Full text : Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

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Feuerwaffen  (Mehrladegewehre,  Maschinengewehre
und  Schnellfeuergeschütze)  und  die  ungeheuren  Anforderungen
  der  derzeitigen  Gefechtsführung  (vor  allem
das  Streben  nach  Feuerüberlegenheit  sowie  nach  örtlicher
  und  zeitlicher  Bülammenfassung  der  Wirkung,
nach  entscheidender  Feuerwirkung)  steigern  den  Munitionsverbrauch
  ins  Riesenhafte  Bei  der  Größe  der
Heere  und  bei  der  langen  Dauer  der  Kampfhandlungen
  sind  somit  ganz  ungeheure  Munitionsmengen
erforderlich.  Der  für  den  ersten  Bedarf  notwendige
Munitionsvorrat  wird  von  der  Truppe  selbst  mitgeführt.
  Die  Ergänzung  dieser  Truppenausrüstung
geschieht  durch  die  aus  der  Heimat  zugeführte  Munilion.
  Hierzu  müssen  ausreichende  Munitionsmengen
zunächst  in  der  Heimat  unter  Heranziehung  aller
Hilfsquellen  und  Hilfskräfte  angefertigt  und  bereit  gehalten
  und  dann  rechtzeitig  und  sicher  in  das  Operationsgebiel
  nachgeführt  werden.  Zur  Munitionsversorgung
  gehören  also  nicht  nur  die  Herstellung  und
Bereitstellung  der  Munition  in  der  Heimat,  sondern
auch  ihr  unausgesetzter,  geordneter  Nachschub.  Sie
verlangt  eine  wohldurchdachte  und  gut  arbeitende
Organisation  unter  tatkräftiger,  zielbewußter  Leitung
und  eine  überlegte  Ausnutzung  der  zur  Verfügung
stehenden  Nachschubmittel.

Von  der  Verpflegung  hängen  das  Wohlergehen  der
Truppe  und  damit  ihre  Leistungsfähigkeit  ab.  Auch
hier  stellen  die  große  Zahl  und  Stärke  der  Armeen
ganz  gewaltige  Anforderungen  an  das  Verpflegungswesen.
  Für  die  Eernährung  dient  als  oberster
  rundsah  daß  die  Hilfsmittel  des  Kriegsschan.
platzes  nach  Möglichkeit  ausgenutzt  werden.  Deshalb
ist  die  günstigste  Art  der  Heroslegung  die  durch  die
Quartierwirte.  In  armen  Gegenden,  bei  Operationen
größerer  Truppenkörper  und  bei  engem  Zusammengehen
  der  Truppen  ist  jedoch  die  Quartierverpflegung
nicht  möglich.  Hier  sind  dann  Ankäufe  und  Beitreibungen
  die  Mittel,  um  die  Vorräte  und  Bestände  des
Kriegsschauplatzes  zu  verwenden.  Im  Feindesland
sind  Beitreibungen  die  ausgiebigste  Art,  vom  Lande
uleben.  Sie  werden  daher  von  der  Truppe  und  den

erwaltungsbehörden,  wo  nur  irgend  möglich,  in
weitem  Umfang  vorgenommen.  Aber  der  große  Verpflegungsbedarf
  der  Riesenheere  kann  durch  die  Mittel
  des  Kriegsschauplatzes  allein  nicht  gedeckt  werden.
Selbst  das  reichste  Land  ist  nicht  imstande,  die  Verpflegungsmittel
  für  sosche  Massen  an  Ort  und  Stelle
aufzubringen,  und  die  Vorräte  der  betroffenen  Gebiete
  sind  sogar  bei  siegreichem  Vorgehen  bald  erschöpft.
  Die  Beitreibungen  können  deshalb  nur  als
höchst  willkommene  Beihilfen  für  die  Verpflegung  gelten.
  In  der  Hauptsache  müssen  die  Lebensmittel  dem
Heere  von  rückwärts  zugefuhrt  werden.  Für  diesen
Verpflegungsnachschub  werden  nicht  nur  die  Vorräte
der  heimatlichen,  sondern  auch  der  besetzten  Gebiete
herangezogen,  so  daß  dadurch  ein  großer  Teil  der
Kriegslasten  vom  Heimatland  abgewälzt  wird.  Diese
nachgeführten  Verpflegungsbestände  müssen  einen
langen  Weg  zurücklegen,  bis  sie  aus  den  rückwärtigen
Ersatzquellen  zur  Truppe  gelangen,  und  es  bedarf
auch  hier  des  Ineinandergreifens  zahlreicher  Stellen
und  Hilfsmittel,  damit  das  ganze  Nachschubwesen
richtig  arbeitet.  An  der  Spitze  des  gesamten  Verpflegungswesens
  des  Feldheeres  steht  der  Generalintendant,
  der  die  leitenden  Gesichtspunkte  für  die  ganze
Veriflegung  gibt  und  für  den  Nachschub  im  großen
sorgt.  Die  Verpflegung  einer  Armee  leitet  der  Armeeintendant
  nach  den  Agordnungen  des  Armeeober-III.

