Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

493  schüppen  —  schürfen.

refl.:  nussatz  schuppte  sich  mir  augenblicklich  mit
Ckler  rinde  gunz  um  den  glatten  leib  Shalefp.  Hamlet
1,  5.  —  schüppen,  mit  der  Schüppe  wegschafsen,  schnee,
unrat;  meist  schippen  gesprochen  und  geschrieben:  im
winter  schnee  schippes  Bismarck  Red.  12,  23.  —
schuppig,  älter  auch  schuppicht,  mit  Schuppen  versehen,
ahd.  scuopig,  mhd.  schuopec  und  schuopcht;  aquum0Os#s
  schuppig,  schupicht,  schupecht  Dies.,  seauppig
Frisch;  schuppige  fische;  eine  schlange  mit  gelbem
auge,  schuppig  Grabbe  2,  43;  hutte  ein  schuppicht
panzer  an  1.  Sam.  17,  5;  ein  schuppicht  panzerhemd
Schiller  Kampf  mit  d.  Drachen;  schuppicht  auf  der
haut,  schuppichte  räude  im  gesicht  Frisch;  dise
schopechtige  rsud  (Ausfatz)  Herold  Ee  95°.

Schur,  m.  Plage,  Bereitung  eines  Argernisses;  Wort
der  neueren  Schriftspr.  zum  Verbum  scheren  1d  auf
Grund  älterer  und  weiter  mundartlicher  Verbreitung:
dusz  er  ihm  den  brief  ..  zum  schure  mitschickte  (um
ihn  zu  ärgern)  Cav.  in  Irrg.  3897;  einem  einen  schur
thun;  etwas  einem  zum  schur  beginnen.  —  Schur,  k.
Handlung  des  Scherens  (nach  seheren  1,2),  mhd.  nach
unregelmäßiger  Bildung  sehuor  für  das  erwartete
schur,  seltene  Nebenform  mhd.  schur;  Scheren  der
Schafe  und  Ertrag  davon:  das  erstling  von  der
sebur  deiner  schafle  5.  Mof.  18,  4;  Scheren,  Stutzen
der  Haare:  durch  schur  oder  stutzen  des  schweifes
C  FMeyer  d.  Heil.  147;  der  Hecken  und  dadurch  erzeugte
  Form:  (Taxuswände  die)  längst  nus  aller  schur
gewichen  waren  Immermann  Münchh.  1,  83;  bair.
Abmähen  eines  Grasplatzes  und  was  abgemäht  wird,
Abtrieb  eines  Waldes  und  das  dabei  gewonnene  Holz,
überhaupxt  Ernte  jeder  Art  Schmeller;  übertragen,
nach  scheren  15,  Plage,  Not:  das  macht  mir  viel  schur,
ich  habe  meine  schur  damit  Adelung;  auch  wie  das
Masc.  schur,  Plage,  Bereitung  eines  Argernisses:  war  das
nicht  ein  schur,  die  zu  weihnachten  mir  widerluhr?
Opel-Cohn  16,  131;  er  thut  es  mir  zur  schur
Campe.  —  schüren,  zum  Brennen  anfachen;  mhd.
schurn,  Ableitung  zu  dem  mhd.  Fem.  schor,  Feuereisen,
  Schaufel,  göth.  skauro;  eigentlich:  dane  schurte
niemen  fiwer  noch  brant  Wolfram  Willeh.  289,  10;
licht  schurn  mungere  Vcc.  15.  Jh.;  man  sehurt  das
sewr  im  olen  Dan.  3,  22;  Amor  schuret  die  lamp’'  indesz
  Goethe  Eleg.  1,  5;  schurte  den  holzstosz  Platen
Oden  36;  dafür:  wir  saszen  am  kamin  .  und  schurten
in  den  flammen  Geibel  1,  178;  in  gewerblicher  Spr.,
auf  Glashütten  und  Hüttenwerken;  bei  Bergleuten  den
Knoten  des  Grubenlichtes  mit  dem  Schürblech  weiter
beraus  schieben  und  ihm  Talg  geben;  bei  Böttchern,
das  brennende  Pech  in  den  Fässern  hin  und  her  wälzen:
dasz  er  fasse  nicht  nur  bindet,  sondern  dasz  er  sie
auch  schurt  Logau  2,6,  30;  vielfach  bildlich:  der
(Teufel)  ilte  mit  listen  schurn,  dag  si  ir  sehephære
verkurn  Servat.  173;  ihre  schönheit  schuret  das  leuer
der  begier  in  seinem  blut  Wieland  Ob.  12,  53;
du  schürest  gluth  auf  glutb  Goethe  Tasfo  2,  3;  die
kleinstaaten,  die  so  eifrig  das  feuer  schuren  Moltke
4,  182;  freihcitssinn  (Schiller  Fiesko  1,  3),  flammen
der  begeisterung  (Geibel  §,  9,  argwohn  (Häusser
d.  Gesch.  3,  207),  klassenhasz  (Bismarck  Red.  11,  147)
schorcn,  u.  a.,  auch  ohne  Obj.:  wo  winkeladroksten
schuren  ebd.  163.

