und Felertage).
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Rosenheimer Tagblakt
Amkliches Publikakions--Organ
Nmmer 26 Kath.: Januarius
ur Geschäftsordnung.
Seit vier Jahren gleicht die Welt einem
großen Areoba, in welchem sich die Völker teils
durch die beweiskräftige Sprache der Waffen,
leils durch die nicht minder wundenpchaffenden
erregten Reden darüber auseinandersetzen, auf
welcher Seite der Rechtsanspruch be'stehe. Aus
dem Zusammemwirken von Waffen und Worten
hat sich nachgerade ein Wirrwarr entwickelt,
dessen Entwirrung kaum jemand noch Mittel
und Wege angeben kann. In dem brausenden
Getöse erhebt sich nun einer und erbittet das
Wort zur Geschäftsordnung. Er versucht,
die jahrelang in die Irre gegangenen Debatten,
mochten sie nun mit ffen oder mit Worten
ausgefochten sein, auf den eigentlichen Gegen-(tand
der Tagesordnung, die Frage des Friedens
und der Friedensmöglichkeiten zu lenken.
In dieser Rolle des Redners, welche die Debatten
auf den Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen
wieder zurückzuführen sucht. befindet
sich Oesterreich-Ungarn mit seiner Friedensnote
an alle kriegführenden Mächte. Mochte man auch
euber die Eignung gerade des jetzigen Augen -
blicks zu einer solchen Aktion verschiedener Meinung
sein, man wird nicht umhin können, dem
An#tag auf diEwelchäftordnungedrba te zuzustimmen.
Die deutsche Reichsregierung kann das
um so aher und um so achrioseh weil sie ja
pisher schon keinen Augenblick einen Zweifel über
ihre Friedensbereitschaft ließ und weil die Buriansche
Note im Grunde nichts anderes als eine
Verwirklichung der schon vor langerer Zeit durch
den Grasen Hertling im Reichstage vorgetragenen
Richtlinien für die Beendigung dieses Ringens
ist.
Die neue Lage, die nunmehr durch dieses aktive
Hervortreten unseres Verbündeten geschafsen
ist, erfordert nun aber auch, daß die für die
Führung unserer Politik maßgebenden Faktoren
der Regierung wie des Parlaments ihrerseits
das Wort zur Geschätsordnun ergreifen. mit
anderen Worten: Eine möglich't baldige
Einb erufung des Reichst ages oder
mindestens seines Hauptausschusses ist jetzt
uermeidlich. Man mu sich klar darüber sein,
daß in den allernäch'ten Tagen schon die für unser
Volk und Vaterland wichtigsten Entscheidungen
fallen können. Es ist unerläßlich, daß die parlamentarische
Vertretung des Deutschen Volkes
in diesem bedeutungsvollen Augenblicke in steter
enger Fühlung mit der Reicheleitung selbtt sich
besindet. Das gilt gleicher Weise dafür, ob das
Angebot nun angenommen oder abgelehnt wird.
Kaß letzteres ohne weiteres geschehe, wird in
holitischen Kreisen jedoch nicht angenommen, dem
nanche Anzeichen im feindlichen Lande, so u. a
die überraschende diplomatische Erkrankung Lioyd
Georges lassen den Schluß zu, daß man die gebo-#enen
Möglichkeiten zu überprüsfen gedenkt. Aber
wie dem auch sei: Auf alle Fälle muß das Deutsche
Volk wissen, ob und wie unsere Regierung
für die Notwendigkeiten der Lage gerültet ist.
Der abgelehule Wiener
Friedensverschlag.
Eine ablehnende Antwort Wilsons.-Rotterdam.,
17. 9. Aus Washington wird
hemeldet: Die Iiemeihilc ungarisce, Note wurde
hier durch Vermittlung der schwedischen Gesandtschaft
dem Auswärtigen Amt bereich.