  Technik  und  Kriegführung

befehshabers.  Er  verfügt  zu  ihrer  Sicherstellung  über
die  im  Bereiche  seiner  Armee  vorgefundenen  oder
dorthin  nachgeschobenen  Bestände  und  über  die  in  der
Heimat  für  seine  Armee  angesammelten  Vorräte,  zu
ihrer  Durchführung  über  die  Intendanten  der  Truppenverbände
  und  Behörden  seiner  Armee.

Der  Sanitätsdienstin  Feldeistauf  die  Schlagfertigkeit
  des  Heeres  von  weittragendem  Einfluß.
Denn  er  besteht  nicht  nur  in  der  ersten  Hilfe  für  die
Verwundeten  und  Kranken  auf  dem  Schlachtfelde  und
in  der  weiteren  Fürsorge  für  sie,  sondern  umfaßt  auch
das  Freimachen  des  Kriegsschauplatzes  von  Verwundeten
  und  Kranken  und  nicht  zuletzt  die  allgemeine
Gesundheitspflege  des  Heeres.  Diese  wichtigen  Aufgaben
  verlangen  es,  daß  vor  allem  die  ärztliche  Hilfe
rasch  und  unmittelvar  hinter  der  Gefechtslinie  einseszk.
Dann  mühssen  die  Verwundeten  und  Kranken  in  das
weiter  rückwärts  gelegene  Gebiel  abgeschoben,  dort
verteill,  untergebracht,  ärztlich  behandelt  und  verpflegt
werden.  Und  endlich  müssen  die  Transportfähigen
unter  ihnen  nach  Möglichkeit  zur  Pflege  in  die  Heimat
wurückgefübrt  werden.  Diese  Krankenfürsorge  erforert,

  neben  der  Ausstattung  der  Truppen  und  Behörden
  mit  hinreichendem  Sanitätspersonal  und  material
  sowie  den  nötigen  Einrichtungen,  ein  gut  organisiertes
  Transportwesen.  Die  Gesundheiohfürkohg.
erstreckt  sich  in  erster  Linie  auf  die  Berhütung  und
Bekämpfung  ansteckender  Krankheiten  und  Seuchen,
dann  aber  auch  auf  alle  anderen  für  die  Gesundheit
des  Heeres  notwendigen  hygienischen  Maßnahmen.
Auch  hierfür  sind  besondere  Einrichtungen  und  Hilfsmittel
  unerläßlich.  Eine  besonders  wichlige  Rolle  spiell
aber  im  Sanitätsdienst  neben  dem  Ersatz  des  Personals
  der  gesicherte  Nachschub  an  Sanitätsmineln
aus  der  Heimat,  ohne  die  weder  eine  geordnete  Behandlung
  der  Verwundeten  und  Kranken  noch  eine
sechgemöß  Gesundheitspflege  möglich  ist.  Die  Leitung
des  ganzen  Sanitätsdienstes  beim  Feldheer  liegt  in
der  Hand  des  Chefs  des  Feldsanitätswesens.  Bei  jeder
Armee  leitet  den  Sanitätsdienst  der  Armeearzt,  dem
hierzu  die  Korps=  und  Divisionsärzte  sowie  das  Sanitätspersonal
  der  Truppen  und  Behörden  der  Armee
unterstehen.  —  Vgl.  dazu  den  Aufsatz  -Einrichtung
und  Aufgaben  der  Feldlazarette-,  Bd.  I.  S.  308#  f.

Die  Notwendigkeit  des  Mannschafts=  und
Pferdeersatzes  sowie  der  Ergänzung  der
Kriegsausrüstung  und  des  Kriegsmaterials
liegt  auf  der  Hand.  Die  Auffüllung  der  bei  den  kämpfenden
  Truppen  durch  Verluste  und  Krankheiten  entstandenen
  Abgänge  macht  die  unausgesetzte  Heranbildung
  und  Bereithaltung  ausreichender  Mannschaftsbestände
  bei  den  Ersahirurdenteilen  in  der  Heimat
und  deren  rechtzeitige  Nachführung  auf  den  Kriegsschauplatz
  nötig.  Das  gleiche  gilt  für  den  Ersatz  der
Pferde  und  sonstiger  tierischer  Hilfskräfte,  soweit  dieser
  nicht  durch  die  Ausnutzung  des  Kriegsschauplatzes
gedeckt  werden  kann.  Bei  der  Materialergänzung
handelt  es  sich  ebenfalls  um  Anfertigung  und  Bereitstellung
  der  notwendigen  Vorräte  an  Bekleidung,  Ausrüstung
  und  Kriegsgerät  aller  Art  in  der  Heimat  und
um  die  bedarfsmäßige  Zuführung  an  die  Front.
Unbrauchbar  gewordenes  Kriegsmaterial  muß  zur
Wiederherstellung  aus  der  Kampflinie  nach  rückwärts
  weggeschaff.  werden.  Dabei  kommt  es  darauf
an,  ob  ein  Abtransport  in  das  Heimatgebiet  notwendig
  ist  oder  ob  die  Ausbesserungen  in  den  im  Bedarfsfall
  eigens  errichteten  Werkstätten  hinter  der  Gefechtsfront
  vorgenommen  werden  können.  Auch  auf  die-