Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. 205
zu ertheilen, verhaftet, nachdem das Obertribunal seine dießfällige
Beschwerde zurückgewiesen hat.
20. Oct. (Preußen.) Ein Congreß der schlesischen Katholiken zu Breslau
beschließt folgende Resolutionen:
„1) Die Generalversammlung schlesischer Katholiken erklärt dem Papste,
als dem von Christus gesetzten Oberhaupte der gesammten Kirche unerschütterliche
Treue und seinem unfehlbaren Lehramte in Sachen des Glaubens
und der Sitten unverbrüchlichen Gehorsam. 2) Die Generalversammlung
erklärt, keinen Bischof als rechtmäßig anerkennen zu können und zu wollen
nicht mit dem apostolischen Stuhle, als dem von Gott gesetzten Mittelpunkt
der kirchlichen Einheit, in Verbindung steht: deßgleichen erklärt sie,
zu ihrem rechtmäßigen Bischof in gewissenhafter Treue stehen zu wollen.
3) Die Generalversammlung erklärt, daß durch die Ausnahme zu welche
über Bischöse und Priester verhängt sind, auch das katholische Volk auf das
Schmerzlichste getroffen ist, und beklagt diese Gesetze als dem Frieden und
der Wohlfahrt des gemeinsamen Vaterlandes verderblich. 4) Angesichts des
Geistes, welcher die neuere Unterrichtsgesehgebung durchdringt, sorbert die
Generalversammlung die katholischen Eltern auf, mit erhöhter Anstrengung
den katholischen Glauben im Heiligthum der Familie zu erhalten und zu
beleben und die Bestrebungen der katholischen Erziehungsvereine zu unterstützen.
5) Die Generalversammlung der schlesischen Katholiken protestirt im
Interesse der Religion und des Unterrichtes gegen die Verdrängung der polnischen
Muttersprache aus den katholischen Schulen. 6) Angesichts der Entartung,
welche den größten Theil der heutigen Presse kennzeichnet, erklärt es
die Generalversammlung für eine Pflicht aller Katholiken, dem Einfluß kirfeindlicher
Blätter nach Kräften zu steuern und für die Verbreitung guter
katholischer Zeitungen, Zeitschriften und Bücher eifrig zu sorgen. In letterer
Beziehung empfiehlt die Generalversammlung die Einführung und Verbreitung
des Görresvereins in Schlesien. 7) Gegenüber den vielen und einflußreichen
Bestrebungen, den Glauben der hle zu untergraben und
die öffentliche Meinung über die Bedeutung des gegen die Kirche und ihre
Institutionen geführten Kampfes zu verwirren, erklärt es die Generalversammlung
für dringend nothwendig, an allen Orten, wo dieß irgend erreichbar
ist, katholische Volksvereine zu gründen. 8) Den in materieller, wie
religiös-moralischer Beziehung vorhandenen Nothständen eines großen Theiles
der Arbeiterbevölkerung widmet die Generalversammlung ihr aufrichtiges
Mitgefühl. Um jene Nothstände im Einzelnen zu erkennen und nach
Möglichkeit zu heilen, erklärt sie es als ein dringendes Bedürfniß der Zeit, neben
der weiteren Verbreitung der bisher schon bestehenden Lehrlings-, Gesellenund
Meistervereine christlich-sociale Arbeitervereine zu errichten. Zugleich
eimpfiehlt die Generalversammlung die in hacher erscheinenden „christlichsocialen
Blätter“ und den Münchener „Arbeiterfreund“.
„ (Hessen.) Nach einem überaus heftigen Wahlkampfe wählt der
neue Gemeinderath von Mainz (17 Nationalliberale, 10 Ultramontane,
6 Democraten und 3 Farblose) mit 23 Stimmen den Candidaten
der Nationalliberalen zum Bürgermeister, indem die Democraten
dießmal mit den Nationalliberalen stimmen, während sie sich bei der
letzten Reichstagswahl auf die Seite der Ultramontanen geschlagen
hatten.
21. „ (Preußen.) In Nordschleswig werden wieder die zwei Dänen
ins Abgeordnetenhaus gewählt. Die deutsche Minderheit hatte ihre
Stimmen auf den Regierungspräsidenten v. Bitter vereinigt.