Wie weiter gemeldet wird, veröffentlicht der
amerikanische Staatssekretär des Auswärtigen
Lansing lolgendm Erklärung:
räsident Wilson ermächtigt mich, zu
erklären, daß folgendes die Antwort unserer 2.
gierung auf die österreichisch-ungarische Friedensnote
sein wir
Die gegierung der Vereinigten Staaten ist
1. der Ansicht, daß sie lediglich eine Antwort
auf den Vorschlag der k. u. k. Regierung
geben kann. Sie hat zu wiederholten
Malen und durchaus offenherzig die Bedingungen
mitgeteilt, auf Grund deren die Wereinigten
Staaten einen Frieden in Erwägung
ziehen wollen; sie lanm und will keinen
Vorschlag zur Abhaltung einer Konferenz
Donnerstag, 19.
Lesterreichisch-talienische Verhandlungen
Willon lehnt bie österreichische RNote ab. —
Gorschlag. — Eine (Esterrertchllche Note an den Papft.
den Wiener
September 1018
Balfour spricht gegen
— Neue Kriegshetze in Rumnien. — Erneute feindliche Angriffe
zwischen Ailette und Aisne gescheitert. — Vereinigung Dosniens
mit der Herzegowina.
in einer Angelegenheit annehmen, in der
sie ihre Haltung und ihre Absichten deutlich
zu erlkennen gegeben hat.
Vorgebliches Mihtrauen Balfours.
5 Ro tterdam, 17. 9. Aus London wird
gemeldet: Balfour sagte, der öslterreichische
Konferenzvorschlag sei kein wohlgemeinter Versuch,
den Frieden herbeizuführen, denn er bekmecke,
die Alli#erten zu spalten. Die Einleitung
von Besprechungen würden keinen Nutzen haben
Zuischen den Alliierten und den Mittelmächten
bestehe keine Uebereinstimmung. Deshalb entbehrten
die vorgeschlagenen Besprechungen des
praktischen Wertes. Balfour sagie weiter zu
den deutschen Ansprũchen, die Kolonien zurückzubekommen,
niemand in England werde diesem
Vorschlag zustimmen können, weil er ungereimt
ift.
Ablehnung durch Lioyd George.
„ Amsterdam, 17. 9. „Daily Mail“ meldet,
daß die Regierung Lloyd Georges ge-Benüber
der Friedenskundgebung der Gegenseite
uUnverrückkar auf dem bisher eingenommenen
Standpunkt stehe. Lloyd George habe die gleiche
(Ansicht in Manchester deutlich ausgesprochen,
'daß dem Friedensbedürfnis der breiten Volksmassen
das Lebensinteresse der Staaten gegenüberstehe,
dem unter Umständen der Wille des
Volles untergeordnet werden musse.
Ablehnende Antwort der Entente?
*s Lugano, 17. 9. Wie uns eine Berner
Information meldet, soll die ablehnende
Antwort der Entente bereits- feststehen.
Eine Kollektivnote der Entente.
5F-Rotterdam, 17. 9. Der parlamentarische
Berichterstatter der heutigen „Daily News“ erfährt
aus elonnatabe Kreisen, da ##die Alli#erlen
eine gemeinsame Note verfassen werden,
welche die durch die öfterreichische Note und
andere Friedensversuche geschaffene Lage aufklären
soll. Man nimmt dabei den Standpunkt
ein, daß die öfterreichische Note unbestimmt sei
und daß ein Antrag, Besprechungen einzuleiten,
in jedem Falle von Deutschland kommen
müsse, weil Deutschland der Hauptfeind lei. Es
mird weiter betont, daß die Vereinigten Staaten
dct gewillt sind, einen Frieden anmnehmen,
der den Osten dem Westen opfern würde und
dah die Alliü#erten die Aufhebung der Verträge
von Brek t Litowsk, die Räumung Serbiens, Rumäniens,
Montenegros, Nordfrankreichs und
Belgiens fordern müssen. In französischen diplomatischen
Kreisen nehme man den Standpunkt
ein, daß die österreichische Note eine Kriegsli
"t4 sei zu dem Zwecke, die Alliierten zu spalteu.
* den polkilschen Kreisen Londons meint man,
o schließt der Mitarbeiter der „Duily News“,
L die Note, weil sie Deutschland nicht binde.
wertlos sei, und daß sie, wenn sie Deutschland binden
solle, auch von Deutschland ausgehen müßte.
Amerika.
