.  ohne  Zielbestimmung:  das  loos.  die  würfel  (H  Sachs
Fab.  2,  181),  bälle  (Schiller  Räub.  3,  2),  bomben,
kugeln,  köder  wersen,  bei  Landwirten  koro,  getreide,
umschaufeln;  =  säen:  wirft  kumel  Jes.  29,  25;  —  begrifitauschend
  einen  wersen,  —  etwas  auf  einen  wersen:
etlieche  worfen  sie  mit  aschen  unter  die  augen  2.  Macc.
4,  41;  worsen  jn  .  .  mit  steinen  zu  tod  1,  16;  (ich)
werf  ihn  mit  einem  stein  .  .  an  die  ripp  Schiller
Räub.  1,  2;  die  jungen  werfen  sich  mit  sehneeballen;
einon  mirt  kot  werfen,  u.  ä.  2)  mannigsach  überlragen
von  wurfähnlichen  Bewegungen,  auch  mnsimlich  mit
Acc.  und  Richtungsbestimmung:  cinen  ins  gefungnis
wersen  (Luc.  23,  19),  einsperren;  einem  etwas  angebotenes
  vor  die  füsze,  einem  schimpfworte,  beleidigangen
an  den  kopf  werfen;  du  wirfst  jn  dem  vetter  deine
lochter  #örmlich  an  den  kopf  Benedix  rel.  Stud.  3,  9;
dem  feinde  neue  verschanzungen  in  den  weg  werfen
Häusser  d.  Gesch.  3,  83;  etwas  in  die  wagschalc  (Nanke
Werke  1,  254),  volle  kraft  in  einen  kampf  (93),  schuld
nuf  jemand  (Häusser  3,  1314)  werfen;  eatreit  .  welcher

Werst  —  Wergeld.  1370
das  collegium  vollends  auseinander  worf  Nanke  Werke
1,  133;  den  könig  nus  ltalien  zu  werfen  259;  einen
aus  dem  hanse,  die  haare  aus  der  stirne,  kragen  uber
die  schultern,  eine  meinung  uber  den  haufen,  weit
weg  werfen;  wirfest  meine  worte  hinder  dich  verachtend
  Ps.  50,  17;  ieh  will  meine  blindheit  ganz  von
mir  werson  Benedix  ein  Lustspiel  3,7;  werse  ieh  zuerst
  ..  alles  was  mir  daruüber  beifullt,  aufs  papier
Möser  Phant.  4,  4;  bliek  in  eine  sehrift  (Geibel
7,  150),  auge  aul  etwas,  einen  (Ranke  Werke  I1,  10)
werfen;  anf  diese  froge  einiges  lieht  ..  zu  werfen
Bismarck  Red.  1,  20;  iell  werf  ihn  zu  den  todten
Schiller  Karl.  3,  5,  u.  a.;  mit  bloßer  Richtungsbestimmung:
  mit  schimpfworten,  beleidi,  ungen,  gelehrten
eitsten  um  sich  werson;  bei  Anführung  von  Worten:
da  warf  ihr  der  stolze  Sigamber  unwillig  entgegen:
„durch  den  willen  unserer  götter  wird  alles  erzeugt“
Freytag  Bild.  1,  222;  mit  Angabe  der  Wirkung:  einen
toct  werlen  Stieler;  in  besonderen  Wendungen  mit
Obsject  ohne  Richtungsbestimmung:  ein  körper  wirtt
schatten;  einen  werfen,  im  Wettkampfe  besiegen;  das
wirst  mich,  macht  mich  krank,  elend;  den  leind  werken;
mit  hurrah  ging  es  gegen  die  cavallerie,  sie  ward  geworlen
  Droysen  Vork  2,  105;  ein  maler  wirft  seine
gewönder  gut,  wenn  er  sie  natürlich  anordnet;  ein
wohlgeworlenes  gewand  Adelung,  u.  a.;  —  werfen.
von  dem  Gebären  der  Tiere:  die  hund  werfen  die  jungen
blind  Eppendorff  Plin.  74;  unsere  „Amazone“  nahm
sich  daneben  (neben  Linienschiffen)  aus,  wie  wend  einer
dieser  kolosse  uber  nacht  ein  junges  geworfen  hbätte
Moltke  1,  199.  3)  reflexives  werfen,  in  übertragenem
Sinne,  von  Personen:  der  (von  den  Littauern)  wurlen
d5  zü  samne  sich  vumfzen  hundert  livl.  Chron.  1425;
in  neuerer  Spr.  mannigfach:  sich  im  beite  bin  und
her,  sich  ins  gras  (Freiligrath  2,  159),  aufs  pferd
(Körner  Rosam.  5,  2),  in  eine  stadt,  nach  Poitiers
(ebd.),  in  den  feind  (Zriny  5,  6),  aul  die  batterien  und
auf  das  feindliche  fuszvolk  (Häusser  d.  Gesch.  4,  256),
dem  feind  entgegen  (280),  in  den  weg  (3,  16),  in  den
widerstsnd  (Ranke  Päpste  2,  16°9)  wersen;  sich  cinem
an  den  hals,  in  die  arme  werfen,  aufdringlich;  er  wark
sich  zwischen  die  streitenden;  sich  einem  zu  fuszen
wersen,  bittend,  huldigend;  sich  auf  etwas  wersen,  zu
gründlicher  Arbeit,  u.  a.;  von  Gegenständen:  schnee#
das  er  sich  zu  hanfen  wirft  Sir.  43,  19;  der  streit,
warf  sich  ..  auf  die  frage  Ranke  Werke  1,  282;  dic
(ormen,  in  welehe  sie  (die  menschliche  Natur)  sich  wirft
Päpste  1,  510;  dann  warfen  sieh  bald  änszere  verhültnisse
  hemmend  in  den  weg  Häusser  d.  Gesch.  3,  155;
bei  Tischlern  und  Zimmerleuten  holz  wirkt  sich,  zieht
sich  krumm.

