Full text : Rosenheimer Anzeiger. 64. Jahrngang (64)

Aummer  224

Eosenhelmer  Anzelger.

Samstag,  28.  September  1918

 

Munchener  Neuigkeiken.
•  KMülnchen.  27.  September.
Die  Einführung  einer  Fremdenabgabe
  in  München  haben  heute  im  Gemeindekollegium

  die  Hanobesitzervertreter  Dr.  Strauß

und  Humar  beantragt.

.  Der  ftri  Zwangsarbeit  für  Arbeitsscheue,
  die  dae  stellv.  Ge-  leralkommando  angeordiet
  hat,  mußten  sich  in  Münche!  bisher  26
Maöänner,  meist  vorbestrafte,  heeresunwürdige
Wersonen.  unterzichen.  Sie  wurden  in  das  Arbeitslager
  Willenbach  bei  Weilheim  zur  Verrichtung
  von  Kulturarbeilen  gebracht.

—2—

4  Aus  dem  Jachthause  Straubing  ist
der  26jährige  Hausbursche  Anton  Schweyer  aus
Kitzingen,  der  wegen  Sittlichkeitsverbrechens  zu

 

 

5  Jahren  Zuchthaus  verurteilt  worden  war,
entsprungen.  *.
s  carkcniketcHochmtsnscr.kte

Nummer-Volkmeltct«111-:sC1-di1!g.C-E11ccttvas5
gistgcthohnltchc  Hoch:eits  zfeier  fand  vor  lurzem
hier  statt.  Während  die  Trauung  und  das  Lochitsmahl
  in  Erding  stattfand,  ward  die  Abendunterhaltung
  aufs  Land  verlegt,  in  ein  Gasthaus
  in  Brehen.  Und  recht  fidel  ist  es  dort  zuegangen,
  bis  früh  4  Uhr  huldigten  etwa  ido
gare  dem  Tanze.  Für  Bewirtung  der  Gäste
War  bestens  Sorge  getragen.  Kalbshaxen,  -Braten,
  Wurst,  dau  weißes  Brot  und  ähnlicze  Raritäten
  wurden  in  jeder  gewünschten  Quantilätt
bis  in  die  frühesten  Morgenstunden  hinein  völlig
markenfrei  verabfolgt.
Niedergebrannte  Pfarrkirche.  Nachts
ist  die  Pfarrkirche  von  Neufang  (Franlenwald)
und  zahlreiche  Nebengebände  abgebrannt.

Ba#erisches  Iberlaind.

Kiefersfelden,  26.  9.  Der  Rückgang
der  Schweinepreise  im  benachbarten  Tirol
hält  an;  es  fielen  auch  auf  dem  letzten  Wochenschweinemarkt
  in  Innebruck  die  Preise  für  Sauger
  und  Fresser  um  ein  Bedeutendes.  Oie  Nachfrage
  war  schwach  und  viele  Stücke  blieben  unverlauft.
  Immerhin  werden  für  vier  bis  fünf
Wochen  alte  Sauger  noch  100  bis  200  Kronen
verlangt.

Hrien,  25.  9.  Brandsall.  Heute  früh
Hrach  in  der  Holsschupse  der  Villa  des  Herrn
Dr.  Kolislo  bei  Schafwaschen,  in  welcher  außer
dem  Brennmaterial  auch  3  Fahrräder  enthalten
waren,  auf  unaufgellärte  Weise  Feuer  aus  und
Sscherte  dieselbe  vollftändig  ein.

Bad  Aibling,  26.9.  Orgelweihe.  Anläßlich
  der  Einmeihung  der  neuerbauten  Orgel
Ii  der  prot.  Kirche  findet  am  29.  Sept.  nachm.
4  Uhr  daselb't  ein  Orgellonzert  statt.  Mitwirlepde:
  Herr  Universitälsmusiüdirektor  Professor
Schmirtt  Erlacgen  (Orgel,  rl.  Luise  Wimmelbacher-M
  üuchen  (Mezosopran),  Herr  Lehrer
Gehwald-  Aibling  (Violine).  Die  Orgel  ist  von
der  Firma  G.  Fr.  Steinmeyer-Oettingen  mit
11  Ulingenden  Stimmen  erbaut.

