Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1880. (57)

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1140

13.  August


15.  Nov.

52  Zweites  Buch.  1:  Heinrichs  Jugend.

bis  auf  einen  ganz  geringen  Teil  in  den  Händen  der  Gegner;  und  auch  in
Sachsen  rüsteten  sich  die  Askanier,  dem  Knaben  sein  Besitztum  zu  entreißen.

In  Bayern  war  von  der  in  Sachsen  herrschenden  Anhänglichkeit  an  das
angestammte  Herzogshaus  nicht  die  Rede.  Die  Welfen  hatten  dort  nicht  festen
Fußgefaßt,  wie  als  Nachfolger  der  Billunger  und  Lothars  in  Sachsen.  Heinrichs
  rauher,  kriegerischer  Oheim,  Welf  VI.  von  Altorf,  führte  in  dem  süddeutschen
  Herzogtume  den  Kampf  gegen  die  staufische  Partei  fort.  Aber  allen
seinen  Anstrengungen  zu  Trotze  konnte  er  ihr  nicht  widerstehen.  Doch,  obschon
fast  ganz  Bayern  sich  in  der  Hand  des  von  Konrad  ernannten  Herzogs,  des
Markgrafen  Leopold  von  Osterreich,  befand,  ließ  sich  der  kühne  Welf  dadurch
nicht  abschrecken,  das  Recht  seines  Neffen  oder  vielmehr  —  woran  ihm  eigentlich
  lag  —  das  Recht  seiner  Familie  auf  Bayern  zu  verfechten.  Wäre  auch
Heinrich  der  Stolze  mit  Recht  geächtet,  behauptete  er,  falle  es  doch  sicher
nach  dem  Erbrechte  ihm  selbst  anheim").  Sein  Anhang  in  diesem  Lande  war
freilich  gering  genug.  Wesentlich  nur  zwei  Brüder,  die  Freiherren  Konrad  III.
und  Otto  II.  von  Valey,  standen  noch  auf  seiten  des  geächteten  Welfenhauses"").
  Gegen  deren  Stammburg  zog  Leopold  heran,  um  auch  die  letzten
Rebellen  gegen  seine  Herrschaft  zu  unterwerfen.  Weil  er  keine  Gefahr  fürchtete,
  sah  er  sich  auch  nicht  besonders  vor;  da  überfiel  ihn  plötzlich  Welf  mit
einem  schnell  gesammelten  Heerhaufen,  schlug  ihn  nach  hartem  Kampfe  in  die
Flucht,  tötete  ihm  seine  tapfersten  Anführer  und  nahm  ihm  eine  Menge  Gefangener
  abtl).

Die  Folgen  dieses  glücklichen  Handstreiches  aber  wurden  vereitelt,  da  König
Konrad  selbst  für  die  Sache  des  von  ihm  eingesetzten  Herzogs  auftrat.  Um  den
letzteren  durch  eine  Diversion  von  dem  gefährlichen  Feinde  zu  befreien,  griff
er  mitten  im  Winterff)  dessen  festes  Schloß  Weinsbergt##t)  in  Schwaben  an.
Hier  wollte  nun  Welf  wiederholen,  was  er  gegen  den  Osterreicher  mit  so
gutem  Erfolge  versucht  hatte.  Als  sich  Herzog  Friedrich  von  Schwaben,  der
Bruder  des  Königs,  mit  einem  Teile  der  Streitkräfte  entfernt  und  überhaupt

)  Hist.  Welf.  Weingart.,  p.  467.
%)  Ottonis  episcopi  Frisingensis  Chronica  (Schulausgabe)  lib.  VII,  o.  25.  —
Kaiserchronik  v.  17,  243  ff.

Do  gevuogete  iz  sich  alsõ

der  Kunig  zurnde  d6

mit  dem  edelen  vurste  Welfe

do  wuolden  im  niht  helfen

neweder  vriunt  noch  mäge

sie  hucben  sich  also  träge

wende  Welfe  wider  dem  riche  was.
5%  ))  Ann.  Weingartenses,  M.G.Ss.XVII,  309.—  Continuatio  Zwetlensis  prima  c.  IX,
p.  538.  —  Kaiserchronik  ed.  Maßmann  II,  p.  533,  v.  17,  229  ff.
)  Otto  Frising.  l.  c.,  fast  wörtlich  hat  aus  ihm  entlehnt  Vit.  Arenp.  De  Guelf.,  p.  664.
—  De  advocatis  Altahensibus,  M.  G.  Ss.  XVII.  p.  373.  —  Chronicon  Urspergense.  —
Zschocke,  Bayrische  Geschichten,  II,  S.  367.  —  Behrens,  Herzog  Welf  VI.,  S.  98.
ff)  Jaffé,  Konrad  III.,  p.  35,  Anmerk.  20.
9#  Urkunde  Konrads  act.  1140;:  apud  castrum  Winesberch;  Urkundenbuch  des  hist.

ereins  f.  Niedersachsen,  Heft  III.