121. Die Waffenstrecung bei Sedan. 583
Offiziere; außerdem waren noch sieben oder acht preußische Offiziere anwesend,
von denen der Graf Nostitz auf einen Wink des Generals Blumenthal sich an
den Kamin setzte, um der Unterredung mit der Feder zu folgen.
Nachdem man sich gesetzt hatte, trat eine Pause erwartungsvoller Stille
ein; der General Wimpffen wollte nicht anfangen, aber als Moltke in eisigem
Schweigen verharrte, entschloß er sich endlich das Wort zu nehmen.
„Ich möchte,“ sagte er, „die Bedingungen kennen lernen, welche Se. Majder
König von Preußen geneigt ist uns zu bewilligen.“ „Sie sind sehr einsach,“
erwiderte Moltke; „die ganze Armee ist kriegsgefangen mit Waffen und
Gepäck; man würde den Offizieren ihre Wassen lassen als Zeichen der Achtung
vor ihrem Mut, aber sie werden Kriegsgefangene wie die Mannschaften auch.“
„Diese Bedingungen sind sehr hart, General“, erwiderte Wimpffen, „und mir
scheint, für seinen Mut verdient das französische Heer ein besseres Schicksal.
Könnten ihr nicht folgende Bedingungen eingeräumt werden? Ihner bliebe die
Festung mit den Geschützen, der Armee aber würde gestattet mit Waffen, Gepäck
und Fahnen abzuziehen mit der Verpflichtung während der Dauer dieses
Krieges nicht mehr gegen Preußen zu dienen; diese Verpflichtung würden der
Kaiser und die Generale für die Armee, die Offiziere jeder für sich schriftlich
eingehen und dann würde die Armee in einen von Preußen zu bestimmenden
Teil Frankreichs oder nach Algerien geschickt werden um dort bis zum Friedensschlusse
zu bleiben.“ Ohne eine Miene zu verziehen antwortete General
von Moltke, seine Forderung sei umviderruflich und unabänderlich. Nun hielt
ihm General Wimpffen eine große Rede über die ganz unsagbar peinliche Lage,
in die er persönlich sich gesetzt finde, er, der vor 48 Stunden in der Sandwüste
Afrikas aufgebrochen sei um jetzt seinen ehrlichen Kriegernamen für
immer zu beflecken durch Unterzeichnung eines Vertrages von solch unerhörtem
Inhalte, und doch habe er die Schlacht, um deren Ergebnis es sich handle,
gar nicht selbst eingeleitet, müsse vielmehr büßen für das, was andere getan
oder unterlassen hätten. Als er sah, daß General von Moltke sich durch diese
Betrachtungen nicht rühren ließ, rief er in fast drohendem Tone: „Wenn Sie
mir nicht bessere Bedingungen gewähren, so lege ich Berufung ein an meine
Armee und ihre Ehre und es wird mir gelingen entweder einen Durchbruch
zu machen oder mich in Sedan zu verteidigen!“
Da fiel General von Moltke mit den Worten in die Rede: „Ich habe
große Achtung vor Ihnen, ich würdige Ihre Lage und bedaure nichts von
dem tun zu können, was Sie verlangen; aber ein Durchbruch ist für Sie
ebenso unmöglich als ein Aushalten in Sedan. Gewiß, Ihre Truppen sind wirklich
ausgezeichnet. Ihre Elite-Infanterie ist hervorragend, Ihre Reiterei kühn und
unverdrossen, Ihre Artillerie bewunderungswürdig und hat uns viel zu viel
Schaden getan; aber ein großer Teil Ihrer Infanterie ist außer Rand und
Band, wir haben heute mehr als 21000 Mann unverwundet gefangen genommen.
— Augerblicklich haben Sie nur noch 80000 Mann. Unter