"  Holzkirchen,  26.  9.  Mislungener
Viehdieb  #stahl.  Jn  der  Nacht  zum  Misttwoch
sprengten  Diebe  eine  in  die  Stallung  des  Oeko-Nomen
  Raufer  von  hier  fülmende  Türe  und  versuchten
  eine  Kälberkuh  ab-  wlassen.  Vermutlich
kwurde  jedoch  das  Tier  unrubig.  Ji##wischen  war
auch  die  Dirn  von  dem  H#ereus-  erwacht  und
aufgestanden.  Die  Diebe  mußten  unverrichteter
Dinge  wieder  ab:  ehen.

muhldorf,  26.  9.  Die  Wassersorgen
der  Marstgelkeinde  veruallan  Massing  veranlaßte-
  dieselle,  einmal  den  Versuck  mit  der  Wünschelrute
  zu  machen.  Der  bekannte  Nutengänger
(Otto  Edler  von  Gräv=  aus-  (bernrode  in  Südha#mover
  nahm  auf  dem  Südabhange  der  Nolt
*  Gegenwart  vieler  Neugieriger  ein  ꝛe  Suche  nach
unterirdischen  Waserläuien  mit  einer  stählernen
Wönschekrute  vor.  Schon  nach  wenigen  Minuten
entdeckte  man  mittele  der  Experimente  drei  unterirdische,
  parallel  laufende  Ströme  von  20  Meter
  Breite  in  einer  Enifernung  von  47  bis  51
(Metern.  Die  (emeinde  Massing  beabsichtigt
in  Bälde  an  die  Nugbarmachung  de;  gefundenen
Wassers  zu  gehen.

 

kotalnacrichten.

*  Rosenheim,  27.  September.
Opfertage  in  Rosenheim  für  die
Kolonial!  Qieger  Spende.
„Schon  wieder  ein  Opfertag!“  ward  viel-Landsleute
  im  fernen  Afrila,  die  zum  Teil  volle
4  Jahre  heldenmütigen  Widerstand  leisleten  gegen
  eine  mehr  als  10jache  Uebermacht,  an  jenes
  kleine  Häuftein  deutscher  Löwen,  die  unter
der  Führung  des  ebenso  genialen  wie  tapferen
Generals  von  Lettow-Vorbeck  sogar  die  e
wunderung  der  haßerfüllten  französischen  und
englischen  Presse  heraussorderlen,  an  jene  armen
Menschen,  die,  abgeschnitten  vom  Mutterlande,
unseren  Feinden  wehrlos  preisgegeben,  wahre
Höllenqualen  zu  erdulben  hatten.
Und  wir,  die  wir  am  geschützten  Herde  sitzen,

 

haben  bis  heute  nicht  daran  gedacht,  unseien
schwergeprüften  an  Leib  und  Seele  gebrochenen

Landsleuten  zu  he  lfen,  wo  staatliche  Fürsorge
ausreichen  kann!

Ehrenpflicht  set  es  uns,  das  Versäumte
  nachzuholen  und  rder  Kolonialkriegerspende,
  deren  Opfertage
in  Rosenheim  am  6.  und  7.  Oktober

stattfinden,  zu  einem  glänzenden  Ersolge
  zu  verhelfen!

"“
Auszeichnungenim  Felde.  Utffz.  Josef

Schwar#,  ausgezeichnet  mit  dem  Eisernen  Kreuz
2.  Kl.  und  dem  Militärverdienstorden,  erhielt
für  besonders  schneidiges  Drausgehen  bei  hartem
Stumm  die  Ehrenurkunde.  Er  ist  ein  Sohn  des
Heizers  Schwarz  in  Rosenheim.

In  Anerkennung  besonderer  Verdienste
  um  die  Werbetätigleit  für
die  Kriegsanleihen  erhielten  in  Rosenheim
das  Preußische  Verdienstkreuz  für  Kriegshilfe
die  Herren  Bergmann  Heinrich,  Schriftleiter  des
Wendelstein,  Herrmann  Timothens,  Sparlassa-Kassier,
  Jakob  Anton,  K.  Studienrat  u.  Realschulrektor,
  Wander  Adam,  Rechtsrat.  Die  gleiche
  Auszeichnung  wurde  ferner  rerliehen  den
Herren  Fabrildirektor  Otto  Pousar  in  Redenselden
  und  Georg  Breu,  Volksschullehrer  in  Höhenmoos,
  in  Anerlem#ung  ihrer  besonderen  Verdienste
  um  die  Werbetätigleit  für  die  Kriegsanleihen.


