Full text : Archiv für öffentliches Recht.Siebenter Band. (7)

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während  dieser  langen  Zeit  thatsächlich  unnöthig  und  unmöglich
gewesen  oder  unmöglich  gemacht  wurde.  Es  bewährte  sich  hierdurch,
  was  sich  ja  allgemein  bewähren  muss,  nämlich  einmal,
dass  das  formelle  Recht  nicht  überall  ausreicht,  und  dann,  dass
sein  Bestand  und  seine  Geltung  unabhängig  davon  ist,  ob  und
wie  oft  es  wirklich  zur  Anwendung  komme,  ja  dass  es  um  so
besser  wirkt,  je  seltener  es  gebraucht  werden  muss.

Setzen  wir  aber  andere  Verhältnisse,  so  muss  doch  bezüglich
  der  Anwendung  des  königlichen  Vetos  bedacht  werden,  dass
es  zu  seiner  Geltendmachung  der  Gegenzeichnung  des  leitenden
Ministers  bedarf.  Nach  englischem  Recht  ist  dieser,  was  er  ist,
regelmässig  nur  durch  den  Besitz  der  Parlamentsmajorität,  und
es  kann  nicht  angenommen  werden,  dass  er  ein  Veto  contrasignire,
  welches  gegen  ein  von  seiner  Majorität  beschlossenes
Gesetz  ginge.  Hierzu  wäre  also  ein  anderes  Ministerium  erforderlich,
  welches  die  Majorität  nicht  hätte  und  folgeweise  auch  nicht
regieren  könnte.  Dass  der  König  frei  den  Minister  zu  ernennen
berechtigt  ist,  ändert  hieran  nichts,  da  in  England  nach  einer
Art  von  Naturnothwendigkeit  dieses  Recht  wenigstens  in  allen
Fällen  einer  unzweifelhaften  Parlamentsmajorität  nur  zu  Gunsten
ihres  Führers  ausgeübt  werden  kann,  und  also  hier,  wo  jede  Partei
eine  regierungsfähige  sein  muss,  die  Unmöglichkeit  als  Grenze
der  Freiheit  erscheint.

Gerade  der  Mangel  einer  scharfen  Abgrenzung  der  sog.
Prärogativen  des  Volkes,  des  Parlamentes  und  der  Krone  lässt
eine  doctrinäre  Anwendung  der  Volks-,  Parlaments-  und  Königssouveränetät
  nicht  zu  und  trägt  zur  Erklärung  der  geschilderten
Verhältnisse  wesentlich  be.  Wenn  sich  nun  auf  dem  Continent
die  Sache  wesentlich  anders  stellt,  so  wird  doch  die  Anwendung
des  monarchischen  Vetos  stets  eine  sehr  zu  überlegende  Frage
sein.  Und  wenn  man  namentlich  an  das  ständische  Budgetrecht
auch  in  seiner  vernünftigsten  Begrenzung  denkt,  so  wird  man
eine  gefährliche  Anordnung  des  Vetos  nicht  wohl  sich  denken