Schurf,  m.  Nebenform  zu  schorl  (s.  d.);  durch  Aufreiden
  entstandene  Wunde:  einen  schurf  am  schenkel
Rosegger  Waldbeim.  1,  303;  im  Bergbau  kleinerer
Graben  für  Erzgewinnung,  im  süddeutschen  Salzbergdaue
  eine  Art  Schacht  Veith  430;  bei  Jägern  —
Schnitt.  —  schürfen,  aufreißen,  einschneiden,  mhd.  schurfen,

  schurfen.  im  Ablaut  zum  Adj.  scharf  (s.  d.);
älterer  Jägerausdruck,  —  ausweiden:  erenfero,  ahd.
scurflo,  mhd.  schurphe,  später  niederl.  erenker##re
gcurpen  Dies.;  sonst  bei  Bergleuten  geblieben,  —  Gänge

schurigeln  —  Schurz.  494

nach  Erzen  oder  Mineralien  graben:  schurfen,  wan
einer  am  tage  naheht  zu  suchen  nach  güngen  und
klusten  Schottel;  (Bergmann  mit  einer  Hacke)  stellte
..  die  bondlung  des  schurlens  vor  Goethe  W.  Meister
2,  4;  gluckauf  der  schurfenden  knappen  Treitschke
3,  158;  bildlich:  die  (erste  deutsche  Dorfgeschichte)  bat.
das  gold  im  volke  lreu  geschurft  zu  tage  Freiligrath
  3,  38;  seltener  in  dem  allgemeineren  Sinne  ritzen:
der  jude  schurfte  .  mit  seinem  groszen  daumenungel
r!’n  (an  dem  silbernen  Kännchen)  Keller  Seldw.
,  177.

Schurigeln,  zwecklos  plagen,  quälen;  Wort  der
niedrigen  Rede,  aus  einem  mitteldeutschen  mundartlichen
schurgeln,  schorgeln  entstanden,  das  selbst  Häufigkeitsbildung
  zu  mundartlichem  schurgen,  schurgen,  ahd.
scurgan,  mhd.  schurgen  stoßen,  schieben,  ist;  einen  sebr
schurigeln,  Frabt  cura  de  molestia  a/sieere  Stieler;
(die  Soldaten)  schuriegelten  uns,  dasz  cs  cine  sunde
und  eine  schande  war  Schoch  Stud.  Leb.  27,  6;  wie
die  bauren  getrillt  und  geschurigelt  wurden  Simpl.
1,  50;  das  lumpengesindel  schurrigelte  mich  3,  15;
dasz  die  leute  sollen  geschuhriegelt  werden  Chr  Weise
böse  Cath.  2,  15;  auch  von  Dingen:  das  schurigelt
ihn  eben,  id  ipsum  morbo  illi  et  senio  est  Stieler.