Der  Winterfahrplan  auf  den  bayer.

Staatseisenbahnen  tritt  in  der  Nacht  vom  Montag
  den  80.  September  auf  Dienstag  den  1.
Oktober  1918  in  Kraft.  Von  diesem  Zeitpunkt
  an  verlehren  alle  Züge  nach  dem  neuen
Fahrplan.
DObstverkauf.  un  seiner  heutigen  Bekanntmachung
  kündigt  der  Kommunalverband  Nosenheini-
  Sladt  einen  großen  Obitverlauf  an.  Neben
einer  größeren  Menge  Pllückobt  Birnenu  und
Aepfel  lommt  auch  billi  iges  Wirtschaftsobil  zur
Abgab  e.

Tier  Puruigzausschub  der  freie

Gewerlschafte  Rosenheime  hat  einen
erstllassigen  Ne  zitator,  Herrn  Vogelmann-Vollrath,
  für  Vorträge  gewomen.  In  den  kommenden
  Herbst=  und  Wintermonaten  finden  Rczitalionsabende
  mit  reichhaltiger  Vortragefolge
statt.  Näheres  wird  durch  Inserate  noch  belanntgegeben,
  jedoch  sei  auf  die  Viloungsvorträge
heute  schon  aufmerksam  gemacht.  Jedermann  iit
heute  schon  freundlicht  eingeladen.
*.  Die  baperische  Getreideernte  ist
größtenteils  beendet  und  nach  Versicherung  von
e  uständiger  landmnictschaftlicher  Versicherung  gut
geborgen.  Größere  Ernteverluste  sind  trotz  des
[Arbeitermangels  niee  gemeldet  worden.

2
4Mietpreissteigerungen  und  Woh-"
  nungskündigungen.

Zum  1.  Oktober  wird  es  voraussichtlich  wieder
Cahlreiche  Mietpreissteigerungen  und  Wohnungskündigungen
  geben,  wodurch  in  vielen  Familien
Aerger  und  Aufregung  hervorgerufen  werden
wmird.  Ein  großer  Teil  dieses  Aergers  und  dieser
  Aufregung  könnte  vermieden  werden,  wem
ldie  zum  Schutze  der  Mieter  bestehenden  Vorschriften
  mehr  belannt  wären  und  genauer  beachtet
würden.  Jeder  Mieter  sollte  wissen,  daß  jede
Kündigung,  aus  welchem  Grunde  sie  auch  erfolgt
ist,  vom  Mieteinigungsamt  für  unwirksam
  erklärt  werden  lann.  Kein  Mieter  lann  also
whne  weiteres  aus  der  Wohnung  entfernt  werden,
  wenn  er  von  den  um  Schutze  der  Mieter  erlassenen
  Vorschriften  Gebrauch  macht.  Der  Mieter
  hat  es  in  der  Hand,  in  jedem  Kündigungsfalie
  die  Enscheidung  des  Mieteinigungsamtes
Giminru#en.  In  Gemeinden,  in  denen  ein  geme'ndliches
  Mieteinigungsamt  nicht  esteht,  vertrit
das  zustärdige  Amtzgericht  die  Stelle  des  Mietseinigungsamtes.
  Die  Amtegerichte  haben  hierbei
  sicht  dach  ktreugen  Rechtsgrundsätzen,  sondern
ebenso  wie  die  Mieteinigungsämter  nach  bill  gem

