SIEBZEHNTER VORTRAG)
8 7/
ZeitalterderEntstehungundEntwicklung
der Großmächte
(17.und 18. Jahrhundert)
ie Literatur des 16. und noch am Anfang des
1) 17. Jahrhunderts hatte eine sehr theologische Färbung.
Es gab kein Zeitalter, in welchem das Dog»
ma und überhaupt die kirchlichen Institutionen so enge
mit dem Staate verknüpft waren wie damals. Das Prinzip
der Kirche wurde das vorwaltende in jedem Staate;
denn obwohl eine große Anzahl derselben sich vom römischen
Stuhle losriß, so ergriffen sie doch ihre besonderen
Konzessionen mit dem größten Eifer, und diese
wurden ihr Gesetz. Also bekam das Leben und die Literatur
einen vollkommen geistlichen Anstrich.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts änderte
sich das. Man kam mehr zurück auf die Tendenz, welche
das 15. Jahrhundert ergriffen hatte, nämlich auf die Philosophie
und die Naturwissenschaften, welche durch die
theologischen Streitigkeiten in den Hintergrund gedrängt
worden waren ?). Miteinem Wort, der menschliche Geist
nahm wieder eine von der theologischen mehr abweichende
Wendung, eine freiere und unbedingtere
Richtung auf das Wesen der Dinge.
Ähnliches geschah im Innern der Staaten, welche sich,
nachdem man gesehen hatte, daß es unmöglich sei, die
Protestanten zu unterdrücken, in den großen religiösen
Konflikten wieder aus ihrem eigenen Wesen heraus:
gestalteten. Überhaupt fingen die, menschlichen Kräfte
an, nachdem die religiöse Seite gewissermaßen ausge-1)
Vom 12. Oktober 1854.
®) Noch im 17. Jahrhundert wurde Galilei vom Papste ver:
verurteilt, weil er das System des Kopernikus lehrte.
Ft
1553