*Neuyork, 16. 9. (Neuter.) Die öffentliche
[(Meinung und die Zeitungen der Vereinigten
Staaten verwerfen mit einigen Ausnahmen
unzweideutig den österreichischen Friedensvorschlag;
sowohk die demokratischen wie die republikanischen
Mitglieder des Kongresses stehen einer
Annahme des ölterreichischen Vo ges unter
den gegenwärtigen Verhältnissen glei woeise ablehnend
gegenüber. Senator Lodge, darüber befragt,
sagte, er sei nicht der Meinung, dah der
Friedensbewegung irgendwelche Aufmerksamkeit
Heschenkt werden solle, der Vorsitzende des Senatsausschusses
für die auswärtigen Angelegeniten
Hitchcock erllärte, das Friedensgerede in
der jetzigen Zeit wäre lächerlich und er würde
raten, Amerika und die Alliierten sollen bis
ummilitärischen Triumph kämpfen, der
Die vollitändige militärische Niederlage des Feindes
bedeute. Der Vorsitzende des Ausschusses
für die militärischen Angelegenheiten im Repräsentantenhause
Dont sagte, das Anerbieten bedeute
ohne Zweifel, dab Deutschland geschlagen
#ei. Er sei gegen eine Konferenz, es sei denn,
idaß man darunter verstände, der Krieg solle weiter
gehen, bis der Friede diktiert werden lönng
Stolze Worte der Franzosen.
* Paris, 16. 9. Im Palais Bourbon, wo
trotz des Sonmags einige Abgeordnete erschienen,
wurde erklärt: Die Kriegsziele Frankreichs
und der Alliierten sind bekannt: die Unversehrtheit
des Vaterlandes, das Gleichgewicht der
Welt, die Befreiung aller unterdrückten Völker
und Wiedergutmachung des angerichteten Schadens.
Inmitten aller Wechselfälle des Krieges,
sagten die Abgeordneten, hat sich das Programm
Frankreichs nicht geändert. Unsere Feinde
beginnen heute zu wanlen und glauben nicht
mehr an einen Frieden durch den Sieg der
Waffen. Wir sind anderer Meinung, Frankreich
und die Alliierten zweifeln nicht, daß ihre siegreichen
Armeen die Vetwirklichung ihres Programms
sichern werden, dessen Aenderung nicht
in Frage kommt.
Die Antwort Itali ens.
s Lugano, I7. 9. (Tel. Union.) Nachdem
nunmehr die Besprechungen der Burian- Note
in sämtlichen maßgebenden politischen Vlättern
vorliegen, kann man das italienische Urteil dahin
zusammenfassen, daß in ganz Italien kein
Mensch von der öllerreichsschen Note einen Erfolg
erwartet.
—
Eine öfkerr. Nole an den Papft.
Wien. 16. 9. Der Minikter des Aeußeren
hat an den apostolischen Nuntius Msgr. Valfre
di Vonro am 14. d. M. eine Note gerichtet, welche
in deutscher Uebersetzung folgendermaßen lautet:
Nach vier Jahren unerhörten Ringens und ungeheuerlichen
Opfern hat der Kampf, der Europa
verheert, rnoch keine Emscheidung zu bringen vermocht.
Die K. u. K. Regierung, von dem Geiste
der Versöhnlichkeit geleilet, der schon in ihrer
Note vom 12. 12. 1916 zum Ausdruck kam, hat
beschlossen, an alle kriegführenden Staaten heran-Futreten
und sie einzuladen, durch einen vertraulichen
und unverbindlichen Gedankenaustausch,
einem für alle Teile ehrervollen Frieden die Wege
zu ebnen.
Hierbei gedenkt die K. u. K. Regierung voll
feierlicher Dankbarkeit des iise Appells,
den Seine Sriiglen der Papst im verflossenen
Jahre an alle Kriegführenden mit
Mahnung rihtete, eine Verstandigung zu suchen
und wieder in brüderlicher Eintracht zu leben.
In der sicheren Ueberzeugung, der Heilige
Water ersehne es auch beute, daß die leidende
Mernschheit wieder der Segnungen des Friedens
teilhaftig werde, hoffen wir zuversichtlich, daß
er unseren Schritt. mit Sympathie begleiten und
mit seinem, auf der ganen Erde anerkannten moralischen
Einfluß unterstützen wird.
