Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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stoßen,  mhd.  verstözen,  stoßend  schließen:  sie  heten
alle  venster  verstoszen  D.  Städtechr.  10,  156;  gegen  einander
  umwechseln  und  ausgleichen:  eim  seine  schulden
un  einanderen  verstoszen,  vmmins  kronzeribere  in  alios
Maalerg  heimlich  bei  Seite  thun,  verbergen:  verstoszen,
„ctwarein  verbergen,  illatebrore,  dbstrudere,  obstrudere,
den  diebstal  veretoszen,  surta  commiftere  lotebris  ebd.;
pesargten  .  .  die  feind  hicten  sich  etwan  verstoszen
Aventin  1,  321,  jetzt  unkergegangene  Bedeutungen;
—  etwas  verstoszen,  notgedrungen  verkausen:  etwas
verstoszen  von  seinem  hauszrath,  suppellct#lem  eogi
vendere  Frisch;  bausgerätb,  kleider,  wäsche,  büucher
verstoszen  Adelung;  einen  verstoszen,  in  sinnlicher
Bed.  verjagen:  einen  ab  seicem  güt  verstoszen,  448=cere
  aliquem  de  posseistone  Maaler;  von  der  Richtung
  wegstoßen:  zum  heilgen  lande  steuert’  er  und
ward  vom  sturm  verstoszen  Uhland  316;  häufig  unsinnlicher,
  —  bart  von  sich  weisen:  verstosz  nicht  im
zorn  deinen  knecht  Pf.  27,  9;  ich  bin  von  deinen  augen
verstoszen  31,  23;  die  von  jrem  man  verstoszen  ist
3.  Mos.  21,  7;  da  verstiesz  mich  der  infant  Schiller
5,  139;  —  intransitiv,  =  einen  Fehler  begehen,  schon
mhd.:  daz  ich  sere  verstiez,  wand  iel  in  einen  speher
hiez  Flore  5033,  in  neuerer  Spr.  gewöhnlich:  das  genie

Verstöszt  also,  bald  aus  sicherheit,  bald  aus  stolz,
bald  mit  bald  ohne  vorsatz,  so  oft,  so  gröblich  Lessing
Dram.  34;  möchte  er  immerhin  gegen  dieses  vrberstoszen
  Schiller  2,  345;  damit  man  nicht  gegen  das
costüme  verstöst  Goethe  W.  Meister  3,  7;  —  in  technischer
  Spr.  bier  bat  verstoszen,  vergohren,  den  esig
verstoszen  lassen  Adelung.