Ermesse“n  zu  entscheiden.  Jeder  Mieter  kann  hie-Nach
  die  berni  zude  Gewißheit  haben,  daß  er  gegen
  eine  il#  zugehende  Wohnungskündigung
unter  allen  Ums  ständen  eine  nach  billigem  Ermesse
  entscheidende  Stelle  Mieteinigungsamt
oder  Amtegericht  —  atkmcn  kann,  und  diese
Stelle  wird  bei  dem  großen  Wohnungsmangel
im  allgemeinen  woh!  nur  in  besonderen  Fällen
eine  Kündigung  für  wirlsam  erllären.  Rechteeilig
allerdi#ugs  muß  die  Anrufung  des  Micteinigungsamtes
  oder  Amtegerichtes  erfolgen,  und
das  ist  der  Pu#lt,  der  besondere  Beachtung  verdient.
  Das  Mieteinigungsamt,  oder  das  an  des
*§6W4  Stelie  uständige  Amtsgericht  muß  stets  un-Herzügiich,
  nachrem  die  RKündigung  dem
lieter  zugega  igen  it,  angerufen  werden.  Der
Mieter  darf  also.  menn  ihm  gekündigt  worden  ist,
sich  nicht  erst  tagelang  bemühen,  eine  andere
[Wohrnung  zu  finden  und  dann  erst  das  Mieteinian##gsamt
  anrufen,  sondern  er  muß  dies  ohne
schuldhafte  Verzögerung  alrbald  nach  Empfang
der  Kürdigung  kun.  Gleichzeitig  lann  er  dann
begimen,  eine  andere  Wohnung  ausfindig  zu
mache#n,  damit  er,  wenn  die  Sache  beim  Mieteinigungeamt
  zZur  Verhandlung  kommt,  weiß,
leicht  bei  vielen  der  erste  Gedanke,  als  sie  vor
lurzem  von  der  für  das  ganze  Deutsche  Neich
genehmigten  Sammlung  zu  Gunsten  der  Kol.=niallrieger.
  Spende  lasen.  Gleichzeitg  aber  wird
in  jedem  die  Erimerung  wach  geworden  sein
an  die  übermenschlichen  Leistungen  unserer
pb  eine  Ersatzwohnung  zur  Verfügung  steht  oder

icht.

Bei  Mietpreissteigerungen  muß  der
(Mieter  sich  bewußt  sei#,  daß  eine  Mietpreisstei-Verung
  noch  keine  Kündigung  ist,  daß  aber  nur
auf  Grund  vorliegender  Kündigung  das  Mieteinigungsamt
  angerufen  werden  kann.  Hält  der
Mieter  eine  ihm  angesomene  Mietpreiserhöhung
für  unbegründet  oder  Übertrieben,  so  bleibt  ihm,
wenn  der  Hausbesitzer  auf  Gegenvorschläge  nicht

 

eingeht,  nichte  anderes  übrig,  als  den  Hausbesiher
  durch  Ablehmung  der  Mietpreisechöhung
lur  Kündigung  zu  nötigen,  damit  die  Antufung
des  Mietei-  nuigungsamtes  möglich  wird.  Lügt  eine
Kündigung  vor,  dann  heißt  es  unverzüglich  das
Mietei-  eigungsamt  oder  das  zurftändige  Amtsgericht
  ammrusen  mit  dem  Antrage,  die  Kündigung
  für  unwirlsam  zu  erklären.  Hierbei  kann
gegebe-enfalls  die  Bereitwilligkeit  erklärt  werde'n
  eine  gewisse  Erhöhung  des  Mietpteijes  antzunehmen.
  Das  Mieteinigungsamt  kann  dann,
wenn  es  die  Kündigung  für  unwmirksam  erllärt,
den  bioherigen  Mietpreis  belassen,  oder  eine  Er.
höhung  nach  seinem  Ermessen  sestsetzen.

Ist  die  Kriegeanleihe  ein  sicheres
Wertpapier?

So  oder  ähnlich  lauten  häusig  die  Fragen  derienigen,
  welche  Kriegsanleihe  belben  oder  solche
zeichnen  möchten.  —  Darauf  ist  folgendes  zu
erwidern:  Die  hervorrahradsten  Aktivpesten  jeder
  Vollewirtschaft  sind  Landwirtschaft  und  Industrie.
  Deutschland  hat,  obmohl  mehr  und  mehr
Industrieslaat  geworden,  seine  Landurttschaft
nicht  vernachlässigt,  sondern  ihre  Erträguise  verdoppelt.
  Die  Spareinlagen  haben  sih  seit
Kriegsausbruch  bis  zum  Jahre  1918  um  441
(Milliarden  erhöht.  Bis  zum  heuligen  Tage  sind
gegenüber  dem  gleichen  Tage  der  8.  Kriegsanleihe
  für  die  derzeitige  Kriegsanleihe  bereits  um
über  1  Milliarde  mehr  gebunden.

