Full text: Bayerisches Realienbuch.

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Eine besonders liebevolle Sorgfalt wandte Maximilian der Pflege der 
Wissenschaften zu. Viele hervorragende Gelehrte wurden an die Münchener 
Hochschulen berufen, und mit reichen Geldmitteln unterstützte der König ihre Arbeiten, 
so daß für Bayern eine Blüte wissenschaftlicher Tätigkeit begann. Mit glücklichstem 
Erfolge wirkten Liebig auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, Riehl auf dem 
der Kulturgeschichte, Ranke, Sybel und Giesebrecht auf dem der Geschichte. Zur 
Ausbildung besonders begabter und würdiger junger Leute gründete er das Maxi- 
milianeum. " 
So wurde Maximilians Regierungszeit auf allen Gebieten geistigen Lebens zu 
einer Quelle reichen Segens und bot in vielem eine glückliche Ergänzung zu dem, 
was sein Vater Ludwig l. erstrebt und geschaffen hatte. Und wie dieser, bewährte 
auch Maximilian II. in allem eine echt deutsche Gesinnung. Wie viele seiner 
Zeitgenossen glaubte er an eine Neugestaltung und Einigung des großen deutschen 
Vaterlandes mit Einschluß Osterreichs. Als im Jahre 1864 der Krieg gegen Dänemark 
eröffnet wurde, kehrte der schwer Erkrankte aus dem sonnigen Italien nach München 
zurück, wo ihn der Tod unerwartet schnell seinem trauernden Volke entriß. 
XX. Wendungen und Wandlungen im deutfschen llorden. 
In der Zeit, in der Bayern unter seinen ersten Königen einen glücklichen Auf- 
schwung nahm, vollzogen sich bedeutsame Wandlungen auch in dem Staate, der 
der wichtigste Träger deutscher Entwicklung werden solle: in Preußen. 
1. Verfassungsfrage. Während Bayern schon im Jahre 1818 eine freiheit- 
liche Verfassung erhalten hatte, die das Volk zur Teilnahme an der Gesetzgebung 
des Landes aufrief, regierten die Fürsten in den meisten europäischen Ländern auch 
weiterhin nach ihrem eigenen Willen. Sie gaben Gesetze und legten Steuern auf, 
ohne die Meinung des Volkes zu hören. (Unbeschränkte Monarchie.) Auch in Preußen 
war das der Fall. Nachdem aber das Volk in den Freiheitskriegen sein Blut für das 
Vaterland vergossen hatte, erhoffte es für sich auch eine größere Freiheit. Vor allem 
wünschte es, durch selbstgewählte Vertreter bei Beratung der Gesetze sowie bei Fest- 
stellung der Steuern seinen Willen zum Ausdruck zu bringen. (Beschränkte Monarchie.) 
Schon Friedrich Wilhelm III. hatte dem Volke die gewünschte Verfassung in Aus- 
sicht gestellt, aber nicht gegeben. Auch sein Sohn Friedrich Wilhelm IV. wollte 
anfangs von einer solchen nichts wissen, da er fürchtete, durch die Einrichtung einer 
Volksvertretung von seiner königlichen Macht zuviel einzubüßen. 
Im Februar 1818 war in Frankreich wiederum eine Revolution ausgebrochen. 
Man hatte den König verjagt und eine Republik errichtet. Die Nachricht davon 
zündete auch in Deutschland. Die Unzufriedenheit war auch hier überall groß. König 
Friedrich Wilhelm IV. erließ am 18. März eine Bekanntmachung, worin er dem 
Volke eine freiheitliche Verfassung versprach. Als er am Nachmittage vom Balkon 
des Schlosses herab selbst seinen Entschluß verkündete, da schwenkte das Volk auf dem 
Schloßplatze die Hüte und rief ihm brausende Hurras entgegen. Während dann 
aber das Militär die zu weit Vordringenden zurückhalten wollte, fielen plötzlich 
zwei Schüsse. Niemand wußte, woher sie gekommen waren. Es war auch keiner 
getroffen worden. „Wir sind verraten!“" schrie das Volk und griff zu den Waffen. 
In wenigen Stunden waren alle Straßen durch Barrikaden gesperrt und Häuser