Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Togo,  Altkamerun,  Deutsch-Suͤdwest-  und  Ostafrika,
Deutsch-Neuguinea  und  der  Marschallinseln,  spaͤter  folgten
  der  Eintausch  von  Helgoland,  die  Pachtung  von
Tsingtan,  der  Kauf  der  Karolinen-  Palau=  und  Marianeninseln,
  sowie  von  Samoa,  der  Erwerb  von  Neukamerun.
  Die  deutsche  Flagge  begann  sich  allerorts  zu
zeigen.  Gerade  der  Eintritt  in  die  Weltpolieik  erheischte
eine  Verständigung  mit  der  größten  und  ältesten  Weltmacht.
  Weltpolicik  gegen  England  machen  zu  wollen,
wenn  man  auf  dem  Kontinent  von  zwei  feindlichen
Mächten  sich  bedroht  wußte,  war  ein  Unding!

Es  war  verständlich,  daß  das  Erscheinen  der  jungen
Kaisermacht  auf  der  Weltbühne  —  des  Deutschlands,
das  man  lange  nur  als  „Land  der  Oichter  und  Denker“,
als  lediglich  kontinentalen  Faktor,  ja  als  Konglomerat
von  Kleinstaaten  mit  partikularistischen  Zänkereien  anzusehen
  gewohnt  war  —  Uberraschung,  teilweise  Neid
und  Eifersucht  bei  den  anderen  Nationen  hervorrief,  und
daß  namentlich  in  dem  welkbeherrschenden  England  das
Auftreten  des  deutschen  Handels  und  der  deutschen  Flotte
als  unbehagliche  Konkurrenz  empfunden  wurde.  Manche
unbedachte,  daheim  weniger  beachkete,  aber  im  mißtrauischen
  Ausland  oft  weit  über  Gebühr  unterstrichene
Außerung  eines  an  sich  berechtigten  Nationalgefühls")

1)  Ich  muß  gestehen,  daß  ich,  und  mit  mir  wohl  viele  andere,  #.  B.

von  den  im  Ausland  während  des  Krieges  soviel  genannten  Bernhardischen
  Schriften  erst  durch  die  Angriffe  unserer  Feinde  Kenntnis  erhalten

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