Besipfragen. 199
ceterum anto traditionem, duamvis bonae fdei quis
emtor sit, experiri Publiciana non poterit.
Vgl. ferner I. 7 8 17; I. 9; I. 11 p. § 1 D. eod.
Nach allem dem wird man zu dem Schlusse gedrängt,
daß weder usu capio noch actio Publiciana stattfinden
kann, wo zwar causa emtionis, jedoch nicht Besitzerlangung
ex eadem cansa vorliegt, der Besitz vielmehr
anderweitig erlangt wurde. Dies ist, wie schon Brinzs)
gesehen hat, möglich, wenn sich Jemand für den Besitzer
einer Sache hält oder für den Bevollmächtigten des Besitzers,
in dieser Meinung dem Käufer gestattet das
Kaufobject zu apprehendiren und dieser die Apprehension
vornimmt. Diese Constellation ist in dem Rechtsfalle gegeben,
von dem unsere Betrachtung ausgeht.
Hier konnte von dem Erwerb des Besitzes ex causa
emtionis d. h. von Besitzestradition nicht die Rede sein.
Denn tradiren konnte nicht, wer selbst weder Besitz noch
vom Besitzer Vollmacht hatte. Wohl aber konnte der
Käufer die ihm thatsächlich gebotene Apprehensionsgelegenheit
benützen und in der Meinung, es vollziehe
sich Tradition, den Besiß ergreifen.
Ferner ist der äußere Anschein von Tradition — keine
wirkliche Tradition — vorhanden, wo bisheriger Besitzer
eine willens= oder handlungsunfähige Person gewesen
ist, welche dem Erwerber gestattet hat, den Besitz zu ergreifen.
Man muß hiebei zwei Möglichkeiten ins Auge
fassen:
1) Die causa traditionis wurde von einer handlungsfähigen
Person gesetzt; der Traditionsact von einer
handlungsunfähigen. Z. B. der Verkäufer war zur Zeit
des Kaufsabschlusses gesund, zur Zeit des Traditionsactes
ist er geisteskrank; oder er war zur ersteren Zeit
in der Verfügung über sein Vermögen unbeschränkt, zu
letzterer Zeit aber wegen Verschwendung interdicirt; oder
*) Pand. (2. Aufl.) Bd. 1 S. 510.