Contents : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

Über  die  Schwierigkeiten  eines  solchen  Unternehmens
gab  ich  mich  keinen  Illusionen  hin.  Es  war  mir  klar,
daß  ein  solcher  Versuch  nicht  nur  eine  gründliche  Aus—
sprache  über  den  Flottenbau,  sondern  auch  eine  offene
Diskussion  der  Wirtschaftsfragen  voraussetze,  und  daß
wir  in  beiden  Punkten  um  allerhand  Zugeständnisse  nicht
herumgekommenwären.  Das  Ziel  schien  mir  solcher  Opfer
wert  zu  sein,  denn  die  Lösung  der  politischen  Spannung,
die  letzten  Endes  in  ein  Bündnis  mit  England  hätte  aus—
münden  sollen,  würde  uns  andererseits  neben  der  Siche—
rung  des  Friedens  Vorkeile  erschlossen  haben,  durch  die
wir  die  erwähnken  Zugeständnisse  reichlich  aufgewogen
hätten.

Fürst  Bülow,  mit  dem  ich  die  heikle  Frage  einmal
besprach,  verwies  mich  damals  auf  ein  Work  des
Fürsten  Bismarck,  der  ausgesprochen  habe:  daß  er
gerne  bereit  wäre,  die  Engländer  zu  lieben,  aber  sie
wollten  sich  ja  nichk  lieben  lassen.  Zu  einem  Bündnisse
mit  England,  das  für  uns  nichk  die  dunkle  Gefahr  eines
Krieges  mit  Rußland  in  sich  geschlossen  hätte  und  andererseiks
  geeignek  gewesen  wäre,  England  wirklich  und
ernstlich  zu  binden,  schien  er  damals  grundsätzlich  geneigt
  zu  sein.  Aber  hierfür  war  nach  seiner  Auffassung
in  den  ersten  Jahren  dieses  Jahrhunderks  der  englische
Premierminister  Lord  Salisbury  nicht  zu  haben  gewesen,
und  so  glaubke  er  nach  Lage  der  Umstände  mik  einer
„Politik  der  freien  Hand“  am  besten  abzuschneiden.

Auch  wo  sonst  ich  meine  Gedanken  vor  den  leikenden
Staaksmännern  unserer  Regierung  entwickelfke,  wurde
mir  stets  etwa  die  gleiche  Antwort:  eine  Verständigung
mit  England  sei  unmöglich;  England  wolle  das  gar  nicht,

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