(Von diesem Gedanken begleitet, bitte ich Euere
Erxzellenz den zuliegenden Text unserer Note Se Seiner
Heiligkeit unterbreilen zu wollen.
Prot.: Januarius 61. Jahrgm#
Die Schlacht im Weslen.
Abenbbericht.
WITE. Berlin, 17. 9., abends. Amtlich.
Zwischen Ailette und der Aisne scheiterten erneute
Angriffe des Feindes
Von den anderen Fronten nichts Neues.
—
Der amll. österreichische Berichl.
!1 WTB. Wien, 17. 9.,
Italien#scher Kriegsschauplatz.
BGwischen der Brenta und dem Monte
Solaro lo setzten die Italiener gestern früh
nach slarker, bis um Trommelfeuer gesteigerter
MArilllerievorbereitung zum Angriff an. Ihre
Sturmkolonnen wurden im Brentalal und vor
dem Col Caprile durch unser Feuer zurückgetrieben.
Auf dem Asolone vermochten sie unter
der Wirkung unferer Batterien ihre Gräben überbant
nicht zu verlassen. Auf dem Monte Pertica,
dem Solarolo und dem Tasson-Rücken kam
#s zu erbitlerten Kämpfen, n denen der Feind
gleichfalls reitlos weichen muß
* In den anderen Scdkenirden vielfach lebhafte
Flegertärigkeit.
Westlicher Kriegsschauplat.
Bei den örlerreichischungarischen Truppen keine
größeren Kampfhandlungen.
Albanien.
(Bei Pojan scheirerten erneute italienische Vorstöße.
Der Chef des Generalstabs.
——"
Die Ereigulsse in Kußland.
Die Tschecho= Slowaken in
Bedrängnis
: JZürich. 17. 9. Nach übereinstimmenden Meldungen
üalienischer Blätter i't die Lage der an
der Wolga kampfenden Tschecho-Slowalen zunehmend
schwierig. Die Berichte bereiten auf
eine vollständige Niederlage vor. Die
Sowiettruppen verfügen über reichliches artille-Tiftisches
Material, modurch sie den Gegnern überlegen
sind.
——
Allgemeines vom rieg.
Neuc Kämpfe in Mazedonien.
"! Bulgarischer Heeresbericht vom
15. Sent. Mazedonische Front: Westlich des
Ochridasees Patrouillenumernehmungen. An der
Cervena Stena heftige Feuerüberfälle. Nördlich
von Bitolia versuchten französ. Kombvagnien
nach anhaltender Artillerievorbereitung
- sich unseren vorgeschobenen Gräben zu nähern.
Sie wurden durch Feuer vertrieben. Im
Czernabogen während des ganzen Tages
beftiges Artillerieseuer auf beiden Seiten. Im
Abschnitt von (Gadesnica bis zur Höhe
Bahovo fanden erbitterte Kämpfe statt.
Feindliche Vataillone grissen an mehreren Punkten
unsere Stellungen südlich von Gradesnica
an, wurden aber mit beträchtlichen Verlusten
zurükgewiesen: eine Anzahl srnzsiccher Gefangener
blieb in unseren Hän Weiter östlich
griffen nach besonders kftiger- Artillerievorbereitung
französische und serbische Divisionen heute
früh unsere Stellungen bei Solol, am Dobropolse
und bei Vetrani an. Nach harten Kämpsen
gelang es ihnen, diese Punkte zu besenen.
wobei sice schwere Verluste erlimen. Um unseren
Truppen unnötige Opfer zu ersparen, nahmen
wir unsere Einheiten in diesem Abschnitt in neue
Stellungen weiter nördlich zurück. Südlich von
Auma hält das heftige Artilleriefeuer auf beiden
Seiten an.
Anslans.
Vereinigung Bosniens mit der
Herzegowina?
s Budapest, 17. 9. „Pesti Hirlap“ meldet
aus Wien, daß die Vereinigung Bosniens
und der Herzegomina. mit Kroatien
kurz bevorstehe. Graf Tisza sei zum
König berufen worden, weil er, wie es heiht, an
die Spitze des neuen Gebildes treten soll.
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