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Grenzaufseherkindern war ein 7 Monate alter Säugling ungeimpft, ein 8jähriger Knabe
im 1. Lebensjahre geimpft, ferner war ein in Adlig-Krottingen betroffener 43jähriger Instmann
im 20. Lebensjahre der Wiederimpfung unterzogen worden. Die russische Dienstmagd
und die verstorbene Frau hatten ihre pockenkranken Brüder jenseits der Grenze besucht
und sich hierbei angesteckt.
Über den Todesfall berichtete der Reg.-Präsident folgendes:
„Infolge einer Anzeige des praktischen Arztes Dr. X. in Y., daß die Losmannsfrau A. daselbst
infolge von Wochenbettfsieber unter der Behandlung einer Hebammenpfuscherin verstorben sei, veranlaßte
der Staatsanwalt am 27. September die Exhumierung und gerichtliche Sektivon. Diese ergab, daß der
Tod nicht an Wochenbettfieber, sondern an Pocken erfolgt war. Die Leiche war mit einem ausgesprochenen,
dichtgesäten Pockenausschlag bedeckt, die Unterleibsorgane ließen auf eine kürzlich stattgehabte Entbindung
und starken Blutverlust schließen, zeigten jedoch keine entzündlichen Erscheinungen.
Die 24 jährige, im Kreise Memel geborene Frau war schon in früher Jugend nach Rußland verzogen
und vor 2 bis 8 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt. Impfnarben ließen sich nicht feststellen,
auch den Angehörigen war von einer stattgehabten Impfung nichts bekannt. Etwa 8 Tage vor ihrer
Entbindung besuchte die Frau ihren pockenkranken Bruder in Russisch-Krottingen. Am 1. September wurde
sie entbunden, am 3. September traten Schüttelfrost und Rückenschmerzen auf. Der am 5. und 6. September
hinzugezogene Dr. X., vermochte nach seiner Angabe die Diagnose „Pocken“ oder „Pockenverdacht“ nicht zu
stellen, da er diese Krankheit überhaupt noch nicht gesehen habe. Am 8. September trat der Tod ein.“
Im Kreise Neidenburg erkrankten zu Rettkowen 2 Kinder einer Familie (ein
ungeimpfter Säugling und ein geimpftes 10jähriges Mädchen), in der Stadt Neidenburg
ein wiedergeimpftes 20jähriges Dienstmädchen. Dieses hatte an der Beerdigung seiner
Mutter, die in der Gemeinde Borchersdorf kurz vorher ohne Zuziehung eines Arztes an
„Ausschlag und Schwellung“ gestorben war, teilgenommen. In Borchersdorf wurde ferner
ein erfolglos geimpftes 2jähriges Mädchen von konfluierenden Pocken schwer betroffen, denen
es am 6. Dezember erlag.
In den Grenzkreis Johannisburg (Reg.-Bez. Gumbinnen) wurde die Seuche durch
einen wiedergeimpften 49jährigen Arbeiter in Kosuchen eingeschleppt. Er selbst erkrankte
gegen Ende März nur leicht an diskreten Pocken, steckte aber alsbald sein ungeimpftes
7 Monate altes Kind an, das nach Ausbruch konfluierender Pocken am 20. April verstarb.
Ferner ereigneten sich in benachbarten Familien 4 Fälle, von denen 2 (bei einem vor
22 Jahren wiedergeimpften 34jährigen Kätner und bei einem ungeimpften 1jährigen Kinde)
nach Ausbruch konfluierender und hämorrhagischer Pocken am 4. und 16. Mai zum Tode
führten, während 2 geimpfte Mädchen im Alter von 7 und 8 Jahren und im Nachbardorfe
Rolken ein geimpfter 34jähriger Mann von diskreten Pocken leicht betroffen wurden.
Im Reg.-Bez. Oppeln erkrankte nahe der russischen Grenze in der Stadt Beuthen
die als Kind geimpfte 32jährige Ehefrau eines Speditionsarbeiters.
An der Westgrenze des Reiches entstand im Bezirk Lothringen in den Kreisen
Metz und Diedenhofen eine Pockenepidemie, die ihren Ursprung in Frankreich hatte und
aus den französischen Grenzorten andauernd neue Nahrung erhielt. Von den insgesamt
54 Erkrankungen (mit 7 Todesfällen) entfielen auf den Kreis Diedenhofen-West 35 (6),
davon auf Algringen 13 (1), Bollingen 7 (2), Deutsch-Oth 6 (3), Kneuttingen und
Redingen je 3, Nilvingen 2, Hayingen 1, auf den Stadikreis Metz 10 (1), auf
St. Marie--aux-Chenes (Landkreis Metz) 4, auf die Stadt Diedenhofen 5.
Zuerst trat die Seuche in der Stadt Metz auf, wo im Monat März 5 Pockenfälle
festgestellt wurden, die auf Ansteckung im Bezirksgefängnis zurückzuführen waren. Der
erste Fall war vermutlich aus Nancy eingeschleppt, wo ebenfalls im Gefängnis die Pocken
geherrscht haben sollen. An diese Fälle schloß sich eine Ansteckung im Hospital Bonsecours
und ein Erkrankungsfall in einem der Pockenabteilung benachbarten Hause. Betroffen waren