Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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sich  eingestand  Schiller  10,  135;  zugegeben,  aber  nicht
eingestanden,  dasz  das  schöne  charakteristisch  sein  müusse
Goethe  Sammler  5.  —  Eingeweide,  v.  die  inneren
weichen  Teile  der  Brust=  und  Bauchhöhle  (Herz,  Lunge,
Leber  und  Gedärme),  zunächst  an  jagd=  und  schlachtbaren
  Tieren,  dann  auch  auf  andere  und  Menschen  übertragen.
  Jäger=  und  Hirtenwort,  auf  mhd.  geweide
beruhend,  welches  Collectivbildung  zum  Fem.  weide,  ahd.
weida  Nahrung,  Futter  ist,  und  eigentlich  Gesamtheit
solches  Futters  bedeutet  (ein  weichin  wamba  diu  douwet.
daz  geweide  Genesis),  dann,  und  mit  örtlichem  in  versehen,
  unsern  jetzigen  Sinn  angenommen  hat,  wohl  nur
deswegen,  weil  die  innern  Weichteile  des  Jagd=  und
S  lachttere  die  nächste  Nahrung  des  Erlegenden  oder
Schlachtenden  bilten,  während  das  Muskelfleisch  ausgehoben
  wird  oder  der  Herrschaftsküche  zusällt.
mhd.  ingeweicke  (ahd.  nicht  bezeugt)  setzt  sich  in  dieser
Form  bis  17.  Ih.  sort  (des  bauchs  und  ingeweids  leibeigne
  Schuppius  752),  dafür  eingeweide  (vgl.  das
Adv.  ein)  bei  Luther,  und  dann  der  Schriftspr.  genehm
geworden;  zunächst  als  Gesamtname  nur  im  Sing.,  doch
gelegentlich  auch  schon  im  Plur.:  wusch  dic  eingeweide
und  schenkel  3.  Mos.  8,  21,  in  neuerer  Spr.  häufig.
eingeweide  der  Tiere:  alles  sett.  am  eingeweide  2.  Mos.
29,  13;  das  fell  des  farren.  und  des  eingeweide  3.  Mos.
4,  11;  der  Menschen:  krankheit  in  decinem  eingeweide
2.  Chron.  21,  15;  (Iudas)  ist  mitten  entzwei  geborsten
und  alle  sein  eingeweide  ausgeschut  Ap.  Gesch.  1,  18;
bei  Seelenschmerzen  bewegt:  mein  eingeweide  sieden
Hiob  30,  27;  es  schwindet  mir,  es  brennt  mein  eingeweide
  Goethe  W.  Meister  4,11;  Sitz  des  Fühlens:
du  schilderst  deines  vaters  herz.  wie  dus  besehreibst,
so  ists  in  seinem  eingeweide,  in  diescr  schwarzen.
heuchlerbrust  gestaltet  Schiller  Wallenst.  Tod  3,  18;
sprichwörtlich:  gegen  sein  eigenes  eingeweide  wöten;
nicht  so  rasend  in  ihre  eigenen  eingeweide  zu  wublen
Goethe  16,  101;  übertragen  auf  das  Innere  der  Erde,
eines  Behälters  u.  a.;  das  kellerlich  eingeweid  ist  mein
treud  Garg.  183;  Atna,  der  jahrhunderte  verheerung
in  seinen  eimgeweiden  sammelt  Klinger  Konradin  2,  1;
waften  sind  sein  (des  troj.  Pferdes)  eiogeweidc  Schiller
Zerst.  v.  Troj.  3;  wie  man  ..den  koffern  das  eingeweide
ansschuttet  Ränb.  1,  2.  —  eingewöhnen,  in  einen  Ort
oder  in  Verhältnisse  gewöhnen,  einen,  sich;  da  er  zumal
dadurch  auch  den  fürsten  cingewöhne  JPaul  Hesp.
3,  19;  er  hat  sich  hier  noch  nicht  eingewöhnt;  anders
eingewohnt,  s.  unter  einwohnen.

