Full text : Europäischer Geschichtskalender. Elfter Jahrgang. 1870. (11)

Preußen  und  der  norddeutsche  Pund.  93

am  Mittwoch  den  27.  Juli  ein  außerordentlicher  allgemeiner  Bettag  gehalten
werde  u.  s.  w.  Zugleich  bestimme  ich,  daß  während  der  Dauer  des  Krieges
in  allen  öffentlichen  Gottesdiensten  dafür  besonders  gebetet  werde,  daß  Gott  in

diesem  Kampfe  uns  zum  Siege  führe,  daß  er  uns  Gnade  gebe,  auch  gegen

unsere  Feinde  uns  als  Christen  zu  verhalten,  und  daß  er  uns  zu  einem  die
Ehre  und  Unabhängigkeit  Deutschlands  dauernd  verbürgenden  Frieden  in
Gnaden  gelangen  lasse."

23.  Juli.  (Preußen).  Die  Regierung  glaubt  sich  bemüßigt,  vorsichtshalber

24.

25.

auch  Kryger  und  andere  Häupter  der  dänischen  Partei  in  Nordschleswig
  vorläufig  in  Hast  zu  nehmen  und  sämmtliche  Blätter  derselben
  vorerst  zu  suspendiren.

„  (Preußen).  Der  Krenprinz  wehnt  ver  seinem  Abgange  zur
Armce  noch  der  Taufe  seiner  jüngsten  Techter  bei.  Die  Könige
von  Bayern  und  Württemberg  sind  Pathen  derselben.

„  (Der  Krieg).  Die  französische  Flotte  unter  dem  Vice-Admiral
Bouet-Willaumez  läuft  von  Cherbourg  aus.  Statt  der  beabsichtigten
14  Panzerschisse,  einer  großen  Anzahl  Avisos  und  anderer  Fahrzeuge,
besteht  dieselbe  bloß  aus  7  Panzerschiffen  und  einem  einzigen  Aviso.
Eine  zweite  Flotte  mit  30,000  Mann  Landungstruppen  unter  General
  Bourbaki  soll  ihm  aber  bald  nachfolgen.

Frankreich  notificirt  den  Mächten  die  bevorstehende  Blokade  der
deutschen  Nordseeküsten.  Die  deutsche  Flotte  ist  größtentheils  in
Wilhelmshafen  gegen  Uebermacht  geborgen,  gegen  gleiche  Kräfte  zur
Action  bereit.  An  allen  deutschen  Küsten  sind  die  Seezeichen  beseitigt,
  an  den  gefährdetsten  Punkten  Terpedos  gelegt  und  andere
Hindernisse  angebracht,  an  der  Vollendung  und  Verrollständigung
der  Küstenbefestigungen  wird  eifrigst  gearbeitet.

„  (Nordd.  BVund).  Die  preuß.  Regierung  läßt  zuerst  in  der
Times  die  Pläne  Frankreichs  auf  Velgien  enthüllen.

Die  Enthüllung  besteht  in  einem  Vertragsentwurf,  welchen  der  französische
  Botschafter  Benedetti  im  Frühjahre  1869,  zur  Zeit  des  belgischen
Eisenbahnstreites,  in  Berlin  vorgelegt  hatte,  und  der  auf  nichts  Geringeres
hinzielte,  als  auf  den  Erwerb  von  Luxemburg  und  Belgien  für  Frankreich,
wogegen  Preußen  so  gut  wie  freie  Hand  in  Deutschland  haben  sollte.  Das
Angebot  wurde  von  Preußen  zurückgewiesen.  Der  von  Benedetti  in  seiner
Handschrift  abgefaßte  Entwurf  lautet  in  deutscher  Uebersetzung:

„Se.  Maj.  der  König  von  Preußen  und  Se.  Maj.  der  Kaiser  der  Franzosen,
  indem  sie  als  nühlich  erachten,  die  Bande  der  Freundschaft  enger  zu
knüpfen,  die  sie  verbinden,  und  die  Beziehungen  der  guten  Nachbarschaft  zu
befestigen,  die  glücklicher  Weise  zwischen  den  beiden  Ländern  bestehen;  andererseits
  überzeugt,  daß,  um  dieses  Resultat  zu  erzielen,  das  im  Uebrigen  geeignet
ist,  die  Aufrechterhaltung  des  allgemeinen  Friedens  zu  sichern,  es  wichtig  für
sie  ist,  sich  über  die  Fragen  zu  verständigen,  die  ihre  künftigen  Beziehungen
interessiren,  haben  beschlossen,  zu  diesem  Zwecke  einen  Vertrag  abzuschließen,
und  in  Folge  dessen  zu  ihren  Bevollmächtigten  ernannt:  Se.  Maj.  2c.  2c.,
Se.  Maj.  2c.  2c.,  welche,  nach  Austausch  ihrer  in  guter  und  gehöriger  Form
befundenen  Vollmachten  über  nachstehende  Artikel  übereingekommen  sind:  Art.  I.
Se.  Maj,.  der  Kaiser  der  Franzosen  gibt  zu  und  erkennt  die  Erwerbungen  an,
welche  Preußen  gemacht  hat  in  Folge  des  letzten  Krieges,  welchen  es  gegen