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XVIII. Die deutschen Befrelungskämpfe.
1. Erhebung. Jetzt schien die Zeit gekommen, das Joch Frankreichs ab-
zuschütteln; das fühlte jeder. In Ostpreußen begann die Erhebung, die Stein
und VYork leiteten. Die Provinz, obwohl gänzlich verarmt, brachte das größte Opfer,
das je ein deutsches Land gebracht hat: sie rüstete auf eigene Kosten 30000 Mann
aus. Auch der König faßte Mut und erklärte, nachdem er sich mit Rußland ver-
bündet hatte, 1813 an Frankreich den Krieg. Am Tage darauf erließ er von Breslau
aus den Aufruf: „An mein Volk!“" und von allen Seiten strömte alt und jung,
reich und arm herbei, das Vaterland zu retten oder mit Ehren unterzugehen. „Das
Volk steht auf. Der Sturm bricht los.“ Die Studenten verließen die Lehrsäle, die
Gesellen die Werkstätten. Jünglinge, die kaum dem Knabenalter entwachsen waren,
und Männer, die sich bereits dem Greisenalter näherten, eilten zu den Waffen. Ein
Bauer brachte ein Pferd und sagte: „Fünf haben mir die Franzosen gestohlen, das
sechste will ich ihnen nachschicken.“ Der Freiherr von Lützow bildete zu Breslau eine
Freischar, die sich aus den vornehmsten Jünglingen zusammensetzte. Man nannte
sie „die Schar der Rache“. Ihre schwarze Uniform deutete die Trauer um das ge-
knechtete Vaterland an. Auch der Dichter Körner, der Sänger von „Lützows wilder,
verwegener Jagd“, gehörte ihr an. Wer kein Geld hatte, legte seine Schmucksachen auf
den Altar des Vaterlandes. So wurden 160 000 goldene Trauringe eingesandt.
Dafür erhielten die Geber eiserne mit der Inschrift: „Gold gab ich für Eisen 1813.“
Ein -junges, armes Mädchen, Ferdinande von Schmettau, ließ sich ihr schönes Haar ab-
schneiden und legte die 9 Mark, die sie dafür gelöst hatte, auf den Altar des Vaterlandes. Auch
die heldenmütige Eleonore Prohaska soll hier nicht vergessen sein, die in Männerkleidung unter
dem Namen August Renz unter die Lützowschen Jäger ging und in mutigem Kampfe ihr
Herzblut für das Vaterland vergoß.
2. Groß-Görschen und Bautzen. 1813. Bald rückte Napoleon mit einer großen
In der weiten Ebene von Leipzig kam es bei Groß-Görschen zur
Schlacht. Die Schlacht blieb unentschieden, aber die Russen beschlossen in der Nacht
den Rückzug. Leider wurde hier der edle Scharnhorst verwundet. Er starb einige
Wochen später zu Prag, wohin er sich hatte bringen lassen, um Osterreich zur Teil-
nahme an dem Kampfe zu bewegen. (Gedicht: Auf Scharnhorsts Tod, von Schenken-
dorf.) Noch einmal rangen die beiden Heere bei Bautzen miteinander. Napoleon
gewann ein mit Leichen besätes Schlachtfeld, aber den Sieg konnte sich auch hier
keine Partei zuschreiben.
weden traten nun dem Bunde gegen Napoleon bei.
E#wurden drei graße Armeen g IHDie Nordarmee unter dem Kronprinzen
Bernadotte von Schweden, 2. die schlesische Armee unter Blücher und 3. die
Lauptarmee unter Schwarzenberg in Böhmen.
3. Blücher war bei Beginn der Freiheitskämpfe bereits 70 Jahr alt, doch stand
er noch in voller Manneskraft, „ein Jüngling im weißen Haar“. „Mich juckt's in
allen Fingern, schreibt er 1813, „den Säbel zu ergreifen. Wenn wir jetzt nicht
Ehmsan enzeug mitsamt dem Bonaparte vom deutschen Boden vertilgen,
fo cheinfk fürr kein deutscher Mann dez dellscheft Nafnens wert zu sein.. Darum,
so sage ich: Marsch, auf und dem Feind in die Rippen.“
4. Groß-Veeren. Bald ging der Kampf von neuem los. Ein französisches Heer
marschierte gerade auf Berlin zu und war nur noch 15 km davon entfernt. Bei
Geschichte für Gaverssche Volks- und Mineelschulen. 8
1813
1813