Englande  Hosfnung  ging  dahin,  Deutshlands
Mangel  an  Stidstoff  eu  seiner  Niedelwerfung
ubenützen;  die  Hosfnung  schien  begründet,  denn
Etickstoff  ist  für  die  Munitionserzeugung  und
für  die  Landwirtschaft  unentbehrlich.  Eugland
hat  sich  aber  auch  bierin  verrechnet.  Dank  Deutschlands
  Chemikern  ist  unser  Bedarf  an  Stidchtoff
vollständig  gedeckt,  ia,  wir  werden  nach  dem
Kriege  sogar  in  der  Lage  sein,  große  Nengen
von  Stickilossdünger  auszuführen.

*  Ein  weiterer  Posten  zu  unseren  Gunstenist  unser
  Kalimonopol;  auch  hier  haben  wir  die  Gewißheit
  der  Auefuhr.  Nach  Auffassung  mierrichleler
  Kreise  ist  der  uns  angedrohle  Wirlshaftszrieg
  nach  dem  Kriege  nichts  als  ein  „Auff“,
berechnet,  auf  die  Verven  der  deutschen  Jetungsleser
  zu  wirken.  Selbit  Amerila  rückt  #  dieser
Frage  von  England  ab,  um  nicht  die  deutsche
Vollswirtschaft,  einen  seiner  früheren  besten  Kunden
  für  die  Zulunft  zu  verlieren.

(Bald  nach  Kriegsende  werden  wir  Uebesschüsse
für  die  Ausfuhr  besitzen;  diese  bedeuten  für  uns
(Jahlungemittel,  die  viel  wertvoller  sind  al  Geld
se  sein  könnte.  —  Das  deutsche  Nationabermögen
  beträgt  375  Milliarden  Mark,  dos  fährliche
Volkseinkommen  44  Milliarden  .
.Ueskkscqsanlcthetnncn  melden  stets  in  gleicher
  Höhe  aufrechterhalten  bleiben.  Inr  ürhung
  oder  Beseitigung  kommt  nie  in  Frage,  zunäch't
  schon  deswegen,  weil  Deutschlands  Welt-(redit
  dadurch  für  immer  untergraben  wör.  Das
Heich,  und  damit  jeder  Bundesfstaat,  und  jede  Gesreinde
  !o  haftet  für  die  Sicherheit  der  Kiiegsaneihen.
  Dae  deutsche  Volk,  das  sich  in  diesen  Behörden
  verkörpert,  wird  nie  zugeben,  dab  gerade
diejenigen  seiner  Glieder,  welche  ihm  in  seinen
Ehwersten  Zeiten  beisprangen  und  ihm  ihr  Verzuögen
  anvertrauten  zu  Schaden  kommen!  —
Aus  diesem  Grunde  kann  mit  Fug  und  Recht  behauptet
  werden:

Die  Kriegsanleihe  in  und  bleibt
die  sicherste  Kapitalsanlage!

Musik  und  Theater.
Bunter  Abend.

