Full text: Geschichte des deutschen Volkes.

Die Langobarden. 55 42—45. 35 
jener Zeit nur, daß die Langobarden der Gepiden lange nicht Meister 
werden konnten, daß endlich Alboin im Bunde mit den von Osten vor- 
dringenden finnisch-türkischen Avaren das Gepidenreich vernichtete, der Ge- 
piden Sitze vertragsmäßig, die eigenen freiwillig den Avaren überließ und 
nach Italien zog. 
Schnell unterwarfen die Langobarden Oberitalien, allmählich fast die 
ganze Halbinsel. Nur was mit der Flotte bewahrt werden konnte, Sicilien, 
Sardinien und einige Küstenstriche, Ravenna, Neapel, Genua, blieb den 
Griechen und bildete das Exarchat. Auch Rom blieb dem Namen nach von 
Ostrom abhängig. In der That stand es fast selbständig unter der geist- 
lichen Leitung des Papstes; so gut wie selbständig war auch Venedig 
unter seinem Dogen'). Alles übrige Land fiel den Langobarden zu und 
ward vom Könige wieder einzelnen Herzögen zugeteilt, unter denen Schult- 
heiße und, diesen wieder untergordnet, Dekane standen. Die Römer wurden 
Unterthanen und verloren alle politischen Rechte, ihren Grundbesitz, zum Teil 
auch die Freiheit. Zum Sitz seiner Herrschaft wählte Alboin die Stadt 
Pavia. Hier aber ward er nach kurzer Regierung von der Blutrache seiner 
Gemahlin Rosamunde getroffen. Diese hatte er einst in der Trunkenheit 
gezwungen, aus ihres eigenen Vaters Schädel, den er zur Erinnerung seines 
Sieges als Trinkgeschirr führte, ihm Bescheid zu thun. Sie gewann durch 
List den Helmichis, einen Edlen aus Alboins Gefolge, und ließ ihren Gemahl 
im Schlaf ermorden (573). 
§ 43. Ihm folgte durch Wahl der Herzöge Kleph, nach dessen baldiger 
Ermordung die Herzöge ohne Könige zu herrschen versuchten. Später aber 
erhoben sie doch den Sohn Klephs, Authari, auf den Königsthron. Dieser 
pflanzte seinen Speer an der Straße von Messina auf, zum Zeichen, daß 
er Italien bis zum äußersten Ende durchzogen habe. Von seiner Werbung 
um Theodelinde, die Tochter des Bayernherzogs Garibald, verkündigt 
Sage und Lied. In Theodelinde aber war, da Authari früh starb, dem 
Lande eine weise Herrscherin gewonnen. Die Edeln überließen es ihr 
sogar, einen neuen Gatten zu wählen, und erkannten diesen, den Agilulf, 
damit zugleich auch als ihren König an. Theodelinde baute den Dom zu 
Monza, wo später die langobardische Krone (die eiserne genannt, weil ein 
Nagel vom Kreuz Christi eingeschmiedet war) aufbewahrt ward. Sie bildete 
den noch rohen Sinn der Langobarden, welche bei ihrem Einzuge in Italien 
zwar schon (arianische) #e doch noch manchen heidnischen Gebräuchen 
zugethan waren. In diesem Bestreben unterstützte sie der Papst Gregor 
der Große (590—604), und so kam es, daß viele der Langobarden 
schon damals der allgemeinen (katholischen) Kirche sich zuwandten, während 
andere noch arianisch blieben und erst unter König Grimoald (663—671) 
übertraten; vollständig katholisch ward das Volk wohl erst unter Liutprand, 
(712—744). 
Während sich die kirchliche Einigung des Volkes vollzog, hatte König 
Rothari 644 auch das Volksrecht aufgezeichnet. So waren die Grund- 
lagen eines festen, gesitteten Staates geschaffen. Die Langobarden, erst wild 
und grausam, aber bildsam ihrer Natur nach, wurden allmählich fleißige 
Ackerbauer, die das verwüstete Land wieder emporbrachten. Später verlor 
die Königsgewalt, die auf Wahl beruhte, sehr an Ansehen. Dagegen er- 
hoben sich die Herzöge immer selbständiger, besonders an den Grenzen, 
) d Udux, Herzog- 
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