Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

kanzler  Prinz  Mag,  der  zugleich  um  seine  Enklassung
gebeten,  hatte  ihm  soeben  mitgeteilt,  daß  sich  die  Lage
in  Berlin  zur  äußersten  Bedrohlichkeit  entwickelt  habe
und  daß  die  Monarchie  nicht  mehr  zu  retten  wäre,
wenn  der  Kaiser  sich  nicht  sofort  zur  Abdankung  enkschlͤsse.—


Der  Kaiser  nahm  die  Nachricht  mit  tiefem,  schweigen—
dem  Ernst  entgegen.  Farblos  die  fest  geschlossenen  Lip—
pen  in  dem  graugelb  gewordenen  und  wie  um  Jahre
gealterten  Gesichte.  Nur  wer  ihn  kannte  wie  ich,  konnte
ermessen,  was  er  trotz  dieses  mühsam  aufrecht  gehaltenen
Bildes  der  Fassung  und  Halkung  unter  der  brüsk  und
ungeduldig  drängenden  Forderung  des  Kanzlers  litt.

Als  Hintze  zu  Ende  war,  nickte  er  kurz  —  suchte  dann
mit  seinen  Augen  den  Blick  des  Generalfeldmarschalls,
als  müßte  er  bei  ihm  Kraft  und  Hilfe  finden  in  seiner
Qual.  Aber  da  war  nichks.  —  Still,  tief  erschüttert,
in  ausweglosem  Schweigen  stand  der  große  alke  Mann
und  ließ  das  Schicksal  seines  Königs  und  Herren,  dem  er
so  lange  kren  und  tapfer  als  Soldak  gedient  hakte,  sich
erfüllen.

Allein  war  der  Kaiser.  Nicht  einer  mehr  von  all
den  Männern  der  O.  H.L.,  die  einst  von  Ludendorff  zu
einer  festen  Einheit  zusammengeschlossen  worden  waren,
trak  jetzt  zu  ihm  und  sprang  ihm  bei.  Zersplikkerk,  in
Zersetzung  alles  auch  hier  —  nichk  anders  als  in  der
Heimat.  Hier,  wo  der  eisern  starke  Wille  hätte  aufpringen,
  sich  in  alle  Befehlsstellen  zwingend  auswirken,
alle  gesund  gebliebenen  Kräfte  an  den  Fronken  rings
zur  starken  Tat  hätte  zusammenraffen  müssen,  um  sich
durchzusetzen.  Richks  —  nichks  davon.  Jetzk  herrschke

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