Full text : Verhandlungen der Zweyten Kammer der Ständeversammlung des Königreichs Bayern im Jahre 1827/28. (13)

Besipfragen.  199

ceterum  anto  traditionem,  duamvis  bonae  fdei  quis
emtor  sit,  experiri  Publiciana  non  poterit.

Vgl.  ferner  I.  7  8  17;  I.  9;  I.  11  p.  §  1  D.  eod.

Nach  allem  dem  wird  man  zu  dem  Schlusse  gedrängt,
daß  weder  usu  capio  noch  actio  Publiciana  stattfinden
kann,  wo  zwar  causa  emtionis,  jedoch  nicht  Besitzerlangung
  ex  eadem  cansa  vorliegt,  der  Besitz  vielmehr
anderweitig  erlangt  wurde.  Dies  ist,  wie  schon  Brinzs)
gesehen  hat,  möglich,  wenn  sich  Jemand  für  den  Besitzer
einer  Sache  hält  oder  für  den  Bevollmächtigten  des  Besitzers,
  in  dieser  Meinung  dem  Käufer  gestattet  das
Kaufobject  zu  apprehendiren  und  dieser  die  Apprehension
vornimmt.  Diese  Constellation  ist  in  dem  Rechtsfalle  gegeben,
  von  dem  unsere  Betrachtung  ausgeht.

Hier  konnte  von  dem  Erwerb  des  Besitzes  ex  causa
emtionis  d.  h.  von  Besitzestradition  nicht  die  Rede  sein.
Denn  tradiren  konnte  nicht,  wer  selbst  weder  Besitz  noch
vom  Besitzer  Vollmacht  hatte.  Wohl  aber  konnte  der
Käufer  die  ihm  thatsächlich  gebotene  Apprehensionsgelegenheit
  benützen  und  in  der  Meinung,  es  vollziehe
sich  Tradition,  den  Besiß  ergreifen.

Ferner  ist  der  äußere  Anschein  von  Tradition  —  keine
wirkliche  Tradition  —  vorhanden,  wo  bisheriger  Besitzer
eine  willens=  oder  handlungsunfähige  Person  gewesen
ist,  welche  dem  Erwerber  gestattet  hat,  den  Besitz  zu  ergreifen.
  Man  muß  hiebei  zwei  Möglichkeiten  ins  Auge
fassen:

1)  Die  causa  traditionis  wurde  von  einer  handlungsfähigen
  Person  gesetzt;  der  Traditionsact  von  einer
handlungsunfähigen.  Z.  B.  der  Verkäufer  war  zur  Zeit
des  Kaufsabschlusses  gesund,  zur  Zeit  des  Traditionsactes
  ist  er  geisteskrank;  oder  er  war  zur  ersteren  Zeit
in  der  Verfügung  über  sein  Vermögen  unbeschränkt,  zu
letzterer  Zeit  aber  wegen  Verschwendung  interdicirt;  oder

*)  Pand.  (2.  Aufl.)  Bd.  1  S.  510.