Contents : Der Fehlspruch von Versailles.

nn  m  m  qm  a  me  en  mann  nn  mm  an  in  m  marine  mnnnnnut  m  nme  mm  nme  nn  nn  |
dadurch  von  jeder  feindlichen  Unternehmung  gegen  Deutschland  abgehalten
  wurde.  „Mit  England  ganz  zu  brechen,  bevor  das  Jahr  1870
in  Frankreich  vergessen  ist,  und  wovon  man  weit  entfernt  ist,  hieße,
auf  die  Lage  als  Schiedsrichter  zu  verzichten,  die  Deutschland  in  Europa
inne  hat,  um  sich  in  die  Abhängigkeit  vom  Zweibunde  zu  begeben‘).
Soviele  Meinungsverschiedenheiten  auch  zwischen  Frankreich  und  England
  bestanden,  vor  allem  in  der  ägyptischen  Frage,  so  war  doch  die  allgemeine
  Meinung,  daß  man  sich  in  Paris  in  Rücksicht  auf  die  Weltausstellung
  des  Jahres  1900  vor  deren  Beendigung  nicht  in  gefährliche  Auseinandersetzungen
  mit  einer  fremden  Macht  einlassen  werde.  —

Das  Jahr  1900  könnte  allen  denjenigen  zum  Studium  empfohlen
werden,  die  jetzt  nach  dem  Abschlusse  des  Weltkrieges  wähnen,  Deutschland
  allein  sei  in  den  vorhergehenden  Jahrzehnten  an  allen  Händeln
schuld  gewesen,  die  damals  die  Welt  bewegten.  Dieses  Jahr  zeigt  uns  im
Gegenteil  das  eigenartige  Bild,  daß,  während  in  Afrika  gegen  das  kleine
Volk  der  Buren  von  England  der  ungerechteste  aller  Kriege  geführt  wird,
Rußland  infolge  seiner  Sorgen  um  das  japanische  Vordringen  in  Korea
einzig  und  allein  an  seine  asiatischen  Interessen  denken  muß  und  für
Frankreich  dadurch  in  seinem  Werte  als  Bundesgenosse  sinkt.  Überall
in  Europa,  besonders  auch  in  Frankreich,  nimmt  die  Volksmeinung  erbittert
  gegen  England  und  für  die  Buren  Partei.  Keine  der  Zweibundmächte
  aber  darf  und  will  es  mit  England  ganz  verderben,  Rußland,
weil  es  seine  Gegnerschaft  in  Ostasien  fürchtet,  Frankreich,  weil  es  durch
seine  große  Pariser  Weltausstellung  vorwiegend  in  Anspruch  genommen
ist  und  auch  Gründe  des  Mißbehagens  über  die  Haltung  seines  russischen
Bundesgenossen  in  Rechnung  zu  stellen  hat.

Wieder  ist  es  die  Pariser  Weltausstellung,  die  hier  eine  Rolle  spielt.
In  Paris  wünscht  man  nur  allzusehr,  daß  der  Zar  persönlich  die  Ausstellung
besuchen  möge;  französische  Blätter  hatten  ein  derartiges  Ereignis  schon
für  den  Juli  angekündigt,  und  die  Regierung  der  Republik  machte  die
größten  Anstrengungen,  um  den  Kaiser  Nikolaus  zum  Kommen  zu  bewegen.
Bereits  ließen  sich  in  Frankreich  Stimmen  hören,  die  ausführten,  das
Bündnis  mit  Rußland  habe  Frankreich  noch  recht  wenige  Vorteile  gebracht,
  und  auf  die  Größe  der  Anleiheverpflichtungen  Rußlands  hinwiesen?).


In  Rußland  blieb  man  fest  und  fühlte  nicht  einmal  eine  Veranlassung,
den  Besuch  des  österreichischen  Kaisers  zu  Berlin  im  Mai  1900  durch
eine  entsprechende  Demonstration  zu  erwidern.  Der  belgische  Gesandte
in  St.  Petersburg  berichtete  sogar  gerade  anläßlich  dieses  Besuches,  die
Zarenregierung  stehe  in  ausgezeichneten  Beziehungen  zu  Berlin  und  Wien.
„solange  der  Dreibund  in  einer  passiven  Rolle  verharrt,  stört  er  Rußland
nicht,  begünstigt  vielmehr  seine  auf  eine  friedliche  Ausdehnung  nach  dem
Osten  gerichteten  Wünsche.  Man  sieht  sogar  in  St.  Petersburg  nicht  ohne
eine  gewisse  Genugtuung  eine  Allianz  sich  aufs  neue  befestigen,  die  zum

1)  Brüssel,  10.  Februar  1900,  Bd.  I,  S.  55  ff.
2)  Brüssel,  1.  März,  8.  März,  2.  Mai,  17.  Mai  1900;  Bd.  I,  S.  57  ff.