Full text: Bayerisches Realienbuch.

1789 
! — 102 — 
München zu vertauschen. Da er ohne erbberechtigte Nachkommen war, gewann 
ihn Kaiser Joseph II. leicht für seinen Plan, sämtliche Bayern unter einem Herrscher- 
hause zu vereinigen. Ohne Widerstand besetzten die Osterreicher Niederbayern und 
die Oberpfalz, denen später die übrigen Teile Kurbayerns folgen sollten. Der Ein- 
spruch der nächstberechtigten Vertreter der Linie Zweibrücken-Birkenfeld, die 
sich gegen die Schmälerung ihres zukünftigen Erbes verwahrten, blieb erfolglos. 
Da war es Friedrich der Große der kraftvoll und entschieden für die Erhaltung 
des bayerischen Staates eintrat, mit einem Heere in Böhmen eimückte und so den 
bayerischen Erbfolgekrieg (1778—1779) eröffnete. Dieser endigte nach einigen 
unbedeutenden Gefechten mit dem Frieden zu Teschen (in österreichisch Schlesien), 
durch den Bayern das Innviertel mit Braunau an Osterreich verlor. 
Auch mit dem Gedanken, Bayern gegen die österreichischen Niederlande zu 
vertauschen, hatte sich Karl Theodor getragen und ihn erst aufgegeben, als Friedrich 
der Große durch die Gründung des deutschen Fürstenbundes (1785) Joseph II. 
zur endgültigen Aufgabe seiner auf die Erwerbung Bayerns gerichteten Pläne zwang. 
Die Entfremdung zwischen dem bayerischen Volke und seinem Fürsten hatte 
sich von Jahr zu Jahr verstärkt. Aber obwohl sich der Kurfürst dem altbayerischen 
Volksstamme wenig geneigt zeigte, wirkte er doch in vielen Beziehungen förderlich 
für das Aufblühen der geerbten Lande. Die Bestrebungen Maximilians III., den 
Wohlstand des Volkes zu heben, setzte er erfolgreich fort: er ließ das Donaumoos 
teilweise entwässern, förderte den Kleebau sowie die Bienen- und Seidenzucht, 
sorgte für die Verbesserung der Verkehrswege und hob den Bergbau und das Salinen- 
wesen durch kluge Maßnahmen. In München legte er den Englischen Garten an, 
wobei ihm besonders der Amerikaner Graf von Rumford wirksam zur Seite stand. 
Auch Kunst und Wissenschaft fanden in ihm einen eifrigen Förderer und Gönner. 
XV. Die französische Revolutlon. 
1. Ursache der Nevolution. Im Jahre 1789 brach in Frankreich eine schreck- 
liche Revolution aus. Durch Verschwendung und endlose Kriege hatten nämlich 
Ludwig XIV. und Ludwig XV. das Land mit einer unerträglichen Schuldenlast 
beladen. Dazu kam noch, daß die vielen Millionen, die der Staat allsährlich nötig 
hatte, ganz allein von den Bürgern und Bauern aufgebracht werden mußten: 
denn der Adel und die Geistlichkeit, die gerade den größten Teil des Grund und 
Bodens inne hatten, waren von jeder Abgabe befreit. Aber damit noch nicht genug. 
Der Bauer hatte auch noch für den Adel die schwersten Frondienste zu leisten: für 
Brücken und Wege mußte er ihm allerorten Zoll zahlen, das Getreide durfte er nur 
in seiner Mühle mahlen, das Brot nur in seinem Ofen backen. Die Landleute lebten 
daher im größten Elend. Tausende nährten sich von Raub und Diebstahl; über eine 
Million trieb sich bettelnd im Lande umher. Dazu nahmen Roheit und Unsittlichkeit 
immer mehr zu, und der Glaube an Gott erschien den meisten wie ein albernes Märchen. 
2. Ausbruch. Unter Ludwig XVI. kam die Revolution zum Ausbruch. Er 
mußte büßen, was seine Vorgänger gesündigt hatten. Alle Not und alles Elend 
sollte er verschuldet haben. In Paris war die Aufregung fürchterlich. Bewaffnete 
Pöbelhaufen durchzogen Paris. Die Soldaten des Königs weigerten sich, auf die 
Aufrührer zu schießen, und schlossen mit ihnen Freundschaft. Jetzt brach der Aufruhr