Full text : Der Deutsche Reichstag.

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würfe  voraussichtlich  haben  würde.  Sie  hätten  eines  Vorschlages  so
lange  sich  enthalten,  als  nicht  aus  dem  Hause  selbst  eine  bestimmte  Ansicht
  über  diese  Frage  laut  geworden  sei.  Die  verbündeten  Regierungen
würden  aber  bereitwilligst  ihrerseits  die  formellen  Einleitungen  treffen,
wenn  eine  solche  Ansicht  im  Reichstage  ausgesprochen  werde.  Die  Genehmigung
  des  Antrages  erfolgte  einstimmig.

Kurz  vor  Beginn  der  Session  wurde  in  Bonn  der  Weltpostvertrag
geschlossen.  In  der  letzten  Woche  des  Monats  November  stand  er  auf
der  Tagesordnung  des  Reichstags.  Der  Generalpostdirektor  Stephan
berichtete  darüber:

„Der  vorliegende  Vertrag  bezweckt  nicht  eine  Vereinigung  zu  einem
bestimmten  Unternehmen,  welche  sich  auflöst,  wenn  der  Zweck  dieses
Unternehmens  erfüllt  ist;  er  ist  auch  nicht  darauf  berechnet,  nur  für
gewisse  Zeiten  und  für  gewisse,  hoffentlich  immer  seltener  werdende  Lagen
in  Anwendung  zu  kommen,  in  denen  die  Völker  blutige  Krisen  durchschreiten.
  Er  will  auf  seinem  Gebiet  eine  dauernde  Einrichtung,  einen
fortlebenden  Organismus  schaffen;  seine  Anwendung  wird  täglich  und
stündlich,  von  Land  zu  Land,  von  Weltteil  zu  Welteil  stattfinden,  sei  es
in  dem  weiten  Gezweige  der  Geschäftsverbindungen  oder  in  den  stetigen
Vorkommnissen  des  Familienlebens,  sei  es  in  dem  großartig  zunehmenden
  Austausch  der  Erzeugnisse  der  Presse  oder  in  den  Beziehungen  der
Männer  der  Kunst  und  Wissenschaft.  Niemand  in  dieser  hohen  Versammlung
  wird  an  den  Wirkungen  des  Vertrages  unbeteiligt  und  davon
unberührt  bleiben.  Deutschland  wechselt  schon  gegenwärtig  mit  den
hier  in  Betracht  kommenden  Ländern,  ungeachtet  der  jetzigen  hohen
Taxen,  150,000  Briefe  und  Drucksachen  täglich,  das  ist  in  jeder  Stunde
6000  Stück.  Für  die  Beamten  der  Postverwaltungen  wird  der  Vertrag
seine  Wirkung  dahin  äußern,  daß  durch  eine  weitgehende  Vereinfachung
des  Dienstmechanismus  ihnen  die  Ueberwältigung  der  Arbeit  erleichtert
und  mithin  eine  korrektere  Handhabung  derselben,  mit  welcher  erhebliche
Interessen  des  Publikums  verknüpft  sind,  ermöglicht  wird.

Wir  werden  eine  einheitliche  Brieftaxe  von  2  Silbergroschen  bei
dem  gleichförmigen  Gewichte  von  15  Gramm  haben,  und  für  Zeitungen,
Drucksachen,  Bücher,  für  die  Erzeugnisse  der  graphischen  Kunst  und  die
Kompositionen  der  Musik,  sowie  Handels=  und  Geschäftspapiere  eine
Taxe  von  ½  Silbergroschen  bei  dem  gleichförmigen  Gewicht  von  50
Gramm.  Diese  Taxen  werden,  auch  wenn  die  französische  Republik,
deren  freier  Entschließung  deren  Beitritt  oder  Nichtbeitritt  zum  Vereine
jetzt  noch  offen  steht,  es  in  ihrem  Interesse  liegend  erkennen  sollte,  sich
von  dem  allgemeinen  Konzert  der  übrigen  kultivierten  Länder  und  deren