Metadata : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

Die  Deutschen  in  Oestreich.  57

wollten,  gegen  ihr  eigen  Fleisch  und  Blut  die  Waffen  zu  ergreifen
und  den  korsischen  Gladiatoren  auf  seinem  wankenden  Throne  zu  stützen,
und  besonders  war  es  jener  kleine  Mann  in  Oestreich,  der  Nachäffer
des  großen  Grafen  Bismarck,  der  den  Gedanken  eines  östreichischen
Rachekrieges  unter  französischer  Aegide  gegen  Preußen  aufs  lebhafteste
verfolgte.  Aber  die  öffentliche  Stimme  in  Oestreich  stand  fest  zum
deutschen  Vaterlande,  die  Studenten  der  Universität  Wien  wollten
selber  die  Waffen  ergreifen  um  im  preußischen  Heere  zu  kämpfen,  nur
die  neutrale  Stellung  Oestreichs  verhinderte  die  Ausführung  dieses
hochherzigen  Entschlusses.  Unterstützungen  an  Geld  und  Gaben  aber
flossen  reichlich  aus  Oestreich,  und  das  deutsche  Vaterland  wird  der
Gesinnungen  der  Oestreicher  eingedenk  sein,  wenn  seine  Kinder  an
der  Donau  einst  der  Hülfe  bedürfen  werden.

2.
Die  Schlachten  bei  Courcelles,  bei  Mars  la  Tour,  bei  Gravelotte.

Nachdem  das  Korps  des  Marschalls  Mac  Mahon  durch  die  Niederlagen
  bei  Weißenburg  und  Wörth  völlig  zersprengt  war,  hätten
seine  Trümmer  der  vorrückenden  Armee  des  Kronprinzen  von  Preußen
noch  sehr  lästig  werden  können,  wenn  sie  mit  Energie  die  Pässe  der
Vogesen  vertheidigt  hätten.

Von  Zabern  bis  zur  Südgrenze  des  Elsaß  bilden  die  Vogesen
ein  bedeutendes  strategisches  Hinderniß,  sie  sind  auf  dieser  Strecke
ziemlich  gleichmäßig  2500  bis  3000  Fuß  hoch,  fallen  nach  Osten  steil
ab  und  sind  mit  zahlreichen  Wäldern  bedeckt.  Fünf  Pässe  führen
vom  Rhein  über  den  Kamm  des  Gebirges  nach  Westen,  von  denen
besonders  wichtig  für  die  deutsche  III.  Armee  die  Straße  von  Hagenau
  nach  Zabern,  und  von  da  über  Luneville  nach  Nanzig  war.
Dieser  Paß,  durch  welchen  neben  der  Landstraße  auch  die  Eisenbahn
von  Straßburg  nach  Nanzig  und  der  Rhein-Marne-Kanal  geführt  ist,
wäre  leicht  zu  vertheidigen  gewesen  und  dadurch  die  rechte  Flanke  der
französischen  Rheinarmee  wenigstens  vorläufig  gegen  eine  Umgehung
gesichert  gewesen.

Aber  das  Heer  des  stolzesten  kaiserlichen  Marschalls  war  nicht
allein  zersprengt,  es  war  auch  auf  das  furchtbarste  demoralisirt.  Am