Eingießen,  in  etwas  gießen,  mhd.  in  giezen,  bier,
wein  ins  glas,  kaffece  in  die  tasse;  ich  werde  dir  den
thee  eingieszen  Freytag  Soll  1,  233;  der  eingegossen
wein  Garg.  36;  mit  unterdrücktem  Obi.:  schalen  und
kannen,  aus  und  einzugieszen  4.  Mof.  4,  7;  brachten
jr  die  gefes  zu,  so  gosz  sie  ein  2  Kön.  4,  5;  bildlich:
m  die  seele  eingegossen  hat  Weish.  Sal.  15,  11;
als  Amor  unverhofft  die  neue  denkart  pruft,  die  gram,
fllosofie  und  noth  ihm  eingegossen  Wieland  Musar.
1,  137;  —  gießend  in  etwas  befestigen:  eiserne  klammern
in  den  stein  eingieszen  Adelung.  —  eingraben,  grabend
  in  ein  Inneres  schaffen,  leichnam  in  die  erde,
pfahl  in  den  boden:  refl.  sich  in  die  erde  graben,  als
Schanzarbeiter  u.  ähnl.;  bildlich:  er  gräbt  sich  in  seine
hucher  ein;  mittels  Grabstichels  in  eine  Fläche  bringen,
inschrift  in  eine  platte;  deinen  namen  bab  ich,  wie
in  meine  brust,  eingegraben  in  des  baumes  rinden
Rückert  Liebesfr.  3,  26;  das  eingegrabne  wort  (auf  dem
Talisman)  Goethe  Div.  1,  2;  bildlich:  es  ist  in  mein

Eingeweide  —  eingreifen.

gemut  eingegraben  Stieler.  —  (eingreifen,  in  etwas.

reisen,  sinnlich:  in  meine  saiten  greif  ich  ein  Goethe
attenfänger;  von  Dingen:  kammräder  greifen  gut  cin
Adelung;  in  der  Jägerspr.  birsch  greist  oin,  wenn
er  seine  Fährte  deutlich  eindrückt;  unsinnlich  in  älterer
Rechtssprache,  in  eine  Sache  sich  mischen,  mit  dem  Bei-Das



