325
zu machen, noch sah sie die Notwendigkeit dazu ein. „In der Lage,
die der Generalfeldmarschall und ich vorfanden,“ schreibt General
Cudendorff, „hielten wir es nach unseren ganzen Auffassungen über
das Wesen des Krieges und den Vernichtungswillen des Feindes für
geboten, die physischen, wirtschaftlichen und sittlichen Kräfte des
Daterlandes zu höchster Entfaltung zu bringen. Die GOberste Beeresleitung
stellte ihre KForderungen an die Reichsregierung nach Menschen,
Kriegsmaterial und sittlicher Kraft.“ Leider war sie dabei an
die Sivilbehörden und das Dolk selbst gebunden, und diese brachten in
arger Derblendung ihre eifrigsten Zemühungen zum Scheitern. Doch
das sollte sich erst im Verlaufe der Dinge zeigen. orerst handelte
es sich darum, die militärische Krisis des Augenblicks zu beschwören.
Das allein forderte eine ganze Manneskraft. Es war die mühevolle
Aufgabe der Obersten Heeresleitung, die „Fronten im Westen und
Osten gegen alle feindlichen Angriffe zu halten, dabei die Beeresgruppe
Erzherzog Karl zu festigen und gegen Rumänien zu einem
Aufmarsch zu gelangen, der die Derteidigung gewährleistete und den
Übergang zum Angriff gestattete“. So Ludendorff. Alles andere trat
zunächst hinter dieser Aufgabe zurück. Der Angriff auf Derdun
mußte daber sofort aufgegeben werden, wie das der Kronprinz schon.
lange befürwortet hatte, um die Fronten im Westen halten zu können,
dann aber wandte sich die Tätigkeit der neuen Obersten Heeresleitung
vor allem den Derhältnissen im Osten zu, die für den Augenblick die
drängendsten waren.
Der Feldzug gegen Rumänien.
Swischen der deutschen und der bulgarischen Beeresleitung.
waren schon im Juli 1016 gewisse Dereinbarungen für den Fall getroffen
worden, daß Rumänien den Mittelmächten den Krieg erklären
sollte. Dem Wesen nach war vereinbart worden, daß sofort nach
der Kriegserklärung Feldmarschall WMackensen, der den Gberbefehl
führen sollte, mit den Hauptkräften die Donau bei Neikopoli überschreiten
sollte, um auf Bukarest vorzugehen, bulgarische Kräfte aber
zugleich zum Schutz der rechten Flanke Tutrakan und Silistria bestürmen
und deutsch-österreichische TCruppen zur Fesselung feindlicher
Streitkräfte von Morden her demonstrativ vorgehen sollten. Don
der Durchführung dieser Absichten konnte unter den obwaltenden
Umständen natürlich nicht die Rede sein. Die über die Donau gegangenen
Truppen wären — um nur das eine zu erwähnen — von
den weit überlegenen Rumänen sofort geschlagen worden, davon
ganz zu schweigen, daß es der deutschen Beeresleitung natürlich darauf
ankommen mußte, den Feind völlig zu vernichten, um wenigstens.
auf einer Seite die Hände völlig frei zu bekommen. Das war auf
diesem Wege keinesfalls zu erreichen. Dahingegen war es durchaus
sachgemäß, von Süden her in der Dobrudscha sofort anzugreifen und.