Schurke,  m.  schlechter,  nichtswürdiger  Mensch;  erst
im  Nhd.  emporgekommenes  Wort,  zurückgehend  auf  das
unter  schurigeln  aufgeführte  ahd.  scurgan  stoßen,  in
Zufammenhange  mit  dem  ahd.  Masc.  widarscurc  Verwerfung
  und  mit  sureiser  tu  virseurgo  ahd.  Gloss.
2,  434;  älter  in  milderem  Sinne,  —  Lumpenkerl,  armer
Schächer:  schurk,  Zomo  nihili  et  eontemnendae  conditionis
  Schottel;  dasz  sie  arme  schureben  sein
Simpl.  2,  151;  was  mache  ich  denn,  venn  mir  die
schorken  nicht  gehorsam  sein?  Weife  böse  Cath.  2,  7;
erst  später  in  der  heutigen  scharfen  Bed.:  das  musz  ein
schurke  von  einem  soldaten  sein,  der  ein  mädchen  anfohren
  kann  Lesfing  Minna  3,  1t;  sehurke  von  einem
wirte!  1,  1;  wurden  Sie  vater  zu  dem  seburken  schne
scin  wollen,  der  eine  privilegierte  buhlerin  beiratete?
Schiller  Kab.  1,  7;  ihr  schurken  Bürger  Weih.  v.
Weinsberg.  Dazu:  Schurkenstreich,  m.  Streich  eines
Schuren  nichtswürdige  That.

Schurkerei,  f.  Versahren  eines  Schurken:  ich  halte
dich  an  deiner  eigenen  schurkerei  Schiller  Kab.  t,  5;
der  erste  leindliche  zusammenstos  .  durch  schurkerei
eines  Römers  berbeigeluhrt  Freytag  Bild.  1,  41;
schurkereien  begehen;  perfönlich  gefaßt:  groll,  welchen
getäuschte  babgier  und  cntlarrte  schurkerei  .  gegen
ihren  entdecker  empfinden  C  FMeyer  Nov.  2,  198.  —
schurkisch,  einem  Schurken  gemäß,  schurkenartig:  mein
schurkischer  bediente  effing  an  EKönig  1772;  so
ununatürlich  schurkisch  wird  er  doch  nicht  sein?
Grabbe  1,  274;  schurkisch  verfahren;  in  verblaßtem
Sinne,  —  niederträchtig,  sehr  schlimm:  uberhuvpt  geht
mirs  heut  nacht  so  schurkisch  d.  junge  Goethe  3,  582.

Schurre,  k.  Bahn  in  welcher  etwas  schurrt;  Eisbahn
  Campe;  in  Gebirgen  Bahn,  die  sich  herabgleitendes
  Geröll  macht;  auch  solches  Geröll  felbst:
während  der  nacht  war  hier  (auf  der  Gotthardstraße)
eine  schurre  herabgekommen  Moltke  5,  13.—  schurren,
auf  dem  Eife  gleiten,  als  Lautwort  bei  Schottel;
mit  Geräusch  gleiten  überhaupt:  dic  erde  schurrt  vom
rande  in  den  graben,  ctwas  nus  der  hand  sechurren
lassen  Campe;  binweg  schurrt  Robert,  und  lacht  und
lacht  Voß  4,  203;  das  schurren  der  flachen  boeote
uher  das  geröll  des  strandes  Moltke  6,  102.

Schurz,  m.  kurze  Bekleidung  unterer  Leibesteile  (in
Franken  Kittel  der  Landleute),  mhd.  schurz,  schurz,  zu
dem  Adj.  ahd.  seurz,  altengl.  sceort  abgeschnitten,  kurz
gehörig;  eingulus,  limas,  zuccina  schurtz,  schurcz
Dief.;  flochten  leigenblütter  zusamen,  und  machten
jnen  schurze  1.  Mos.  3,  7;  nam  einen  schurz  und  umb-