Verstreichen,  mhd.  verstrichen,  intransitiv,  vorübergehen,
  namentlich  von  der  Zeit:  jahr,  woche,  stunde
verstreicht,  ist  verstrichen;  umherstreichend  sich  verlaufen:
  wano  sclbiges  (Mastvieh)  auszerhalb  dem  bruche
verstreichet  Möser  Phant.  3,  213;  —  transitiv,  streichend
  verteilen,  butter  uuf  dem  brote,  streichend  zudecken,
Hogen,  rissc  an  einem  gebände.  —  verstreuen,  mhd.
verströnwen,  auseinander  streuen,  von  Dingen:  sprew,
dic  der  wind  verstrewet  Ps.  1,  1;  wenn  Morpheus  mohn
verstreut  Hölty  122;  Personen:  wird  dich  wider  versumlen
  aus  allen  rülkern,  dahin  dich  der  herr  dein  gott
verstrewet  hat  5  Mos.  30,  3;  frei,  von  unnützen  Ausgaben:
  er  hat  sein  geld  für  nichtigkeiten  verstreut.  —
verstricken,  mhd.  verstricken,  mit  Strick  zuschnüren:
hundert  gulden  .  .  in  einem  scckel  hart  verstrickt
BWaldis  Esop  4,  27;  in  Stricke,  Fesseln  legen  oder
darin  halten:  verstricken,  an  strick  binden,  in  strick
fassen,  an  strick  nemmen,  illaquedre,  frrefire,  verstrickt,
  im  strick  gefangen  und  behanget,  laquedtus,
inelusus,  distriekus  Maaler;  ein  verstrickter  waldochse
  Jes.  51,  20;  in  älterer  Spr.  auch  gesangen  nehmen:
der  musz  selber  nicht  vcrstrickt  oder  gelangen  sein
Mathesius  Sar.  73“;  verbinden,  sichern:  damit  der
fried  ward  so  verstrickt,  das  er  bestehn  solt  unverruckt
  BWaldis  Es.1,  38;  sonst  in  Bildern  und  Übertragungen,
  die  bis  heute  geblieben  sind:  weun  ein  böser
sundiget,  verstrickt  er  sich  selbs  Spr.  Sal.  29,  6;
wort  .  .  in  redeknoten  listig  zu  verstricken  Goethe
4,  65;  dasz  ihr  .  die  edle  jugend  meines  königreichs
in  eurem  buhlernetze  schläu  verstricktet  Schiller
M.  Stnart  3,  1;  wie  in  verlichtheit  ist  der  sinn  verstrickt
  Tieck  Octav.  315;  er  war  zu  tiel  verstrickt,  um
aieh  von  der  mitschuld  losmachen  zu  können  Häufser
d.  Gesch.  3,  241.  —  verströmen,  als  Strom  fließen
lassen:  des  volkes  tbrünen  verströmt  um  deine  siille
zruft  Uz  1,279;  tadel  (Hölty  87),  patriotenblut  (159),
leiden  in  thränen  (Tieck  Octav.  103)  verströmen:
gönnt  mir  rast  und  friedn,  dasz  ich  ihn  voll  verströmen
mag  Geibel  1,  59;  intrans.,  als  Strom  fließen:  so  lasz
denn  .  ull  Jeinen  murchenreik  verstromen  in  meio  lied

verstoßen  —  verstufen.

3,  59.  —  versmsen,  stusenweise  gliedern:  das  heil  ver-glauben  acid  2.

verstümmeln  —  versuchen.  1260

stuft  sich  allmählich  in  das  dunkle;  grammatisch  laute

verstusen  sich;  bergmännisch  Stuse  zum  Merkmale  in
das  Gestein  oder  in  die  Zimmerung  hauen  Veith  539
(vgl.  stufen  2).—  verstümmeln,  mhd.  verstumbdeln,  ver-Stumeln.
  stümmelnd  verderben,  ein  glied,  worte,  u.  a.;
sein  bart  war  verstümpelt  Simpl.  1,  66;  gleich  den
verstümmelten  leichen  auf  einem  wablplatz  Schiller
4,  83;  zu  Unrecht  verkürzen:  verstumpel  deine  gabe  nicht
Sir.  35,  14.  —  verstummen,  mhd.  verstummen,  verstumben,
  stumm  werden:  verstummen  mussen  falsche
menler  Pf.  31,  19;  sprach  zu  dem  meer,  schweig  und
verstumme  Marc.  1,  39;  haltet  mein  stammeln,  mein
verstummen  vicht  fur  büurisch  blöden  sion  Tieck
Octav.  313;  frei:  dasz  seine  strenge  tugend  hier  verstummte
  Schiller  Karl.  2,  9;  des  verstummte  gewissen
gewann  zeine  sprache  wieder  Schrift.  1,  51;  der  ladel
der  nation  werde.  verstummeo  Treitschke  5,  226;  in
erweiterter  Fügung,  dichterisch:  nun  gar  ist  er  (Narciß)
zur  blume  verstummt  Uhland  110;  —  transikio,  verstummen
  machen:  ich  ruhe  eher  nicht.  bis  ich  verstummt
  der  christen  hundisch  bellen  Tieck  Oclav.  383.

