Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

905.  1611  103

lassen,  dass,  wenn  Haunnewald  dahin  käme,  keine  Kontribution  bewilligt  August  2.
werden  würde;  auch  wird  der  Kaiser  ohne  Donauwörths  Restitution  zu  A
keinem  Reichstag  kommen.  Ebenso  die  andern  Städte.  Pfalz  vergleicht  “?
sich  mit  den  vorigen  Voten  und  sagt  zu,  die  Uebersiedlung  des  Kaisers  ins
Reich  nach  Kräften  zu  verhindern,  da  dadurch  nur  Zerrüttung  entstehen
und  die  päpstlichen  Nuntien  sich  in  Reich  einnisten  würden;  käme  kein
Vergleich  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  König  zu  stande,  so  würde  auch
noch  ‚„‚sedes  belli“  ins  Reich  kommen.  Die  Reassumtion  des  Reichstags
wird  schon  wegen  des  seither  erfolgten  Ablebens  von  drei  Kurfürsten
nicht  verlangt  werden;  bei  der  Neuausschreibung  sollen  die  Anregungen
wegen  der  Gravamina,  wegen  des  Justizpunkts  und  wegen  Donauwörth
in  Acht  genommen  werden.  —  Man  möge  aber  Mittel  nennen,  wie
beim  Kurfürstentag  wegen  der  Translation  der  Residenz  und  wegen
des  Reichstags  Rat  geschafft  werden  köunte.

Nach  zwei  weiteren  Umfragen  beschliesst  man,  die  vorigen  Vota  in
einen  Abschied  zu  bringen,  ibn  Kurbrandenburg  zu  überschicken  und  den
Kurfürsten  dabei  zu  ersuchen,  deshalb  auch  mit  Kursachsen  zu  kommunizieren;
  auch  Kurmainz  soll  man  informieren.  Von  der  Translation  der
Residenz  soll  man  den  Kaiser  durch  eine  Mittelsperson  abmahnen.  Die
von  Oettingen  vorgeschlagene  Schickung  an  die  Kurfürsten  oder  ein
Schreiben  an  diese  wird  unratsam  befunden.  Im  den  erwähnten  Abschied
ist  auch  aufzunehmen,  dass  bei  einem  neuen  Reichstag  vor  Abschaffung
der  Gravamina  keine  Antizipation  oder  Kontribution  bewilligt  werden
soll.  —  Anhalt  regt  dabei  an,  vor  einem  neuen  Reichstag  einen
Unionstag  zu  halten  und  auch  Sachsen  dazu  zu  beschreiben.

Nachmittagssitzung.  Vermehrung  der  Union.  Der  Punkt
wegen  Aufnahme  fremder  Potentaten  soll  bis  zu  Württembergs  Ankunft
  verschoben  werden.  Baden  wünscht  ein  „Generalverständnis‘
der  ganzen  Christenheit,  um  des  Papstes  Praktiken  zu  hindern;  da
die  Nuntien  und  die  spanischen  Gesandten  allenthalben  praktizieren,
so  sind  Agenten  der  Union  in  Venedig  und  Frankreich  nötig  ;  ebenso
regt  Baden  eine  Korrespondenz  mit  Erzherzog  Maximilian  an.  Anhalt
erinnert  an  den  Einspruch  der  Städte.  —  Allgemein  wird  Verhandlung
mit  Kursachsen  und  denen  „drinuen  Landes“  empfohlen,  was  Kurbrandenburg
  auf  sich  nehmen  soll;  mit  den  Hansestädten  soll  nochmals
  verhandelt  werden,  ıit  den  Schweizern  soll  man  korrespondieren,
desgleichen  mit  Eızherzog  Maximilian.  Neu  eintretende  Stände  wie
Giengın  und  Aalen  sollen  je  nach  Vermögen  einen  Teil  der  bisherigen
Kontribution  nachzahlen.

-—  mn  —--._——

'  [St  Pr.)  4.  August:  Die  Deputierten  zum  Rechnungswesen  berichten
den  Städten,  «lass  alle  Rechnungen  mit  (len  Kosten  des  elsässer  Zugs  erfüllt
seien.  Man  beschliesst  darauf  im  Städteorat,  die  Rechnungen  nur  mit  der
schriftlich  zu  übergebenden  Verwahrung  anzuhören,  dass  dadurch  der  Haltung
der  Städte  gegen  diese  Posten  nicht  praejudliziert  werden  solle;  es  erscheinen  darin
Posten  für  spanisches  Wachs,  Schneidmesser,  Säcke;  alle  Soldmonate  siod  in
unveränderter  Höhe  angesetzt,  als  wäre  im  Elsass  nie  ein  Soldat  oder  Reiter