964 Beuisches Reich. (November 12.)
des Prinzregenten Luitpold berufen, 1912 zum Chef des nach dem Tode
des Prinzregenten neugebildeten kgl. Zivilkabinetts ernannt.
12. Nov. Abg. v. Payer wird zum Vizekanzler ernannt.
Friedrich v. Payer, geb. 1847 in Tübingen, ließ sich 1871 in Stungart
als Rechtsanwalt nieder, ist seit 1877 mit kurzen Unterbrechunges
M. d. R., war 1894—1912 M. der württemb. Zweiten Kammer, die ihn bereis
1895 zu ihrem Präsidenten wählte. Im Reichstag gehört v. P. dem Vorstand
der Fortschr. Vp. an, zu deren Konstituierung im März 1910 er
wesentlich beigetragen hat.
Die „Nordd. Allg. Ztg.“ begleitet die Ernennung v. Payers mi
folgender halbamtlicher Auslassung: Durch die mit dem Eintrin der Herren
Dr. Friedberg und v. Payer in die ihnen verliehenen Aemter vollendein
Neubesetzung der höchsten Regierungsstellen ist nunmehr die enge Lerbindung
zwischen Regierung und Volksvertretung im Reich und in Preußer
sinnfällig in die Erscheinung getreten. Die Bedeutung dieses Zieles war
es, die in erster Reihe die beiden Parteiführer veranlaßte, die schwerr
Verantwortung auf sich zu nehmen, die mit ihren neuen Stellungen verknüpft
ist. Sie trugen damit das Ihre dazu bei, daß der Weg, den der
deutsche Kaiser am 4. Aug. 1914 eingeschlagen hat und in all seinen späteren
Kundgebungen zielbewußt verfolgte, weiter beschritten wird. Indem so die
Einheit des deutschen Volkes nicht bloß tatsächlich gewährleistet, sondern
auch der ganzen Welt vor Augen geführt wird, ist die Grundlage gesichen.
auf der die segreiche Beendigung des Krieges erfolgen muß. Unser Vorlk
wird die dadurch bewirkte innere Stärkung der- Lage sicherlich mit Dank
gegen S. Maj. den Kaiser begrüßen und in seiner Haltung den festen Willen
betätigen, unter Zurückstellung alles Trennenden in gemeinsamer Hingebung
den Kampf um die Zukunft von Kaiser und Reich durchzuführen.
Die „Natl. Korr.“ stimmt diesen Worten freudig zu, indem sie u. u.
schreibt: Die „Nordd. Allg. Ztg.“, die ihr Urteil gerade vom Standpun#t
der Monarchie abgibt, sieht die Vorgänge in dem richtigen Licht. Sie sich
den Kern der Ereignisse, wenn sie von der engen Verbindung zwischen
Regierung und Volksvertretung spricht, die nunmehr sinnfällig in die Erscheinung
getreten sei, und die auf dem Wege liege, den der Kaijer an
4. Aug. 1914 beschritten hat. Dieser Entwicklung fehlt jeder Anklang #
Olmütz oder Kanossa. Sie ist ohne Zwang aus dem Geist der Zeit erwachsen.
der eine enge Verbindung aller Kräfte verlangt, damit unsere innere Geschlossenheit
unsere freie Kraftentfaltung nach außen voll gestattet. Die
grundsätzliche Bedeutung und Tragweite der Regierungsneubildung wird
sich am besten durch die praktischen Erfolge zu beweisen und zu bewähren
haben. Gerade die friedenskritischen Tage, die jetzt angebrochen sind, werden
ein Prüfstein sein für unfre politische Festigkeit. Es ist von diesem Gesichtspunkt
aus ein gutes Zeichen, daß die neue revolutionäre Welle, die von
Rußland ausgeht, trotz ihrer verlockenden Friedenssprache sich an unfrer
politischen Geschlossenheit bricht. Nur die Unabh. Soz. rusen zu Massendemonstrationen
auf. Dadurch aber werden unsere politischen Kreise nich
gestört. Wenn die Regierung freie Hand hat in der Behandlung einer so
schwierigen Frage, so beruht das zweifellos auf der inneren Stärkung, die
der neue Burgfriede uns gebracht hat. Uns diese Stärkung zu erhalten, is
die wichtigste Aufgabe der Zukunft.
Sehr im Gegensatz zu der offiziellen Darstellung der „Nordd. Allg. Ztg.“
war die Lösung der Krisis in Wirklichkeit durch ein sehr unerquickliches
parteipolitisches Intrigenspiel erschwert, worüber die „Köln. Ztg.“ in
einem anscheinend inspirierten Berliner Artikel vom 9. u. a. berichtet: Wer