Werft,  m.  Auszug  oder  Kette  eines  Gewebes;  Fort
setzung  des  ahd.  mhd.  gleichbed.  warf.  schon  im  14.  Ib.
auch  werst  (Germ.  28,  110),  zu  wersen  gehörig,  vom
Einwersen  des  Weberschisschens  beim  Weben  bergenom
men:  um  werlt  oder  am  eintracht  3.  Mos.  13,  18.  —
Werft,  n.  s.  Platz  am  Wasser  für  Schiffsbau;  aus  dem
Niederländ.  ausgenommenes  Lehnwort,  mul.  verpte.
unl.  wers,  zu  werben  gehörig.

Werg,  n.  fadensörmiger  Abfall  beim  Hecheln  des
Flachses  oder  Hanses;  ahd.  werih,  wereh,  werk,  mhd.
werch,  were,  zu  wirken  gehörig,  Nebensorm  zu  werk
(s.  d.),  mit  anderer  Begriffsentsaltung;  ältere  Schreibung
  werk:  uberstreichens  mit  letten  und  werk  Herold
Ee  107;  aber  bei  Luther  in  heutiger  Form:  (in  hauf
wergs,  das  mit  fowr  verzehret  wird  Err-.  21,10;  bei  Herder
  Masc.:  junge  müäkchen.  —  (haltet)  sern  vom  scuer.
wie  den  werg  Cid  48.  —  Wergeld,  n.  Geldbuße  für
die  Tötung  eines  Mannes  (ahd.  ver,  goth.  vuir)  nach
altem  deutschem  Recht,  abd.  werigelt,  wergelt,  mhd.
wergelt:  wie  die  alten  das  verdoppelte  wergeld  der
mannes  forderten  Keller  Werke  l,  153.