Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

90  Schlacht  bei  Beaumont.

Posten  auszustellen.  Ja  sogar  als  die  Patrouille,  welche  dem  preußischen
  Hauptmann  begegnete,  ins  Lager  reitet  und  ihre  Meldung  macht,
ignorirt  man  sie  vollständig  und  ist  so  entsetzlich  gewissenlos,  daß  man
nicht  einmal  die  Gefahr  prüft.

Der  preußische  Hauptmann  zieht  sich  indeß  vorsichtig  zurück  und
berichtet,  was  er  gesehen.  Sofort  fährt  preußische  Artillerie  auf  und
eröffnet  ihr  Feuer,  und  die  preußischen  Granaten  setzen  das  feindliche
Lager  in  die  furchtbarste  Verwirrung.  Unter  schweren  Verlusten  geht
das  Korps  de  Failly  in  wilder  Flucht  zurück,  das  ganze  Lager  mit
seinen  äußerst  werthvollen  Einrichtungen  und  Vorräthen  wird  eine
Beute  der  Preußen.  So  benahm  sich  in  Frankreichs  schlimmster
Stunde  der  General  de  Failly,  der  Günstling  der  Kaiserin  Eugenie.

Das  6.  preußische  Korps  war  am  Anfange  des  Krieges  bekanntlich
  erst  noch  bei  Glogau  zur  Beobachtung  der  Oestreicher  stehen  geblieben
  und  erst  nach  der  Schlacht  bei  Wörth  zur  III.  Armee  gestoßen.
Es  hatte  bisher  den  Feind  noch  nicht  zu  sehen  bekommen,  heute  war
es  zum  erstenmal  im  Feuer,  und  mit  lange  zurückgehaltener,  ungestümer
  Kampflust  warf  es  sich  auf  den  Feind.  Beaumont  wurde  genommen,
  gleichzeitig  drang  das  12.  Korps  hart  an  der  Maas  vor.

Indessen  wurde  das  1.  baiersche  Korps,  das  ebenfalls  auf  Beaumont
  operiren  sollte,  in  der  linken  Flanke  angegriffen,  wandte  sich
aber  mit  großer  Schnelligkeit,  warf  den  Angriff  zurück  und  trieb  den
Feind  vor  sich  her  in  der  Richtung  auf  Sedan  zu.  Von  Westen  her
avancirten  die  übrigen  Korps  der  III.  Armee,  gegen  Abend  wurden
die  Franzosen  gezwungen,  über  die  Brücke  von  Mouzon  auf  das  rechte
Maasufer  zu  retiriren,  wobei  sie  23  Geschütze,  mehrere  Tausend  Gefangene
  und  zahlreiche  Bagage  verloren.  Der  französische  rechte
Flügel  hatte  sich  vor  der  III.  Armee  auf  dem  linken  Maasufer  nach
Sedan  zurückgezogen.  Mouzon  wurde  noch  am  Abend  des  Schlachttages
  vom  4.  preußischen  Korps  besetzt.  Die  französische  Armee  hatte
harte  Verluste  erlitten,  die  Zahl  der  Gefallenen  auf  deutscher  Seite
war  gering,  da  an  diesem  Tage  keine  festen  Posizionen  zu  stürmen
gewesen  waren.

Auch  das  sächsische  Korps  hatte  am  30.  August  bereits  die  Maas