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sinne  des  Unberechtigten  Haltaus  295;  einem  eingreilen,
  eines  Vorrechte  kränken  Adelung  als  oberdeutsch
  und  nicht  hochdeutsch,  d.  h.  meißnisch;  in  eine
sache  eingreifen,  sich  bestimmend  einmischen:  es  soll
keiner  dem  andern  in  sein  amt  eingreisfen  Stieler;
wenn  du  .  in  die  menschlichen  unternehmungen  eingreiken
  könntest  Goethe  W.  Meister  8,  1;  in  die  verwaltung
  aller  diöcesen  einzugreifen  Ranke  Päpste  1,29;
Inf.  als  Subst.:  ein  schnelles  eingreifen  menscherfreundlicher
  thätigkeit  Freytag  Erinn.  175;  Part.
eingreifende  maszregeln;  eine  mächtigere  und  eingreifendere
  stellung  in  Deutschland  Preußen  i.  B.  1,  110;
der  herr  präsident  ..  mit  dem  ihm  eignen  eingreifenden
  wesen  Bismarck  Reden  7,  150.  —  eingrenzen,
in  Grenzen  einschließen,  grundstucke;  bildlicht  eines  beugnisse.
  —  Eingriff,  m.  Handlung  des  Eingreifens,
eingriff  des  kammrades  in  das  getriebe  Adelung:
altes  Kriegswort,  —  seindlicher  Einfall:  land  und  leut
vor  der  Teutschen  eingriff  und  uberfal  beschutzen
Aventin  1,  615;  und  Rechtswort,  Einmischung  mit
dem  Beisinne  des  Unberechtigten:  was  sie  den  burgern
eingriffs  und  schaden  gethan  haben  Haltaus  295
(v.  1389);  von  welcher  Verwendung  der  Nachklang  in
neuerer  Spr.:  eingriff  des  rechtens,  violalio  fitris
Stieler;  kein  eigensinn  kann  erlaubt  werden,  so
bald  er  ein  eingriff  in  eine  regel  sein  kann  Herder
z.  Litt.  1,  100;  eingrif  in  die  rechte  der  groszen
Schiller  4,36.  —  Einguß,  m.  Handlung  des  Eingießens;
  was  eingegossen  wird,  einem  Tiere  gegebene
Arznei  (Adelung);  Gerät  zum  Eingießen,  in  Schmelzhütten
  Fslerne  Rinnen,  worein  die  Silberzeine  gegossen
werden,  dei  Metallarbeitern  Offnung  der  Gießsorm,  in
die  das  flüssige  Metall  läuft;  mitteldentsch  in  Haushaltungen
  das  Inlett,  worein  die  Bettfedern  kommen.
Einhacken,  hackend  einbringen,  die  spitzen  zähne
Schiller  Kampf  mit  d.  Drach.;  hackend  untermischen,
fleise,  in  die  wurst.  —  einhaken,  hakend  in  etwas
schließen,  den  baken,  beftel,  begrifftauschend  das  kleid;
die  daumen  eingehakt  in  die  armöffnungen  der  weiszen
weste  HHeine  2,  40.  —  Einhalt,  m.  Handlung  des
Einhaltens,  namentlich  des  Hemmens:  einem  an  seiner
vergnugung  einhalt  tuhn  Stieler.  —  einhalten,  1)  in
einen  geschlossenen  Raum  sperren,  nicht  auglassen  refl.
l7  Hause  bleiben:  also  dielt  ich  mich  ein  Simpl.  1,  250;
as  ich  mir  vornahm,  mich  einzuhalten  und  vor  keinem
menschen  mehr  schen  zu  lassen  338;  und  noch:  der
gesandte  ist  unpasz,  und  wird  sich  also  einige  tage  eindalten
  Goethe  Werther  2,  jetzt  nicht  mehr;  einen,
vom  Fortgehen  zurückhalten:  einen  im  laufe  einbalten
Steinbach;  unsimllicher  zurückhalten  in  Neigung  und
un:  da  wurden  wir  eingehalten  wie  die  mönche
Simpl.  1,  436;  des  knaben  frechheit  hielt  er  mit
schlägen  ein  Steinbach;  etwas,  zurückhalten,  hemmen,
seine  begierden,  das  toben,  die  fucht,  reise  eines  andern
ebd.;  wenn  des  dichters  muhle  geht,  balte  sie  nicht
ein  Goethe  Div.  1,  15;  eine  tendenz  ..  die  nicht
mehr  zuruckzudrängen,  noch  einzubalten  war  Ranke
Päpste  1,  348;  einem  geld,  eine  forderung  einhalten,
die  Auszahlung  hemmen;  intranf.  sich  zurückhalten,
warten:  wann  ich  einbalte,  bisz  ich  meinen  verstand
völliger  bekomme  Simpl.  1,  330;  in  neuerer  Spr.  ein
Thun  hemmen:  halt  ein!  halt,  unerbittlich  strenge!
Goethe  was  wir  bringen,  Forts.  3;  im  lesen,  mit  einer
arbeit.  dem  reden,  singen  einhalten.  2)  einhalten,  zeitlich,
  Frist  halten,  innerhalb  derselben  pünktlich  sein;
trans.  er  hielt  die  lieferzeit  ein;  bestimmte  tagesstunde
.  selten  dasz  er  sie  einhält  Goethe  Wanderj.  1,  6;
auch  intranf.  mit  etwas:  er  hat  mit  der  bezahlung
richtig  eingchalten  Stieler.  —  einhandeln,  durch
Handeln  in  Besitz  bringen,  waren,  guter;  völker  mii
allen  ihren  besitzungcu,  die  man  fur  einen  könig  einzuhandeln
  versteht  Goethe  DuW.  4;  babe  einen

eingrenzen  —  einhandeln.