*  Um  es  gleich  vorweg  zu  sagen:  Der  gestern  im
(Deutschen  Kaiser  von  einem  Zirkel  hiesiger  Herren
  unter  Bei-  iehung.  einiger  Münchener  Kunst-Präfte
  veranftaltete  Bunte  Abend  zu  Gunsten
Rosesheimer  Krieger  im  Felde  war  im  kescheidenen
  Kunstleben  unserer  Provinzstadt  ein  Ereignis,
  das  ein  Gegenttück  bisher  nicht  aufuweisen
  haben  dürfte.  Schon  der  äußere  #ahmen
war  ein  außergewöhmicher.  Die  Bühne  hatte
sich  in  ein  orientalisches  Gemach  verwandelt.
Prächlige  Wandteppiche,  einige  Möbelstüce  und
ein  stimmungschaffender  Beleulchtungskörper  gaben
  dem  Raume  jenen  Reiz,  dessen  eine  inaime
Kunstgattung  als  Folie  unbedingt  bedars.  Auf
diesem  Schauplatze  wickelte  sich  in  mehr  als  3stũndiger
  Dauer  eine  Vortragsfolge  ab,  die  somohl
duantitativ  als  qualitativ  überreich  bemessen  war.
In  Herrn  Cubasch-Rosenheim  besizt  das
Künstlervöltchen  einen  Tausendsassa,  um  den  es
iede  ernsthafte  Kleinkunstbühne  beneiden  könnte.
Der  richtige  Brettl-Matador!  Er  sagt  an  rezitiert,
  pfeift,  Jingt,  ist  sein  eigener  Begleikr  am
Flügel  und  Interpret  eigener  Kompositiou#n  und
Dichtungen.  Dabei  ist  er  keineswegs  mil  dem
Fluch  des  Alles-Kö-mers  belaftet.  Tragische,  saiprische
  und  humoristische  Saiten  schlägt  er  mit
gleicher  Selbstverständlichkeit  und  mit  derelben
serliicheren  Wirksamkeit  en.  Herr  Cubasch  war
unbestritten  der  Löwe  des  gestrigen  AMends.
Frau  Irma  Heuberger-Sadler  peelte
vine  i  Paraphrase  sowie  die  Tänze  von  Orieg,
[Moskowsky,  ubert  und  Strauß  mit  spielerischer
  Ueberwindung  der  söhänsten  hochischrn.
Schwierigkeite,  inde  unter  plastische  orhebung
  des  gedanklichen  Inhalts.  Von  Marnbeseelt,
  mit  dunkel  gefärbtem,  sattem  Nezzosopran
  sang  eine  junge  Münchnerht  Frl.  Eliso
H.  May,  Lieder  vo#n#  Hugo  Wolf  und  Bahme.
Die  Dame  verfügt  über  ein  prächtig  ausgeglichenes
  a#zan,  lohe  eine  hochstehende  Gesangskultur
  und  trägt  h  und  stllgerecht
vor.  Ihr  gestriger  Erfolg  dürfte  sie  zu  babigem

 

 

(Wiederkommen  ermutigt  haben.  Die  dritte
Munchnerin  im  Bunde,  Fräulein  Franz  s
Mesz,  reproduzierte  moderne  Tänze.

kigenartigen  und  feinen  Darbietungen  hatten  (8
Rosenheim  vor  allem  den  Reit  der  Neuheit.  Die
Runft  der  Dame  ilt  auf  die  lichten  Offenbarun
en  einer  Grete  Wiesenthal  eingestellt:  höchste
ebensfreude,  gepaart  mit  Anmut  und  rhyth.
#nischer  Leichtflüssigkeit!  Dramatlische  Ak#ente  wie
die  grüblerischen  Piecen  eines  Grieg  u.  die  rassige
Simlichkeit  und  Leidenschaft  Moelowskys  lie-Gen
  ihr  nicht  so  sehr  als  die  elfenhafte  Nomantik
eines  Schubert  und  die  prickelnde  Lebensfreubigkeit
  Strauß!  So  war  denn  auch  die  Wiederabe
  des  Fledermaus-Waleers#  gleichsam  eine
Prffonkfäatton  I0  elnder  Lebensäußerung.  Frl.
Franzes  Metz  hat  hier  einen  sehr  flarten  Erfolg
errungen.  Herr  Konzertmeister  Stier-Rosenheim
  geigte  ewei  Eigenkompositionen,  die
ebenso  wie  sein  sauberes  Spiel  manch  hübsche
Einzelheiten  enthielten.  Zu  unserer  Freude  sahen
wir  den  beliebten  „einheimischen“  Pianisten
Tants  wieder  am  Flügel  erscheiren.  Hr.  „Tauts
spielte  u.  a.  auch  die  Schlußszene  aus  Tristan
von  Liset,  die  neben  wuchtigem  dramatischem
Aufbon  lurische  Momente  enthält.  Mit  warmen
Impulsen  führte  er  wieder  sein  anfehnliches  lech.
üsches  Können  ins  Tressen.  Vielleicht  erleben
wir  demnächst  einen  eigenen  Klavierabend  dieses
trefflichen  Künstlers,  in  m  er  die  ganze
umsangreiche  Slala  seines  Kömens  ofsseubart.
  Herr  Architekt  Krouberger
las  eine  seiner  gemütvollen  steyrischen  G'  schichtin.
Beon  Herrn  ZJacharias  bekam  man  Linige
[Lieder  ur  Laute  zu  hören,  von  denen  „Toten
tanz“  mit  der  gaut  charakteristischen  Vegleitung
am  meitsten  angesprochen  haben  dürfte.  Ein
weicher,  biegsamer  Barito#  wurde  durch  ziemliche
Fertigkeit  auf  dem  schönen  Instrument  unter
stützt.  Im  zweiten  Teil  des  Abends  vereinigte
sich  schließlich  Herr  Jacharias  mit  den  Herren
Staude  maier  und  (Herhard  inger  zu
viel  beklatschten  humoristischen  Gesängen.