Versuch,  m.,  mhd.  versnuoch,  das  Versuchen  und
Versuchte:  einen  v.  machen,  anstellen;  wissenschastlich
echemische,  physikalische,  litterarische,  dichterische
(Freytag  Erinn.  127)  versuche.  —  versuchen,  mhd.
bersnochen,  suchend  kennen  lernen;  in  älterer  Spr.  —
aussuchen  in  seindlicher  Absicht  (vgl.  suchen):  er  versuochte
  vil  der  riche  durch  ellenthaften  mnot  Nib.  22;
und  noch  später  mit  dem  Beisinne  des  Untersuchens:
dasz  man  umb  mitternscht  auszfallen  solte  .  die  feind
zu  versuchen,  was  sie  für  wacht  hiclten  Garg.  186;
der  auch  sonst  für  sich  erscheint:  uad  versuchen  alle  aptecken
  und  medicine  yn  denselben  Kölnische  Apothekerordnung
  v.  1478  (in  den  Annalen  des  bist.  Vereins  für
d.  Niederrhein  30,  308);  ebenso  die  Bed.  angehen,  ersuchen:
  so  ver  sie  dazu  gerufen,  versucht  und  gebeten
werden  ebd.  (S.  303);  —  gewöhnliche  Bed.  —  prüsen,
auf  die  Probe  stellen,  einen:  swer  iht  fremeder  zungen
von  den  bfllanden  Lunde,  der  versuochte  in  8s4  ze
stunde  Trist.  3696;  gern  in  der  Bibelspr.:  nach  dicsen
geschichten,  versuchte  golt  Abrabam  1.  Mos.  22,  1;
ward  versucht  von  dem  satan  Marc.  1,  13;  du  solt
gott  deinen  herrn  nicht  versuchen  Luc.  4,  12;  auch
jonst:  der  mensch  versuche  die  götter  nicht  Schiller
Taucher;  in  die  Bed.  des  Reizens,  Verführens  übergegangen:
  von  keincs  türsten  mahle  .  wurde  daun  mein
gaum  versucht  Bürger  Umarmung  (Lesart  von  1789,
später  geändert):  wenn  ihn  cin  schlussel,  der  so  glucklich
  paset,  versuchte  Schiller  5,109;  besonders  in  den
Formeln  versucht  seio,  sich  versucht  fuhlen:  er  wor
nur  zu  leicht  versucht,  in  ihnen  verräther  zu  schen
Häusser  d.  Gesch.  3,  82;  fuhlte  er  sich  naturlich  voch
weniger  versucht  zu  gehorchen  1,  271;  —  etwas  versuchen,
  sehen  ob  es  gelingt:  ich  wil  min  heil  versuochen
Alpharts  Tod  91;  seio  gluck,  seine  krälte,  einen  ausfall
  (Tieck  Octav.  325),  das  Huszerste  (Schiller  Räub.
2,  1),  letzte  vorsuchen,  kein  mittel  unversucht  lassen
(Ranke  Päpste  1,  256);  seine  kunst  an  einer  aufgabe
versuchen;  die  unsichtbarsten  schlingen  versucht  er
gegen  sie  Wieland  Musar.  3,  148;  versüchen  frey
ze  werdeo  Maaler;  noch  rersuch  iches,  sie  zu  retten
Schiller  M.  Stuart  3,  8;  Paul  III  mochte  versuchen
wolleo,  wie  weit  Contarini  es  bringe  Ranke  Päpste
1,  159;  in  Bezug  auf  Speisen  und  Getränke,  kosten:
versöchen,  kusten,  als  speisz  und  trank  Maaler;  einen
trunk  (Garg.  39),  den  wein  (104),  ein  gericht,  den
braten,  Wlr*r*r*s  versuchen;  ohne  Object:  die  limonade
ist  matt  .  versuche!  Schiller  Kab.  5,  7;  —  refl.  eich
versuchen  an,  io,  bei,  gegen  etwas;  (die  Feinde)  versuchten
  sich  und  wolten  daz  haus  auszgeprant  haben
D.  Städtechr.  2,  177;  versuchet  such  selbs,  ob  jr  im
or.  13,  5;  der  sich  was  rechtschaffenes

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