Full text : Geschichte des Elsasses von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.

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Zusammenstellung  lehrreicher  Geschichten  direct  auf  Sittenbesserung
  aus.

Daneben  hat  es  Wickram  freilich  nicht  verschmäht,  mit  seinen
litterarischen  Arbeiten  auch  der  bloßen  geselligen  Unterhaltung  —
der  Kurzweil,  wie  man  damals  sagte  —  zu  dienen.  Wo  sich  irgend
eine  Handvoll  Leute  zusammenfand,  sei  es  in  der  Kneipe,  sei  es  in
geladenen  Gesellschaften,  sei  es  in  zufälliger  Reisekameradschaft  auf
Schiffen  oder  Rollwagen  (Gesellschaftswagen,  Omnibus),  da  war  es
hauptsächlich  das  Erzählen  von  Anekdoten  und  Schwänken,  womit
man  sich  amüsirte.  Und  um  für  solche  Unterhaltungen  Stoff  zu
liefern,  verfaßte  Wickram  sein  Rollwagenbüchlein,  eine  Sammlung
von  kleinen  Geschichten,  wie  sie  einst  Johannes  Pauli  herausgegeben
hatte  (S.  156).  Dem  Wickram  schloß  sich  Jacob  Frey,  Stadtschreiber
zu  Mauersmünster,  mit  einem  ähnlichen  Unternehmen  an,  das  er
„die  Gartengesellschaft“  nannte.  Und  Martin  Montanus,  ein  Katholik
  aus  Straßburg,  schrieb  einen  „Wegekürzer“  und  einen  zweiten
Theil  der  „Gartengesellschaft“  in  derselben  Absicht.

Regelmäßig  versichern  die  Verfasser  solcher  Bücher,  daß  sie  nichts
in  dieselben  aufgenemmen  hätten,  was  man  nicht  vor  ehrbaren  Frauen
und  Jungfrauen  erzählen  könne.  Wenn  wir  die  Geschichten  trottdem
zum  Theil  für  höchst  unflätig  erklären  müssen,  so  haben  die  Frauen
und  Jungfrauen  des  sechszehnten  Jahrhunderts  dergleichen  eben  nur
komisch  und  nicht  anstößig  gefunden.  Und  es  gereicht  dem  lebenslustigen
  Elsaß  keineswegs  zur  Unehre,  das  übrige  Deutschland  mit
der  leichten  Waare  versehen  zu  haben,  welche  bestimmt  war,  „in  den
schönen  Gärten,  bei  den  kühlen  Brunnen,  auf  den  grünen  Wiesen,
bei  der  edlen  Musik“  erzählt  zu  werden  und  „die  schweren  verdrossenen
Gemüther  wieder  zu  recreiren  und  aufzurichten.“

Ganz  anders  freilich  als  die  Fabrikanten  solches  litterarischen
Kleinkrams  steht  in  der  Schätzung  der  Nachwelt  ein  genialer  Mann
wie  Johann  Fischart  aus  Straßburg  da,  zu  dem  wir  uns  jetzt
wenden.

Gehen  wir  ohne  Umschweife  auf  den  Kern  seiner  Persönlichkeit