Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1900. (77)

428

deren  Annahme  wegen  vorgekommener  Beschädigung  vom  Empfänger  verweigert  wird,
sofern  die  Beschädigung  von  der  Postverwaltung  zu  vertreten  ist.

VI  Hat  der  Empfänger  die  Sendung  angenommen,  so  ist  er,  sofern  im  Vorstehenden
nicht  ein  Anderes  bestimmt  ist,  zur  Entrichtung  des  Portos  und  der  Gebühren  verpflichtet
und  kann  sich  davon  durch  spätere  Rückgabe  der  Sendung  nicht  befreien.  Nachforderungen
  an  Porto  für  Sendungen,  die  nach  ihrer  Aushändigung  an  den  Empfänger  als
unzureichend  frankirt  erkannt  werden,  hat  jedoch  der  Absender  zu  berichtigen,  wenn  der
Empfänger  die  Zahlung  ablehnt.

Die  Staatsbehörden  sind  befugt,  auch  nach  erfolgter  Annahme  und  Eröffnung  portopflichtiger
  Sendungen  zum  Zwecke  der  nachträglichen  Einziehung  des  Portos  vom  Absender
  die  Briefumschläge  an  die  Postanstalt  zurückzugeben  oder,  falls  es  sich  um  Packete
handelt,  sich  schriftlich  an  die  Postanstalt  zu  wenden.

VII  Sofern  in  der  Postordnung  keine  anderweitigen  Bestimmungen  getroffen  sind,
dürfen  die  Postanstalten  Briefe,  Scheine,  Sachen  2c.  an  die  Empfänger  erst  dann  aushändigen,
  wenn  die  Zahlung  der  Postgefälle  erfolgt  ist.

VIII  Eine  Stundung  von  Porto  findet  nur  statt  bei  den  Mitgliedern  des  Königlichen
  Hauses,  ferner  bei  den  fremden  Gesandtschaften,  dem  Geheimen-Rath  und  den
Ministerien,  sowie  bei  den  Mittelstellen  und  Kreisbehörden  des  Landes.  Andern  Staatsbehörden
  werden  auf  Verlangen  die  baar  oder  in  Postwerthzeichen  ausgelegten  Portobeträge
  bei  jeder  Aufgabe  oder  bei  jeder  Empfangnahme  in  ein  von  ihnen  zu  diesem  Zwecke
der  Postanstalt  vorgelegtes  Verzeichniß  in  einer  Summe  eingetragen.

S.  52.
Nachforderung  und  Erstattung  von  Postgebühren.

I  Nachforderungen  an  zu  wenig  bezahltem  Porto  rc.  ist  der  Absender  oder  Empfänger
nur  dann  zu  berichtigen  verbunden,  wenn  solche  innerhalb  eines  Jahres  nach  der  Aufgabe
  der  Sendung  angemeldet  werden.

II  Zu  viel  angesetzte  oder  erhobene  Portobeträge  oder  sonstige  Postgebühren  können
auf  Nachweis  von  der  Postanstalt  binnen  drei  Monaten  zurückgefordert  werden.