Wie  gesagt,  ein  Abend,  an  dem  cs  aus  dem
Aberreiche  Repertoire  der  zahlreichen  Mitwir.
kenden  nur  so  perlte  und  quoli.  Der  erste  gelungene
  Versuch  dürfte  zu  der  Darbietung  wei
terer  Bunter  Abende  ermutigt  haben.  H.  M.

Lebte  RNachrichien.

—*“  Beeresbericht.

roßes  Hauptquartier,  den
ee  Amtl.

Westlicher  Kriegsschauplatz.

In  der  Champagne,  zwischen  den  Höhen  weit
lich  der  Znippe  und  der  Aisne  sowie  rdlich  von
Verdun  zwischen  den  Argonnen  und  der  Mose
haben  Franzosen  und  Amerikaner  geste:  n  mil
starlen  Angriffen  begonnen.  Der  Ar
tillerielampf  dehnte  sich  über  de  Höhen  öftlich
der  Suippe,  nach  Westen  bis  Reims,  nach  Oste:
bis  zur  Mosel  aus.  Dort  folgten  nur  Teilan
griffe.  Sie  wurden  nach  heftigen  Kämpsen  ab,
gewiesen.  Bei  ihrer  Abuehr  östlich  der  Maas
zeichneten  sich  auch  österr.-ungar.  Truppen  aus.
An  den  Hauptangriffsfronten  leitete  Cewaliiges
Urtilerielaner  die  Infanterteschlacht  ein.  Weitlich
  der  Aisne  brach  der  Franzose,  östlich  von
den  Argonnen  der  Anmerikaner  unter  Einsatz
zahlreicher  Panzerwagen  gegen  unsere  Stellungen
vor.  Befehlsgemäß  wichen  unsere  Vorposten  auf
die  ihnen  zugewiesenen  Verleidigungolinien  aue.

ei  Tahure  und  Ripont  gelang  es  dem  Ge).
ner  in  seinen  bis  zum  Abend  forl9gesezten  An
griffen  über  unsere  vordere  Kampflinie  hinaus
bis  auf  die  Höhen  nordwestsich  von  Tahure
und  bis  La  Fontaine  en  Dormois  vorzudringen.
Hier  riegelten  Reserven  den  örtlichen  Einbruch
des  Feindes  ab.  Mit  besonderer  Stärke  führte
er  seine  Angriffe  gegen  unsere  Stellungen  zwi
schen  Auberive  und  südöstlich  von  Sommoe  pu  ¾1
Sie  brachen  vor  unseren  Kampflinien  unteschwersten
  Verlusten  für  den  Feind  zusammen.
Auch  nördlich  von  Cernay  scheiterten  die  bio
zum  Abend  mehrfach  wiederholten  seindlichen
Angrifie.

In  den  Argonnen  schlugen  wir  Teilangrifse
  des  Gegners  ab.  Zwischen  den  Argonnen
und  der  Maas  stieß  der  Feind  über  umere  vordere
  Kampflinie  hinaus  bis  Montblainville,
Montfancon  und  bis  an  den  Maasbogen  nordöstlich
  von  Monlsaucon  vor.  Hier  brachten  ihn
unsere  Reserven  zum  Stehen.  Der  Feind  konnte
  somit  an  einzelnen  Steilen  unsere  Insanterie
und  vorderen  Artillerielinien  erreichen.  Der  mit
weitgesteckten  Zielen  unternommene

große  französisch-amerikanische

Durchbruchs  versuch
ist  am  n###  Schlachttag  an  der  Zähigleit  unserer
  Truppen  gescheiter  t.  Neue  Kämpfe

stehen  bevor.
Ludendorff.

 

 

 

 

 

WTB
27.  9.

 

Erst  die  Tat  zelgt  den  Wertl
Deine  Lat  selt  die  Nenutott